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Schule in Neuss: Corona sorgt nach dem Abitur für stillen Abschied

Schule und Corona in Neuss : Abitur ohne großes Aufsehen - „wir machen unseren Abschluss heimlich, still und leise“

Von den Erinnerungen an Abiball, Mottowoche und Abiparade zehren Abschlussjahrgänge bei späteren Treffen mit großer Begeisterung. Aber die diesjährigen Abiturienten müssen auf all dies verzichten. Ihnen droht ein leiser Abgang ohne große Feier nach dem Reifezeugnis.

Mit dem Abitur endet für die Schüler ein Lebensabschnitt. Viele von ihnen wollen direkt an die Uni und studieren, andere machen eine Ausbildung, manche wollen zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr oder „Work and travel“ in fernen Ländern machen, weil sie noch nicht genau wissen, in welche Richtung es später für sie gehen soll. Eines ist aber sicher: Bei den Feierlichkeiten rund um den Schulabschluss kommen die Absolventen noch ein letztes Mal zusammen, bevor der viel zitierte „Ernst des Lebens“ beginnt. In diesem Jahr ist aufgrund der Corona-Pandemie alles anders.

Elisa Büsing macht ihr Abitur am Nelly-Sachs-Gymnasium. Die schriftlichen Prüfungen hat die 17-Jährige, genau wie ihre Mitschüler, bereits hinter sich, die mündliche Prüfung steht noch aus. Neben den Klausuren mussten sie sich gedanklich auch mit den Abschlussfeierlichkeiten befassen, denn die können dieses Jahr nicht wie gewohnt stattfinden. „Ich glaube, einige von uns haben das emotional noch gar nicht so realisiert“, sagt Elisa Büsing. „Auch wenn das noch keiner miterlebt hat und alles neu für uns ist, wir haben ja in den vergangenen Jahren bei den Stufen über uns gedacht, in zwei Jahren machen wir das auch, nächstes Jahr sind wir dran. Und jetzt fällt das alles weg. Man kann sagen, wir machen unseren Abschluss heimlich, still und leise.“

Auch wenn kein Abiball, keine Mottowoche und keine Abiparade stattfinden können, eine Zeugnisvergabe soll es für die Schulen natürlich trotzdem geben. Die Frage ist nur, in welchem Rahmen das möglich ist. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) sagte am Mittwoch, dass kleine Abschlussfeiern ermöglicht werden sollen. „Dies ist ein wichtiges Ereignis für die ganze Familie“, sagte Gebauer. „Es wäre ein schmerzlicher Verzicht, den Schülern und ihren Familien diesen ganz besonderen Moment der Freude und des Stolzes vorzuenthalten.“ Das Land werde in den kommenden Tagen die rechtlichen Regelungen dafür schaffen.

Darauf warten auch die Schulen. Wie die Zeugnisvergaben dann genau ablaufen sollen, hängt von den aktuellen Versammlungsregeln ab. „Entweder wird nur die Stufe in der Schule erscheinen, maximal sollen die Eltern mit dabei sein, dann eventuell auf dem Schulhof. Das ist unser Kenntnisstand“, sagt Büsing. Im Gegensatz zu vielen ihrer Mitschülerinnen hat die 17-Jährige nicht das Problem, nun ein teures Ballkleid im Schrank hängen zu haben, von dem die Besitzerin nicht weiß, ob und wann es getragen werden kann. „Ich wollte mich in aller Ruhe nach den Prüfungen darum kümmern. In dieser Hinsicht habe ich noch mal Glück gehabt“, sagt sie. Die Stufe diskutiert momentan darüber, ob der Abiball zu einem späteren Zeitpunkt, zum Beispiel in einem Jahr, nachgeholt werden soll. „Wir hatten uns alle auf die Feiern gefreut. Wir würden sehr gerne mit unseren Eltern, Geschwistern, Freunden und Lehrern feiern. Aber wir wissen auch, dass es nicht dasselbe sein wird“, sagt Büsing.

Für die Zeit nach dem Abitur hatte sie bereits Pläne, von denen sie hofft, diese noch umsetzen zu können. „Ich möchte ab September für ein halbes Jahr als Au Pair arbeiten – irgendwo in Europa.“ Danach strebt sie ein Medizinstudium an. Einige ihrer Mitschüler hatten gemeinsame Reisen geplant, die nun wie die etlichen Feiern nicht stattfinden können. Daher sind manche auf der Suche nach Möglichkeiten, die Zeit bis zum Studium gut überbrücken zu können.