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Neuss: "Schützenkultur schafft Sicherheit und soziales Netz"

Neuss : "Schützenkultur schafft Sicherheit und soziales Netz"

Schützenpräsident Thomas Nickel erwartet ein unbeschwertes Fest und hofft für Dienstag auf drei Königsbewerber

Herr Nickel, 7259 Marschierer bedeuten erneut ein Regiment in Rekordstärke. Wie erklären Sie sich die ungebrochene Attraktivität des Neusser Schützenvereins — gerade auch bei jungen Menschen?

Thomas Nickel Die Jugend definiert sich bei uns in Neuss nicht über Bindungs- und Verantwortungslosigkeit, sondern sie sucht nach Werten und Beständigkeit. Mit Freude und Enthusiasmus gründet sie neue Schützenzüge. Die Jugend trägt stolz ihre Uniformen, und sie genießt es, Teil unserer großen Gemeinschaft zu sein.

Das Jubiläum 200 Jahre Neusser Bürger-Schützen-Verein rückt näher. Geht der Rekordrausch bis 2023 weiter?

Nickel Das weiß ich nicht. Das muss auch nicht sein. Das ist nicht unser Ziel. Wichtig ist allein der Trend. Die ungebrochene Begeisterung freut mich, denn die nachwachsenden Schützengenerationen sind letztlich auch ein Garant dafür, dass wir uns um unsere Zukunftsfähigkeit keine Sorgen machen müssen. Das allein zählt für mich.

In einer globalen Welt werden Krisen auch zu globalen Krisen. Wie kann da ein lokales Schützenfest seine Bedeutung behalten?

Nickel Genau umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die europäische Schuldenkrise und unsere sich rasant verändernde Welt verunsichern die Menschen auch bei uns. Gerade deshalb ist unser Brauchtum eine sichere und feste Konstante im Leben jedes Einzelnen. Unsere Schützenkultur schafft Sicherheit, denn sie bildet seit jeher ein engmaschiges soziales Netzwerk.

Schützenfest gut, alles gut?

Nickel Wir Schützen verschließen die Augen nicht, sondern wir stellen uns den Herausforderungen unserer Zeit. Wir treten den Problemen vor Ort selbstbewusst entgegen. Schließlich feiern wir nicht nur zusammen, sondern wir solidarisieren uns auch mit den Schwachen, und wir übernehmen Verantwortung für unsere Gesellschaft.

Ist das Schützenwesen das Geheimnis, das Neuss in sich birgt?

Nickel Ob's ein Geheimnis ist, weiß ich nicht. Das Schützenwesen hält aber die Gesellschaft zusammen. Über Generationen hinweg ist unsere große und einzigartige Schützenfamilie entstanden. Sie besteht aus Vätern, Söhnen und Enkeln. Sie treffen sich übers Jahr in ihren Zügen. Sie freuen sich auf den Höhepunkt des Jahres. Einmal mehr kann man erleben, wie tief das Schützenwesen in unserer Gesellschaft verankert ist. Kein Wunder, denn das Schützenfest ist der gesellschaftliche Mittelpunkt in unserem Neuss.

Königsbewerber können sich erstmals bis Montag 15 Uhr melden. Bisher galt Sonntag 18 Uhr. Was ist der Grund für die Verlängerung?

Nickel Bewerber und Komitee benötigen Vorlauf, um sich und das Vogelschießen vorzubereiten. Darum galt der Meldeschluss Sonntag 20 Uhr. Zuletzt hatten wir aber drei Mal nur einen Bewerber. Vielleicht, so die Überlegung, benötigen potenzielle Bewerber ja auch die Begeisterung aus den Bällen am Sonntag oder den Frühstücken am Montag, um letztlich zu sagen: Ich schieße! Darum ist Montag 15 Uhr ein guter Kompromiss.

Gibt es schon Anwärter für das Königsschießen am Dienstag?

Nickel Eine verbindliche Bewerbung liegt mir vor. Nach Vorgesprächen erwarte ich zwei weitere. Drei Bewerber würden mich freuen, denn dann verliert nicht nur einer allein.

Ludger Baten führte das Gespräch.

(NGZ/rl)