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Neuss: Schüler diskutieren über Rassismus

Neuss : Schüler diskutieren über Rassismus

Am Berufskolleg Weingartstraße haben Schüler mit Politikern und Experten über Rassismus und Integration diskutiert. Eingeladen hatten sie neben CDU- und SPD-Politikern auch einen Verfassungsschützer und einen Fußballexperten.

Rassismus, Fremdenfeindlichkeit, Integration — mit diesen Themen haben sich die Schüler des Berufskollegs an der Weingartstraße gestern beschäftigt. Der Projekttag stand unter dem Motto "Anders sein — böse sein?" In insgesamt zehn Workshops setzten sich die Teilnehmer mit Themen wie Verfassungsschutz, Integration im Bereich Fußball oder Islamophobie auseinander.

Die Leitung der Arbeitsgruppen übernahmen Repräsentanten aus der Politik wie CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe oder Experten wie Thomas Pfeiffer vom Verfassungsschutz NRW. Bei der Präsentation der Workshop-Ergebnisse stand eine Nachricht im Vordergrund: dass es wichtig ist, Kompromissbereitschaft zu zeigen und aufeinander zuzugehen.

"Die wesentliche Frage zum Thema Rechtsradikalismus ist doch, was ich selbst dagegen tun kann", sagte Hermann Gröhe, der sich als Projektpate zur Verfügung gestellt hatte. Mit seiner Rede eröffnete er die Podiumsdiskussion, die das Finale des Tages darstellte. "Die Menschen müssen Mut haben und eingreifen", sagte er. "Wir sind zwar nicht verantwortlich für die Fehler in der deutschen Vergangenheit", sagte der CDU-Politiker in Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus. "Wohl aber ist es an uns, dafür zu sorgen, dass sich die Geschichte nicht wiederholt."

"Rassismus ist ein schichtübergreifender Bestandteil der Gesellschaft, der uns alle betrifft", sagte Reiner Breuer, als SPD-Landtagsabgeordneter ebenfalls Gast bei der Diskussion. Doch wieso ist Rassismus überall vertreten, was veranlasst Menschen zu Fremdenhass? "Rechtsextremisten zeigen Jugendlichen oft nicht ihr wahres Gesicht", sagt Thomas Pfeiffer. "Leute, die in diese Szene geraten, sind meist solche, die sich nach Zugehörigkeit sehnen und fälschlicherweise glauben, sie dort zu finden."

Welche Rolle die Polizei spiele und einnehmen müsse, war beim gestrigen Projekttag wichtiger Diskussionspunkt. "Die Polizei ist keine Entscheidungsinstanz", sagt Kriminalhauptkommissar Franz-Josef Rytlewski. "Wenn rechte Demonstrationen stattfinden, haben wir die Aufgabe diese abzusichern. Unsere persönliche Meinung ist dann nicht gefragt." Daher reagierten Gegendemonstranten oftmals aggressiv. "Für uns bedeutet das dann absolutes Chaos", meint Rytlewski. "Sinnvoller wäre ein friedlicher Protest." Trotzdem sei es wichtig, aufzustehen und sich klar gegen den Rechtsextremismus zu positionieren, warf Reiner Breuer ein.

Der Projekttag an dem Berufskolleg galt nicht nur der Auseinandersetzung mit dem Rechtsradikalismus. Den Schülern war es ebenso wichtig, sich mit dem Thema Integration zu befassen. So stimmten sie zu, dass der Fußball eine gute Gelegenheit für die Integration sei. "Fußball wird von jedem verstanden", sagte Stephan Osnabrügge, Integrationsbeauftragter des DFB Mittelrhein, bei der Podiumsdiskussion. "Dort ist es einfach, gemeinsam ein Erfolgserlebnis zu haben und so zusammenzuwachsen."

Dass Integration ein wechselseitiger Prozess sei, betonte Hermann Gröhe. So sei das Motto seiner Partei, Integration zu fördern und zu fordern. "Integration bedeutet für alle Beteiligten viel Anstrengung", erklärte der CDU-Politiker. "Deshalb bedarf es viel Förderung." Das Fordern sei aber genauso notwendig, um Erfolg zu haben. So müssten alle eine Sprache sprechen. "Wenn wir verlangen, dass Migranten Deutsch können, dann nicht, weil wir meinen, das sei die tollste Sprache", fügte er hinzu. "Aber es ist nun mal die Sprache dieser Gesellschaft." Den meisten Beifall erntete Berufsschullehrer Wilhelm Drossart. "Wir sprechen mit unseren Argumentationen meistens den Kopf an", meinte er. "Die entscheidende Rolle spielen aber unsere Gefühle. Deshalb muss in der Schule die emotionale Bildung mehr Gewicht bekommen, um gegen Rechtsradikalismus anzugehen."

(NGZ/rl)