Neuss: Schützenhilfe für die Aleviten

Neuss : Schützenhilfe für die Aleviten

Die Schützenbruderschaft und die Kirchengemeinde St. Josef freuen sich auf die neuen Nachbarn. Doch Anwohner wollen notfalls per Klage den Einzug der Aleviten ins Schulgebäude an der Kaarster Straße verhindern.

Die Glaubensgemeinschaft der Aleviten erhält in ihrem Bemühen, ein Gemeindezentrum an der Kaarster Straße zu errichten, starke Rückendeckung: Denn ginge es nach Kirche und Schützen, könnten sie lieber heute als morgen einziehen. "Sie sind willkommen", sagt Hans-Günther Korr. "Das wird eine angenehme Nachbarschaft", so der Pfarrer von St. Josef nach Gesprächen mit Vertretern der Aleviten. Rolf Stein, Präsident der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft, hat den gleichen positiven Eindruck gewonnen: "Wir haben einen sehr positiven Eindruck gewonnen. Die beiden Vorsitzenden haben auch sonntags beim Schützenfest an unserem Festakt teilgenommen." Dieser Schützenhilfe steht die Klage-Drohung von Anwohnern gegenüber, die das Gemeindezentrum verhindern wollen.

Das begrüßen Pfarrer Hans-Günther Korr (l.) und Schützen-Chef Rolf Stein. Foto: Andreas Woitschützke

Der — positive — Bauvorbescheid aus dem Rathaus liegt vor, jetzt kann der offizielle Bauantrag gestellt werden. Doch ob die Neusser Glaubensgemeinschaft der Aleviten so reibungslos in ihr geplantes neues Domizil zwischen Kaarster und Gladbacher Straße ziehen kann, ist ungewiss. Denn gegen die Pläne, am ehemaligen Standort der Heinrich-Böll-Hauptschule und Grundschule Weißenberg-West ein Gemeindezentrum zu errichten, gibt es offenbar Widerstand. Friedhelm Kobecke, ein Anwohner, sieht zusätzlichen Lärm und steigenden Verkehr auf sich und die Nachbarn zukommen. Er sagt: "Die Leute hier scheinen prozessbereit zu sein."

Im Juli vergangenen Jahres hat der Stadtrat dem Vorhaben der Aleviten im Grundsatz zugestimmt. Die rund 150 Mitglieder zählende Gemeinschaft wollte ursprünglich einen Teil des zusammenhängenden Schulkomplexes kaufen, wird es aber aus finanziellen Gründen in Erbpacht übernehmen. Die vertragliche Regelung kann jetzt auch notariell beurkundet werden. "Ich gehe davon aus, dass der Bauantrag in Kürze gestellt wird", sagt Anwalt Cornel Hüsch, der die Aleviten juristisch vertritt. Das tat er auch vor zwei Jahren. Damals ging es um einen Standort an der Normannenstraße. Anwohner, die gegen den Bebauungsplan geklagt hatten, bekamen vor dem Oberverwaltungsgericht Recht. Der Schulstandort soll zu einem Treffpunkt für die Jugend werden und eine Möglichkeit zum Gebet bieten. "Eine Discothek, wie Anwohner mutmaßen, wird es dort nicht geben", sagt Planungsdezernent Stefan Pfitzer. Parken sei auch kein Problem: Rund 40 Parkplätze stünden hinter dem China-Restaurant zur Verfügung

(NGZ)
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