Jutta Bellen: Schüler rufen selten beim Zeugnistelefon an

Jutta Bellen: Schüler rufen selten beim Zeugnistelefon an

Morgen gibt es Zeugnisse. Für Fragen und Sorgen rund um die Halbjahresnoten bietet der Schulpsychologische Dienst des Rhein-Kreises Neuss am Tag der Zeugnisausgabe - Freitag, 2. Februar - von 8.30 bis 15.30 Uhr unter der Rufnummer 02131 9284070 wieder sein Zeugnistelefon an. Die Anrufe werden vertraulich behandelt. Mit welchen Anliegen sich vor allem Eltern und Lehrer an das Zeugnistelefon wenden, erklärt Jutta Bellen, Diplom-Psychologin und Leiterin des Schulpsychologischen Dienstes.

Wer ruft vorwiegend bei Ihnen am Zeugnistelefon an?

Bellen Es sind vor allem Eltern, aber auch Lehrer.

Mit welchen Anliegen wenden sich denn die Lehrer an das Zeugnistelefon?

Bellen Sie suchen Rat, wenn sie besonders schwierige, unter- oder überforderte Schüler haben.

Es ist also eine irrige Annahme, dass verzweifelte Schüler Rat beim Zeugnistelefon suchen?

Bellen Verzweifelte Kinder und Jugendliche rufen eigentlich nicht beim Zeugnistelefon an. Bei krisenhaftem Geschehen, wenn es beispielsweise um Gewalt geht, stehen wir als Schulpsychologischer Dienst das ganze Jahr über mit Rat zur Verfügung. Speziell beim Zeugnistelefon dagegen sind es Eltern, die Unterstützung bei schulischen Lern- und Leistungsfragen suchen.

Zeugnisse fallen ja nicht vom Himmel. Über die Klassenarbeiten und mündlichen Noten, aber auch die Rückmeldung der Lehrer beim Elternsprechtag könnte die Leistung der Schüler bekannt sein. Aus welchen Gründen melden sich Eltern bei Ihnen?

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Bellen Speziell bei den Zwischenzeugnissen erkundigen sich Eltern, wie ihre Kinder von den schlechten Noten wegkommen können.

Was raten Sie dann?

Bellen Es geht oftmals um das Lernverhalten der Kinder. Wir klären mit den Eltern, wie es zum Beispiel zu den schlechteren Noten gekommen ist, ob es Verhaltensschwierigkeiten gibt, wie die Schullaufbahn allgemein verläuft und ob sich das Lernverhalten geändert hat. Nicht die Noten stehen für uns im Vordergrund, sondern wie Schüler das erbringen, was sie auch können.

Was heißt das konkret?

Bellen Manche Schüler sind überfordert, andere wiederum unterfordert. Manche haben Prüfungsangst, andere reale Angst, weil sie nicht genug getan haben. Manche haben Lerndefizite, andere sind vielleicht in der Pubertät und nur wenig motiviert. Diese Bandbreite analysieren wir gemeinsam mit den Eltern. Wenn ein Telefonat dafür nicht ausreicht, vereinbaren wir auch persönliche Beratungstermine. Wir weisen Eltern aber auch darauf hin, dass die Schule erste Beratungsinstanz sein sollte. Wir unterstützen fachlich und neutral.

DAS INTERVIEW FÜHRTE BÄRBEL BROER.

(NGZ)