Schulministerin Yvonne Gebauer spricht in Neuss über Erfolge und Probleme im aktuellen Bildungssystem

Yvonne Gebauer in Neuss : „Es werden bis zu 15.000 Lehrer fehlen“

Eine FDP-Ministerin auf einer CDU-Veranstaltung – das gab es jetzt in der Wetthalle zu sehen. Schulministerin Yvonne Gebauer sprach über Erfolge und Probleme im aktuellen Bildungssystem. Vor allem der Personalmangel macht Sorgen.

An Aufgaben und Herausforderungen mangelt es der Landesschulministerin Yvonne Gebauer nun wahrlich nicht. Trotzdem nahm sie sich jetzt anderthalb Stunden Zeit, um das Erreichte seit ihrem Amtsantritt vor ziemlich genau zwei Jahren in der Eventlocation Wetthalle vorzustellen. Außerdem erklärte sie, was es noch zu tun gibt und wo es hakt. Ein besonders gravierendes Problem: Die Suche nach geeigneten Fachkräften.

Jörg Geerlings interpretierte die Tatsache, dass eine FDP-Ministerin auf einer CDU-Veranstaltung spricht, so: „Das zeigt, wie gut die Zusammenarbeit im Land funktioniert.“ Und er schob noch ein weiteres Kompliment hinterher: „Frau Gebauer ist Mitglied einer anderen wichtigen Partei.“ Unter der riesigen, sich langsam drehenden Disco-Kugel saßen Lehrer, Schuldezernentin Christiane Zangs und Vertreter der unterschiedlichen Fraktionen.

Immer wieder sollte es Applaus für die Ministerin geben, die den Eindruck erweckte, einen guten Job zu machen. Unter dem von Jörg Geerlings bewusst schwammig gefassten Thema „Bildungspolitik in Nordrhein-Westfalen: Talente entdecken, Potenziale fördern, beste Bildung gestalten“ erfuhren die Zuhörer beispielsweise, dass die Umstellung von G9 auf G8 im vollen Gange ist, dass nur drei Gymnasien in Nordrhein-Westfalen bei G8 bleiben werden: „Es gibt also keinen Flickenteppich, wie von der Opposition prognostiziert“, erklärte die Ministerin. Die Kernlehrpläne seien soweit fertig, der Zeitplan werde eingehalten.

Bei der Umsetzung der Inklusion sieht es nicht so rosig aus. „Wir fragen derzeit ab, wer Schule des gemeinsamen Lernens werden will“, erklärte die FDP-Frau. Dann erfolgten die Stellenzuweisungen. „Es werden nicht alles Sonderpädagogen sein“, kündigte die Ministerin an. Was ihr Sorgen bereitet: „Es werden bis zu 15.000 Lehrer fehlen in den nächsten Jahren.“

Zugleich werde es für die Sekundarstufe II ein Überangebot von bis zu 16.000 jungen Lehrkräften geben. Der Lehrermangel sei im Ruhrgebiet am größten, es mangele auch an sozialpädagogischen Fachkräften. Die Anzahl der Studienplätze sei deshalb landesweit um 250 erhöht worden. Die Ministerin will darüber hinaus auch die berufliche Bildung stärken – dafür wurde eine Agenda mit insgesamt 56 Maßnahmen auf den Weg gebracht. Kontakte zu allen relevanten Akteuren wie Handwerksbetrieben und Industrie- und Handelskammern sollen dem stetig wachsenden Fachkräftemangel entgegenwirken. Die „Talentschulen“ sollen Problemviertel aufwerten, sie als Wohnort für Eltern mit schulpflichtigen Kindern interessant machen.

Die Ministerin möchte, dass in den Grundschulen wieder mehr Wert auf Lesen, Schreiben und Rechnen gelegt wird. Der CDU-Vorsitzende Jürgen Brautmeier eilte nach dem Vortrag mit dem Mikrofon immer dorthin, wo jemand aufzeigte. Nein, ein Fach „Europa“ werde es nicht geben, ja, sie werde sich für den Erhalt von Förderschulen einsetzen. Nicht viel hält die Ministerin von einem Kopftuchverbot für muslimische Schülerinnen – sie hält es für kaum umsetzbar.

Als Problem betrachtet Yvonne Gebauer allerdings, dass immer mehr muslimische Kinder und Jugendliche fasten, was ihre Leistung einschränke. „Solche Debatten gehören in die Gesellschaft und nicht ins Klassenzimmer“, gab die Ministerin zu bedenken.

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