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Neuss: Schulen fordern Islamkunde

Neuss : Schulen fordern Islamkunde

Die Pläne der NRW-Landesregierung, ab dem kommenden Schuljahr das Fach Islamkunde einzuführen, stoßen bei den Schulen auf positive Resonanz. Denn fast die Hälfte aller Neusser Schüler hat einen Migrationshintergrund.

Muslimische Schüler bekommen an Neusser Schulen bislang keinen Religionsunterricht: Sie besuchen stattdessen Philosophie-Stunden oder werden anderweitig betreut. Das könnte sich bald ändern: Die Landesregierung will Islamkunde ab dem kommenden Schuljahr schrittweise einführen.

Für die Stadt Neuss ist das insofern interessant, weil mehr als 40 Prozent aller Schulkinder einen so genannten Migrationshintergrund haben. Das heißt: Mindestens ein Elternteil dieser Kinder besitzt keinen deutschen Pass. "Zur Religionszugehörigkeit sagt dies noch nichts aus", sagt Schuldezernentin Christiane Zangs. Allerdings stelle sie in den vergangenen Jahren fest, dass immer weniger Kinder, die neu in den Grundschulen eingeschult werden, getauft sind.

In Neuss sind es vor allem die Schulleiter der Haupt- und Realschulen, die einen Bedarf für Islamkunde sehen — weil an ihren Schulen der Anteil der muslimischen Kinder vergleichsweise hoch ist. Zum Beispiel in Derikum: An der Geschwister-Scholl-Hauptschule sind mehr als ein Drittel der 306 Schüler muslimisch. Oder an der Hauptschule Weißenberg: Rund 80 der 230 Schüler bekennen sich zum Islam. "Auch diese Schüler sollten die Chance bekommen, ihre Religion kennen zu lernen", findet Werner Wehres, Schulleiter der Realschule Norf, der an seiner Schule ebenfalls Bedarf für das Fach Islamkunde sieht.

Einig sind sich alle Lehrer in einer Forderung: Der Unterricht müsse auf Deutsch stattfinden, unter staatlicher Aufsicht stehen und sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung einsetzen.

Das findet auch Halil Koçak, der an der Hauptschule Weißenberg Türkischunterricht erteilt — das tut er immer dann, wenn die übrigen Kinder evangelischen und katholischen Religionsunterricht haben. In den Unterricht lässt Koçak, der ausgebildeter Islamkundelehrer ist, auch religiöse Inhalte einfließen. "Denn viele Kinder lernen in den Moscheen eine einseitige Sicht des Islams", sagt Koçak, der stets versucht, seinen Unterricht religionsübergreifend zu gestalten, also etwa bei der Besprechung muslimischer Festtage auch christliche und jüdische Feste berücksichtigt. Es gebe viele Vorurteile bei den Schülern, erzählt er. "Ein staatlich geregelter Islamunterricht könnte daran ansetzen und damit zur Integration beitragen", meint Koçak, der das Fach auch gerne unterrichten würde. An Erfahrung mangelt es nicht: "Wir hatten schon vor mehreren Jahren ein Projekt zur Islamkunde", erzählt Wilhelm Handke, Schulleiter der Geschwister-Scholl-Schule. "Sobald es möglich ist, könnten wir neu starten."

(NGZ/url)