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Schüler werden am Neusser Nelly-Sachs-Gymnasium zu UN-Delegierten

Am Neusser Nelly-Sachs-Gymnasium : Schüler werden zu UN-Delegierten

130 Jugendliche diskutieren am „Nelly“ über globale Themen und vertreten dabei Positionen verschiedener Länder.

Wer – wie FDP-Chef Christian Lindner vor gut einem Jahr – Jugendlichen die Fähigkeit abspricht, globale Zusammenhänge zu verstehen und das ökonomisch Machbare zu sehen, der sollte am Freitag das Nelly-Sachs-Gymnasium besuchen. Dort findet dann nämlich der zweite Tag der „Model United Nations Konferenz“ (MUNelly) statt.

Insgesamt 130 Schüler aus Neuss, ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland diskutieren dabei über Themen wie den Schutz von Zivilisten in militärischen Konflikten oder die Frage der Reduzierung des weltweiten Fleischkonsums. Die Schüler vertreten aber nicht ihren persönlichen Standpunkt, sondern die Ansichten von Brasilien oder Russland, Schweden oder den USA – je nachdem für welches Land sie sich entschieden haben.

Im Vorfeld der Konferenz habe sich dann jeder Schüler intensiv damit auseinandergesetzt, welche Position „sein Land“ habe und aus welchen Gründen es diese Position vertritt, erklärt Laurin Sedlmair (Stufe 12). Diese Argumente gilt es nun vorzutragen – in der Konferenz des Sicherheitsrats (UNSC), der WHO (World Health Organisation) oder bei UNICEF (UN International Children Emergency Fund) – je nachdem in welchem UN-Komitee das Thema behandelt wird. Und das Ganze findet natürlich in englischer Sprache statt – genau wie es auch bei den Vereinten Nationen (UN) der Fall ist.

Vor der Diskussion ist aber erstmal „Lobby-Time“. „Dabei sollte man sich andere Länder suchen, die die eigene Meinung unterstützen“, erklärt Emma Korte, ehemalige Schülerin des Nelly-Sachs-Gymnasiums. Sie ist als sogenannter „Chair“ der WHO an ihre Schule zurückgekehrt und leitet in dieser Funktion die Diskussion in dieser Gruppe. Nach der Lobby-Time legen die Länder ihre Resolutionen – soweit vorhanden – den Chairs vor, und diese entscheiden, über welchen Lösungsvorschlag als erstes diskutiert wird. „Es gibt dann Redezeit für diejenigen, die für diese Resolution sind, und danach für die, die dagegen sind“, erklärte Korte das Prozedere. Änderungen werden vorgeschlagen, wieder diskutiert und schließlich über jeden einzelnen Punkt abgestimmt. „Das kann manchmal sehr zeitintensiv sein“, weiß sie.

„Über welche Themen die einzelnen Komitees dann diskutieren, legt der Projektkurs MUNelly fest und er übernimmt auch die ganze Organisation“, erklärt Jaspar Sedlmair (Stufe 11). Er ist ein Schüler aus diesem Kurs und schon seit der fünften Klasse bei MUNelly dabei – erst als Zuschauer, dann als Delegierter und nun als Chair. „Ich finde es einfach total spannend, so mit anderen Schülern über bestimmte Themen zu diskutieren“, erzählt er.

Für Hannah Jansen (Stufe 12) liegt der Reiz vor allem darin, die Position eines anderen Landes einzunehmen. „Man kennt ja meistens nur die Sicht Deutschlands und warum andere Länder anders denken, kann man oft nicht nachvollziehen“, erklärt sie. Durch MUNelly sei man aber genau dazu gezwungen. Außerdem mache es einfach Spaß, die anderen Schüler bei dem Planspiel kennenzulernen.

Das beginnt schon vor der eigentlichen Konferenz: Via Instagram tauschen sich die Schüler über ihre Themen und Standpunkte aus. Während der Konferenz wird dann auch zusammen gegessen, gefeiert und die Gäste übernachten auch bei den Neusser Schülern.

Die Themen, die sie zuvor in ihren Rollen als Delegierte vertreten haben, lassen sie auch dann oft nicht los. Vieles werde weiterdiskutiert, berichten die Schüler. Auch ob die Strukturen der UN noch zeitgemäß sind, beispielsweise das Veto-Recht der fünf ständigen Mitglieder im Sicherheitsrat wird von den Schülern kritisch gesehen und diskutiert.

Durch die Konferenz sei ihnen aber auch bewusst geworden, wie schwierig es sei, auf internationaler Ebene Lösung für die vielfältigen Probleme der Welt zu finden – ein Aspekt den auch NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer hervorhob, die am Donnerstag zur Eröffnung der Konferenz nach Neuss gekommen war.

Auch Bürgermeister Reiner Breuer betonte, dass die Konferenz ein guter Weg sei, um zu trainieren, friedliche Lösungen für kleine und große Konflikte zu finden. Dass sie die Fähigkeit haben, globale Zusammenhänge zu verstehen, haben die Jugendlichen allein durch ihre Teilnahme bewiesen.