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Neuss: "Schützenkönigin - das schönste Amt der Welt"

Neuss : "Schützenkönigin - das schönste Amt der Welt"

Schützenkönigin Carmen Kuhnert spricht auf dem blauen NGZ-Sofa über ihren Weg ins Schützenbrauchtum über das Elternhaus, ihren prall gefüllten Kleiderschrank für die Festtage und darüber, dass sich eine Majestät auch mal mit einem Glas Sekt fit halten darf.

Carmen Kuhnert (54) ist Neusser Schützenkönigin, hat schon eine ganze Reihe der Pflichttermine absolviert — jetzt steht für sie und ihren König Werner IV. das Finale an. Darüber sprach sie auf dem blauen NGZ-Sofa im "Drusus 1".

Majestät, von Ihrer Krönung bis heute war es ein langer Weg. War die Krönung als Anfangspunkt auch der emotionalste Moment Ihrer Regentschaft?

Carmen Kuhnert Ja, bis zu diesem ereignisreichen Dienstag dachte ich, ich würde das ganz tough hinbekommen. Aber dann standen mir doch die Tränen in den Augen und die Knie wurden weich. Die ganze Sympathie, die einen empfängt — das ist unglaublich. Etwas Schöneres kann es nicht geben. Das nehm' ich für immer mit. Das ist ein Highlight in meinem Leben.

Das Schützenfest wird für viele immer mehr zu einer Straßenparty... Eine gute Entwicklung?

Kuhnert Vielleicht bin ich da schon raus. So eine Techno-Party ist nichts für mich. Aber wenn es das ist, was die jungen Leute wollen und was ihnen Spaß macht, ist das doch schön. Jeder soll sich ja auf dem Schützenfest sein Eckchen suchen können.

Wie sind Sie zum Schützenbrauchtum gekommen?

Kuhnert Praktisch schon im Bauch meiner Mutter. Kinder in unserer Familie mussten immer "vor de dag" geboren werden, damit die Mutter wieder Schützenfest feiern konnte und sich im Zweifel jemand gefunden hat, der in der Zeit den Kinderwagen die Wiese rauf und runter schob — zum Beispiel Herbert Karrenberg, der spätere Neusser Oberbürgermeister.

Sie waren ja auch schon Prinzessin...

Kuhnert Ja, das war 1978/79 — das Königsjahr meiner Eltern. Da stand ich bei der Parade auf dem Balkon und wir durften zum ersten Mal Hüte tragen. Wenn ich da Fotos sehe von mir damals, denke ich aber schon: Diese Frisur ging ja gar nicht (lacht).

Ihr Mann ist Düsseldorfer, Sie beide wohnen in Düsseldorf. Wäre da nicht auch Prinz Karneval eine Option?

Kuhnert Nein. Das schönste Amt der Welt ist das der Schützenkönigin in Neuss.

Bekommt Ihr Umfeld in Düsseldorf von den Ausmaßen des Schützenfestes etwas mit und wie reagieren Bekannte?

Kuhnert Nicht wirklich. Das hat in Neuss schon eine andere Dimension. Wir sind hier unerreicht. Unser Nachbar Günter Coomann [Neusser Schützenkönig 2003/04, Anmerk. d. Red.] hängt aber schon mal die Neusser Flagge für uns raus.

In Neuss ist das anders...

Kuhnert Natürlich. Das ist schon schön, beim Metzger oder Bäcker mit "Majestät" angesprochen zu werden. Einmal habe ich in einem Laden auf der Königsstraße gewartet und dann sprachen mich zwei ältere Damen an: "Majestät, sind Sie's wirklich?" — "Ja, ich bin's" — "Dürfen wir sie mal anfassen?" — "Auch das." (lacht)

Ist Ihr Kleiderschrank für die vier Tage gut gefüllt?

Kuhnert Er quillt praktisch über. Ich habe mir auch schon die Sachen zurechtgelegt: Am Sonntag trage ich Champagner, am Montag Rot mit schwarzem Hut und am Dienstag Altrosé. Die Kleider habe ich schneidern lassen. Die Hüte kommen aus England.

Muss sich eine Majestät für die vielen Termine besonders fit halten?

Kuhnert Ich bin ja immer mit dem Hund bei Wind und Wetter unterwegs. Und sollte der Kreislauf doch mal schwächeln, kann man sich ja ein Sektchen trinken.

Welche Begegnungen haben Sie besonders beeindruckt?

Kuhnert Sehr, sehr viele Menschen haben mich beeindruckt. Aber besonders nah ging mir der Besuch im Hospiz. Es ist wichtig, den Menschen, die etwas für die Stadt tun, einmal danke zu sagen.

Haben Sie wie ihre Vorgängerinnen Vorschläge, was man mal ändern könnte?

Kuhnert Ich fände es sehr schön, wenn auch mal eine Königin an der großen Tafel des Zeughauses zum Königsmahl Platz nehmen dürfte.

Am Ende Ihrer Amtszeit steht der Dienstag. Wie bereiten sie sich auf dieses Ende vor?

Kuhnert Also ich kann versichern, dass ich noch keinen Psychiater verpflichtet habe. Ich werde mich dann mit meinem Werner vornehm zurücknehmen, mich in praktische Sachen werfen und dem neuen Königspaar alles Gute wünschen.

Und dann darf Ihr Werner wieder Carmen statt "Ihre Majestät'" zu Ihnen sagen...

Kuhnert Dann darf er wieder Maus sagen.

Désirée Linde fasste das Gespräch zusammen.

(NGZ/rl)