Neuss: Schüler sollen im Praktikum Politik lernen

Neuss: Schüler sollen im Praktikum Politik lernen

Der Rat hat ein kommunalpolitisches Schülerpraktikum beschlossen, um das Interesse an Politik zu wecken. Die Grünen wünschen sich noch mehr Jugendbeteiligung.

Um politisches Interesse bei Jugendlichen zu wecken, hat der Rat der Stadt Kaarst in seiner jüngsten Sitzung das Kommunalpolitische Praktikum beschlossen. Hierbei sollen Jugendliche einen Einblick in die kommunale Politik bekommen und selbst Themen erarbeiten.

Darüber hinaus, so steht es im Antrag der CDU, sollen politische Partizipationsmöglichkeiten aufgezeigt werden. Für die Grünen, die bereits seit Jahren versuchen, ein Kinder- und Jugendparlament durchzusetzen, geht das Schülerpraktikum im Hinblick auf Jugendpartizipation nicht weit genug.

Aufgeteilt ist das Praktikum in vier verschiedene Module. Es beginnt mit einem Infoteil, gefolgt von einem "Speed-Dating", bei dem jeweils zwei Vertreter der Fraktionen Rede und Antwort stehen, so dass sich die Schüler einen Überblick über die einzelnen Positionen und Ziele der Fraktionen verschaffen können. "Es ist ein Frage-Antwort-Spiel, bei dem der erste Kontakt entsteht", erklärt Sven Ladeck von der CDU, der selbst einer der beiden Vertreter seiner Fraktion ist.

Anschließend wählen die Schüler eine Fraktion, der sie sich anschließen. Dann geht es hinter die Kulissen, wo an realen Beispielen die Grundlagen der Politik erklärt werden. Das dritte Modul teilt sich auf in zwei Phasen. Ladeck: "Hier können die Schüler an einer Fraktionssitzung teilnehmen sowie an einem Jugendhilfeausschuss. Das vierte und letzte Modul sieht ein Stadtratsplanspiel vor: Die Schüler nehmen die Rolle eines Ratsmitglieds und des Bürgermeisters ein, erarbeiten in ihrer jeweiligen Fraktion ihre Positionen zu einem jugendrelevanten Thema und fassen nach einer Debatte im Plenum Beschlüsse.

Die Grünen bemängeln, dass dieses Praktikum mehr ein "Reinschnuppern", als eine ernsthafte Beteiligungsmöglichkeit sei. "Wir brauchen eine feste Institution, um Jugendliche zu binden und auch in den Planungsbereich mit einbeziehen zu können", sagt Fraktionsvorsitzender Christian Gaumitz.

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Die CDU hingegen glaubt, dass ein Parlament im Sinne der Grünen nicht der richtige Weg sei. Ladeck: "Wir halten es für sinnvoll, wenn sich Schüler in Projekten beteiligen können und sich nicht über mehrere Jahre an ein Amt binden müssen." Gaumitz versteht das Argument. Auch er sieht den Trend in der Gesellschaft, sich nicht mehr langfristig an ein Amt binden zu wollen.

Dennoch glaubt er, dass es gerade in einer Stadt wie Kaarst, in der viele ehrenamtlich aktiv sind und dies an ihre Kinder weitergeben, genügend Jugendliche geben würde, die sich engagieren wollten. Kurzfristige Projekte, so Gaumitz, könnten nicht die gewünschte Beteiligung bringen. "Um das durchzusetzen, was Jugendlichen wichtig ist, braucht es eine Institution mit Entscheidungskompetenzen und Zugang zu allen Bereichen. Das ist durch punktuelle Beteiligung nicht zu schaffen."

Natürlich sei alles, was man unternehme, um Kindern und Jugendlichen den politischen Ablauf näher zu bringen, sinnvoll, sagt Gaumitz. Eine wirkliche Beteiligung ersetze das Praktikum aber nicht. "Das ist, als vergleicht man Äpfel mit Birnen", sagt Gaumitz, der weiter für ein Jugendparlament kämpfen will.

Die CDU sieht im kommunalpolitischen Schülerpraktikum aber mehr, als ein bloßes "Reinschnuppern". Ladeck: "Unser Anspruch ist es, dass die Themen, die zum Schluss von den Schülern erarbeitet werden, auch in der Politik Gehör finden und mit in die politischen Entscheidungen einfließen."

(NGZ)