Nachruf Schützen trauern um Ehrenoberst Josef Bringmann

Neuss · Von 1987 bis 2000 führte der Grenadier als Oberst das Regiment der Neusser Schützen. Auch als Oberst a.D. blieb er eine Institution.

Neuss (ki-) Trauer bei den Neusser Schützen: Ehrenoberst Josef Bringmann ist im Alter von 84 Jahren gestorben. Von 1987 bis 2000 führte der Grenadier als Oberst das Regiment. Unter den Schützen galt Josef Bringmann als Idealbesetzung für die Führungsposition: eindrucksvolle Statur, klare Ansprache und immer ein offenes Ohr für "seine" Marschierer. Kurz: eine Persönlichkeit, die das Schützenwesen in Neuss entscheidend entwickelt und geprägt hat. In der Amtszeit Bringmanns wuchs das Regiment stetig und nahm außerordentliche Dimensionen an. Der Oberst begleitete und lenkte die Gemeinschaft der Schützen, in der die Generationen zusammenfinden, und war Bindeglied zwischen den Korps auf der einen Seite und dem Komitee als Vorstand des Neusser Bürger-Schützen-Vereins auf der anderen Seite.

Hauptaufgabe des Obersts war es, trotz der Jahr für Jahr steigenden Zahl der Marschierer, den reibungslosen Ablauf der Festumzüge sicherzustellen. "Sein großes diplomatisches Geschick, aber vielmehr noch die weitreichende Kenntnis aller Zusammenhänge rund um das Neusser Schützenfest, hat Josef Bringmann in diesem Amt zur optimalen Besetzung gemacht", sagte 2004 der damalige Landrat Dieter Patt, als er Bringmann die Verdienstmedaille der Bundesrepublik Deutschland überreichen konnte. Die Neusser Heimatfreunde bedachten ihn mit ihrer Ehrenmedaille. Die Schützen machten Josef Bringmann zu ihrem Ehrenoberst - er blieb auch als Oberst a.D. eine Institution im Regiment.

Dem Schützenwesen war Bringmann über Jahrzehnte intensiv verbunden: Bereits 1948 gehörte er zu den Mitgründern des späteren Grenadier-Hauptmannszuges "Mer fenge net heem". Bevor er zum Oberst gewählt wurde, war er bereits einmal aufs Pferd gestiegen. Nach dem Tod von Josef Tilmes ritt er 1977 bis 1979 drei Mal als Major den Grenadieren voran. Aus Sicht vieler Schützen krönte Bringmann seine Laufbahn im Regiment auch, indem er rechtzeitig seine Nachfolge auf den Weg brachte: Der heutige Oberst Heiner Sandmann war sein Wunschkandidat.

Geboren wurde Josef Bringmann auf der Furth. An der Michaelstraße betrieben seine Eltern eine Metzgerei. Bringmann blieb der Familientradition treu: 1952 war mit 22 Jahren der jüngster Fleischermeister Nordrhein-Westfalens. Mit einem Fleischgroßhandel und Zerlegebetrieb im Barbaraviertel machte er sich selbständig - eine glänzende Neusser Karriere in Beruf und Gesellschaft. Schützenkönig allerdings war Josef Bringmann nie. Nur einmal versuchte er, den Vogel von der Stange zu holen. Das war 1977. Damals hatte er acht Mitbewerber. "Ich bin aber auch nicht die geborene Schützenkönigin", meinte seine Ehefrau Ingeborg, als das Ehepaar 2012 mit Sohn, Tochter, zwei Enkeln und einem Urenkel Diamanthochzeit feierte.

(NGZ)
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