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Neuss: Schüler tüfteln an eigener Radiosendung

Neuss : Schüler tüfteln an eigener Radiosendung

Die Landesanstalt für Medien bietet im Willi-Graf-Haus auch eine Jugendredaktion für den Bürgerfunk an. Dort können Jugendliche Radioluft schnuppern und eigene Beiträge erstellen. Die erste Aktion: eine Umfrage zum Medienverhalten.

Drei, zwei, eins, und los geht's: Das Schild "Aufnahme" leuchtet rot auf, alles verhält sich ruhig - und die Schülerinnen Ines Romic, Patricia Edler und Anna-Lena Euler legen vor dem Mikro jedes einzelne Wort auf die Goldwaage. Dass die Herstellung eines Radiobeitrags stundenlange Arbeit voraussetzt, das hätten sie nicht gedacht.

"Doch es reizt uns, einen Beitrag für andere Jugendliche herzustellen, der sogar im Radio laufen wird", sagen die drei Schülerinnen unisono. Sie gehören der neu gegründeten Jugendredaktion der Radiowerkstatt im Edith-Stein-Forum an der Venloer Straße an und haben nicht nur vor dem Mikrofon mächtig Spaß: Auch beim Schneiden, dem "cutten" einzelner Stimmbeiträge, sind sie in ihrem Element.

"Die Jugendredaktion haben wir ins Leben gerufen, weil wir auch Jugendlichen im Radio eine Stimme geben wollen", sagt Jessica Stratmann-Behr, Medientrainerin der Landesanstalt für Medien NRW. Sie kennt sich in Sachen Radio gut aus - und will schon Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein gewisses Maß an Medienkompetenz auf den Weg geben. "Bei unserer Jugendredaktion handelt es sich um eine offene Gruppe. Alle Jugendlichen, die Spaß an der Herstellung von Hörfunkbeiträgen haben, können sich hier melden. Die Teilnahme ist kostenlos", erzählt die Medientrainerin, die Jugendlichen einen "kreativen Spielplatz" bieten will, damit auch sie im Bürgerfunk ihre Meinungen zu bestimmten Themen äußern können. Die 41-jährige Redaktionsleiterin steht den Jugendlichen während der gesamten Arbeit mit Rat und Tat zur Seite. Der erste Beitrag der Jugendredaktion soll noch vor den Sommerferien auf NE-WS 89.4, dem Lokalradio für den Rhein-Kreis, gesendet werden. "Als Auftakt-Projekt haben wir uns für eine Umfrage in der Neusser Fußgängerzone entschieden", sagt die 14-jährige Patricia Edler. Passend zur im März gegründeten Jugendredaktion haben die drei Schülerinnen, ausgerüstet mit Mikrofon, Aufnahmegerät und Kopfhörern, Bürger auf der Ober- und Niederstraße zu ihrem ganz persönlichen Medienverhalten befragt.

"Konkret angesprochen haben wir drei unterschiedliche Altersgruppen", erklärt Marienberg-Gymnasiastin Ines Romic, nämlich Senioren, Eltern und Schüler. Wildfremde Bürger anzusprechen, habe sie erst einmal Überwindung und Mut gekostet - "doch mit der Zeit hat das sehr gut funktioniert", sagt die 15-jährige Neusserin. "Wir wollten etwa von Jugendlichen wissen, ob sie von ihren Eltern schon einmal ein Medienverbot ausgesprochen bekommen haben und - wenn ja - wie sie es umgangen haben", erzählt die 16-jährige Anna-Lena Euler aus Grevenbroich.

Doch die eigentliche Arbeit beginnt für die Jugendlichen erst nach der Umfrage: "Jeder O-Ton aus der Fußgängerzone muss geschnitten werden, Denkpausen werden herausgenommen. Viele Aussagen lassen sich gar nicht verwenden", weiß Patricia Edler nun. Bestandteil des Radiobeitrags soll auch ein Interview mit einem Neurochirurgen zum Medienverhalten verschiedener Altersgruppen sein.

Zur Herstellung des Beitrags steht den Nachwuchs-Moderatoren modernste Technik zur Verfügung. "Dazu zählt auch spezielle Software zum Schneiden", sagt Medientrainerin Jessica Stratmann-Behr.

(NGZ)