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Neuss: Schulen sind auf Lehrersuche

Neuss : Schulen sind auf Lehrersuche

In den Neusser Schulen ist der Lehrermangel in den naturwissenschaftlichen Fächern akut: In Chemie, Mathematik und Informatik fehlen Fachlehrer. Das beeinträchtigt nicht nur den Unterricht, auch Zusatzangebote fallen weg.

Eigentlich ist Enno Schönberger seit vier Jahren Pensionär, doch seit kurzem geht der 68-Jährige wieder arbeiten: Der Chemielehrer betreut einen Leistungskurs am Quirinus-Gymnasium. "Ohne ihn hätten wir den Kursus nicht mehr anbieten können", sagt der scheidende Schulleiter Johannes Hamacher, der insbesondere in Mathematik und Naturwissenschaften neue Lehrer braucht, diese aber nur selten findet.

"Der Lehrermangel trifft bestimmte Mangelfächer", sagt Jürgen Müller, der beim Philologen-Verband NRW für die Region Neuss zuständig ist. Der Verband warnt vor einer Überalterung vieler Lehrkräfte: Fast jeder zweite deutsche Lehrer ist demnach älter als 50 Jahre alt. Dass sich viele Beamte vor ihrem 65. Lebensjahr pensionieren lassen, verstärke das Problem der "Rentenwelle" an den Schulen.

Unterricht fällt nicht aus

Dabei heißt Lehrermangel nicht unbedingt, dass zwangsweise Unterricht ausfällt, wie Werner Wehres von der Realschule Norf berichtet. "Aber wenn mehr Lehrer da sind, können wir auch mehr Zusatzangebote bieten", sagt Wehres. Gerade an Ganztagsschulen sei es wichtig, dass die Freizeit sinnvoll und unter Aufsicht gestaltet werde, an seiner Realschule etwa mit einer Tanz AG oder einer Garten AG. "Der Lehrermangel schränkt solche Angebote ein", sagt Wehres.

In einigen Fächern fällt es den Schulleitern richtiggehend leicht, Nachwuchs-Lehrer zu finden. "Ist eine Stelle in Deutsch oder Geschichte zu vergeben, häufen sich die Bewerbungen", sagt Gerhard Kath, Rektor des Alexander von Humboldt-Gymnasiums. Wolle er aber einen Naturwissenschaftler an seine Schule locken, finde sich einfach kein passender Kandidat. Gerade brauche ich unbedingt einen Mathematiklehrer", sagt Kath. Doch der ist bislang nicht zu finden.

Jürgen Müller vom NRW-Philologen-Verband nennt das eine "vertrackte Situation". Denn einerseits suchen viele Lehrer, die geisteswissenschaftliche Fächer wie Deutsch, Erdkunde oder Geschichte studiert haben, nach Stellen. Andererseits gebe es einen Fachlehrermangel, etwa in Chemie, Mathematik oder Informatik. "Das führt dazu, dass wir einen Lehrermangel haben und gleichzeitig viele Lehrer arbeitslos sind", so Müller. Zwar gibt es vom NRW-Schulministerium ein Seiteneinsteiger-Programm für berufserfahrene Bewerber mit Hochschulabschluss, die neue Herausforderungen suchen. Doch das Programm konnte den Lehrermangel bislang nicht aufwiegen. So müssen die Schulen weiter nach Alternativen wie Pensionär Enno Schönberger suchen, der sich fest vorgenommen hat "seinen" Leistungskurs Chemie am Quirinus-Gymnasium bis zum Abitur zu begleiten.

(NGZ)