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Neuss: Schützen wappnen sich für Rauchverbot im Zelt

Neuss : Schützen wappnen sich für Rauchverbot im Zelt

Festzelte müssen beim Schützenfest rauchfrei bleiben. In Schlicherum, Grefrath und auf der Furth stellen sich die Vorstände dieser Vorgabe.

"Wir sind die Versuchskaninchen." So bringt Reiner Kivelitz, Präsident der St.-Sebastianus-Bruderschaft in Grefrath, die Umsetzung des Rauchverbots im Schützenzelt zum 1. Mai auf den Punkt.

Am 30. April feiert die Bruderschaft ihre Königsinthronisation als letzte Veranstaltung mit Qualm im Zelt. "Laut Durchführungsverordnung müssen wir die Raucher um Mitternacht aber nicht des Zeltes verweisen", erklärt Kivelitz. Allerdings: Der Frühschoppen mit Kinderbelustigung am 1. Mai bleibt rauchfrei. Beim Grefrather Schützenfest vom 18. bis 21. Mai sollen dann alle Besucher von den Zeltwirten Peter und Elke Barrawasser aus Grevenbroich freundlich, aber bestimmt zum Rauchen nach draußen geschickt werden.

Hausherr ist bei Schützenfesten der Zeltwirt, der verantwortlich ist für die Einhaltung des Nichtraucherschutzgesetzes, das die Landesregierung im November 2012 auf Brauchtumsveranstaltungen ausgedehnt hat.

Eine Studie im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums vom Oktober 2012 ergab: Beim Neusser Bürgerschützenfest war die Luft im Festzelt erheblich mit Schadstoffen aus Tabakrauch belastet, lag mit Spitzenwerten von 550 Mikrogramm je Kubikmeter Atemluft sogar über den Werten in Diskotheken und Kneipen vor Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes.

"Definitiv muss auch bei uns draußen geraucht werden", betont Thomas Nickel. "Wir sind froh, dass die Gesetzeslage jetzt eindeutig ist", sagt Präsident des Neusser Bürger-Schützen-Vereins. Beim größten Neusser Volksfest vom 23. bis 27. August feiern wieder bis zu 4000 Besucher im Zelt. "Der Zeltwirt ist in der Pflicht und wird verschiedene überdachte Varianten ausprobieren", sagt Nickel.

Weiter in der Planung ist Rolf Stein, Präsident der St.-Sebastianus-Bruderschaft Neuss Furth, die an Pfingsten das zweitgrößte Schützenfest im Kreis feiert. "Wir agieren mit Hinweisschildern, einer Info an alle Korpsführer und verstärktem Sicherheitsdienst", erklärt er. Vor dem Zelt werde es mindestens drei Raucherzonen mit Sonnenschirmen geben. Selbst hartgesottene Nichtraucher, erklärt Stein, sähen das Verbot kritisch. "Wir wollen die Raucher nicht verlieren, wissen aber, dass wir handeln müssen." Mit Einschnitten bei den Festzeltbesuchern aber sei wohl zu rechnen.

Ähnlich sieht das Hans Günter Stotzem, Vorsitzender der Kameradschaftlichen Vereinigung Schlicherum. "Wir sehen das Gesetz als Bevormundung, nicht nur, weil es in unseren Reihen viele Raucher gibt. Ich selbst möchte nicht als Polizist auftreten, sondern feiern." Die Kirmes in Schlicherum beginnt am 9. Mai — so erleben die Schützen dort als Erste ein rauchfreies Festzelt. "Wir hoffen, dass unsere Gäste das Rauchverbot annehmen, auch, wenn der Alkoholpegel steigt", hofft Stotzem.

(NGZ/rl)