Ex-Merkel-Berater schießt den Vogel ab Der Diplomat auf dem Neusser Königsthron

Neuss · Mit dem 42. Schuss sicherte sich Christoph Heusgen, der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, im Jubiläumsjahr des Bürger-Schützen-Vereins die Königswürde – und seinem Zug ein bemerkenswertes „Trippel“. Daran hatte ein Schütze aus dem Zug „Nur so“ einen gewissen Anteil.

Schützenfest Neuss 2023: Christoph Heusgen ist Schützenkönig 2024
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Christoph II. Heusgen ist Schützenkönig in Neuss

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Foto: Andreas Woitschützke

Was im Fußball oft Meistertrainer genannt wird, heißt im Schützenwesen Karl-Peter Lux. Nach Karl-Theo Reinhart (2005) und Joachim Goetz (2009) hat er am Dienstagabend mit dem 68-jährigen Christoph Heusgen den dritten Kameraden aus seinem Schützenlustzug „Nur so“ an der Vogelstange zum Königstitel gecoachet. „Zum Schluss hieß es nur noch: Triff den Schatten vom Bolzen – dann war er weg“, sagt Lux. Das war genau um 18.43 Uhr, als nach 23 Minuten Wettkampf mit dem 42. Schuss der Vogel fiel, die Menge auf der Festwiese in Jubel ausbrach und der neue Schützenkönig erst seiner Frau Ina (46) und dann Bert Römgens vom Grenadierkorps gratulierte, der ihm an der Vogelstange bei schönstem Schützenwetter einen harten, aber fairen Wettkampf geliefert hatte.

Drei Könige aus einem Schützenzug: Wann hat es das – vom (einzigen) Zug der Scheibenschützen mal abgesehen – schon mal gegeben? Gab es das überhaupt schon? Hertha Reinhart, an der Seite ihres Mannes vor fast 20 Jahren Schützenkönigin in Neuss, konnte es kaum glauben. Man wird schließlich älter, auch als Zug, sagte sie. Aber die Kameraden von „Nur so“ taten viel, um diesen Mythos zu beschwören. Das gipfelte am Dienstag in einer Zusammenkunft am Blutturm mit dem Titel „Silentium“ – weil die beiden bisherigen Könige aus dem Zug dort kurz vor ihrem Sieg an der Vogelstange ein Zugtreffen organisiert hatten, wie Goetz erklärt.

Zwei Bewerber konnte Oberschützenmeister Achim Robertz der Menge auf der Wiese vorstellen, und beide hatten sich gut vorbereitet. Römgens hatte ein Schießtraining absolviert, Heusgen auch. Das zeigte auch das Trefferbild auf dem Königsvogel, dessen Schicksal erstmals live auf eine Großbildleinwand übertragen wurde. Aber anders als sein Mitbewerber Heusgen verzichtete Römgens im Karree der Vogelstange auf einen Schießbegleiter zur Trefferanalyse. Ein Fehler?

Schützenfest Neuss 2023: Die Königsparade am Sonntag - Fotos
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So schön war die Königsparade 2023

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Auf den Schultern von Joachim Goetz und Joachim Wahode und rücklings gestützt von Oberleutnant Raimund Müller wurde nämlich schließlich Christoph Heusgen vom Ort seines Triumphes auf die große Bühne in der Wiesenmitte getragen, wo ihn Schützenpräsident Martin Flecken als Schützenkönig Christoph II. proklamierte. Zuvor dankte Flecken dem scheidenden Königspaar Marc und Jutta Hillen, dem er nicht zuletzt dafür Lob zollte, den Verein „Schützen gegen Krebs ins Leben gerufen zu haben.“

Sein Amtsnachfolger Christoph versprach an Ort und Stelle, diese Stiftung in seinem Königsjahr unterstützen zu wollen. Zudem kündigte er dem Verein „Neuss hilft“, der sich auch in Neuss für Flüchtlinge aus dem Ukrainekrieg kümmert, seine Unterstützung an. In einem Grußwort an die Menschenmenge auf der Wiese, betonte Heusgen, dass sich in dem Moment, als der Vogel fiel, für ihn, der ein halbes Jahrhundert Schütze ist, ein Jugendtraum erfüllt hat. Er bekannte sich zur Tradition des Schützenwesens, die er wahren will, sagte aber zugleich auch, dass sich das Schützenfest „an neue Empfindungen anpassen“ muss. Für den Diplomaten und Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz heißt das auch: „Es geht um eine größere Rolle der Röskes. Es geht aber auch um die, die als Flüchtlinge zu uns kommen.“ Sie müsste man zu integrieren suchen, „um die Gemeinschaft unserer Stadt zu wahren.“

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