Schüleraustausch: Deutsch-jüdische Premiere in Neuss

Israelische Austausch-Schüler zu Gast : Deutsch-jüdische Premiere in Neuss

Bürgermeister Breuer begrüßte am Mittwoch zum ersten Mal 13 Schüler der Hadassim Schule aus dem israelischen Even Yehuda.

Den Neusser Ratssaal erfüllte am Mittwoch-Morgen ein geradezu babylonisches Sprachgewirr aus deutschen, hebräischen und englischen Lauten: 26 junge Menschen im Alter von 16 Jahren trafen sich mit ihren Begleitpersonen bei Bürgermeister Reiner Breuer. 13 Schüler der Hadassim Schule aus dem israelischen Even Yehuda waren seit 20. September bei deutschen Schülern des Gymnasiums Norf der Jahrgangsstufe Q1 zu Gast.

Dieser erste deutsch-israelische Schüleraustausch ist ein deutliches Zeichen für einen guten Start des weiteren Ausbaus eines engen Austauschs mit der jüdischen Gemeinde in Neuss-Düsseldorf, betonte Reiner Breuer in seiner Begrüßungsansprache. Die sich lebhaft unterhaltenden Jugendlichen symbolisierten bereits das von Breuer angestrebte friedliche Zusammenleben in gegenseitigem Respekt. Zudem passe der Austausch perfekt zum 70-jährigen Bestehen des Staates Israel – und die jungen Israelis lauschten konzentriert Breuers Ausführungen zur Neusser Stadtgeschichte, seiner Position und den Einzelheiten des Vertrages mit der jüdischen Gemeinde.

Lehrerin Anat Alon übersetzte ins Hebräische, später äußerten sich die Schüler auf Englisch. Es war ihnen aufgefallen, dass das Schüler-Lehrer-Verhältnis in Israel viel freundschaftlicher und weniger hierarchisch als in Deutschland ist.

Die Initialzündung zur Schulpartnerschaft geht auf ein Gespräch am Frühstückstisch vor anderthalb Jahren zwischen dem Schulleiter des Gymnasiums Norf, Stefan Kremer, und dem Lebensgefährten seiner Tochter, dem aus Israel stammenden Schauspieler Jeff Wilbusch zurück.

Er spielte im aktuellen Magdeburger Polizeiruf 110 die Rolle des jugendlichen Gangsters René Helms. Wilbusch regte einen Schüleraustausch an – Kremers Kollegen Simone Große-Holthaus, Jana Neef, Teresa Buchmann-Danner und Micha Hoekstra begannen vor einem Jahr mit der Planung. Außerdem holten sie den Verein FleNo (Flexibler Ganztag am Gymnasium Neuss) mit ins Boot.

„Das Interesse der Schüler war überwältigend und die Nachfrage größer als das Angebot“, so Micha Hoekstra. „Israel hat eine komplett andere Kultur, das finde ich super interessant“, bestätigte Finn. Simon ergänzte, dass die Schüler so das deutsch-israelische Verhältnis unterstützen können.

Für Josefine ist es eine tolle Gelegenheit, dieses Land beim Gegenbesuch kennenzulernen. Beim Rundgang durch Neuss stolperten die Schüler quasi über einige der 81 Steine, die an 34 Stellen an die über 200 von den Nazis ermordeten jüdischen Mitbürger erinnern. Annkatrin Schaller vom Stadtarchiv brachte ihnen anhand einiger Familiengeschichten die erschütternden Einzelschicksale näher.

Ab und zu wanderte der Blick der Gäste nach oben: die Kuppel des Quirinusmünsters war für sie „most beautiful“ (am schönsten). Und auch die Reste der Römerstadt Neuss fanden großen Anklang. Nicht zu vergessen das leibliche Wohl: Bier, Eier und Schinken schmeckten besonders gut.

Einziger Minuspunkt, für den keiner was konnte: die zu kühle Witterung während des gesamten Besuchs. Eine Feier an der Gedenkstätte an der Promenadenstraße bildete den Schlusspunkt des lebhaften Rundgangs.

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