Neuss : Schön schnell

neuss Jubelnder Applaus für die Londoner Tänzer in der Stadthalle -so startet das Ensemble der Henri Oguike Dance Company als Gast bei den Internationalen Tanzwochen in sein Jubiläumsjahr.

Choreograph Henri Oguike baute es 1999 auf, aber eher aus einem Zweifel heraus als in der Überzeugung, großes Talent zu haben. Diese suchende Bewegung meint man in seinen dem Modernen Tanz verwandten Choreographien zu spüren, die weder einen bestimmten schicken Stil bedienen noch krampfhaft vermeintliche Originalität beweisen müssen.

So wirkten die drei in der Stadthalle gezeigten Stücke auf erfrischende Weise einfach, ohne plump oder anbiedernd zu sein, jedoch auch stets überraschend. Dem puren Tanz und der Musik so zugetan, dass es eben nicht nur ein Augenschmaus war, sondern die Bewegung beim Schauen in die eigenen Nervenbahnen schwappte.

Die Unruhe wurde dem 37-Jährigen durch ein interkontinentales und familiäres Hin und Her zwischen dem walisischen Swansea und Nigeria in die Wiege gelegt. Zurück im Norden wurde der Hobby-Breakdancer zum Tanzstudium überredet. Nach einem Achillessehnenriss versuchte Oguike es mit Choreographieren.

Statt wie seine Studienkollegen mit verschachtelten Konzepten zu hantieren, fand er Zugang über eine einfache musikbezogene Basis. "Ich entdeckte, dass es Rhythmus nicht nur in der Musik gab, sondern auch in der mal engen, mal weiteren Beziehung der Choreographie zu ihr und in der Skalierung der Choreographie selbst", sagte er 2008 in einem Interview. Dieses wellenartige Rein und Raus vermittelt den Eindruck von Freiheit ohne Beliebigkeit in seinen Stücken.

In "Finale" (entstanden 2003) beflügelt René Abrays pulsierende Musik die 16 Füße. Untergehakt als Gruppe, in Paaren oder einzeln machen die Tänzer große Schritte, die stets ein wenig abheben. Sie strömen von überall über die Bühne wie muntere Bäche über Kiesel. Kleine Akzente werfen die Köpfe zur Seite, lassen Hände auf Schenkel oder auch Fußsohlen auf den Boden klatschen.

"Green in Blue" zur Musik der wegen des Londoner Wetterchaos reduzierten Jazzband von Iain Bellamy ist kontrastreicher: Mal strecken sich die Körper ins Extreme, wie Sterne erst. Oder Arme ziehen samt Oberkörper weit aus dem Becken heraus; mal falten sich Tänzer zusammen oder zwirbeln um sich selbst. Halten Posen. Eilen weiter. Solistische Einsätze oder gemeinsame Aktionen - wie der Jazz.

In "Little Red" (Rotkäppchen) von 2007 zu Vivaldi-Violinkonzerten schieben sechs Tänzerinnen in Rot mädchenhaft keck Hüften und Pos heraus, toben mit spitzen Ellbogen und gespreizten Fingern auf und ab, oft am Boden. Werfen ein Bein steil nach oben, erst vorn dann hinten, kippeln kurz und fangen sich.

Schleudern ihre Hände um sich herum und hinter den Kopf. Stützen und schubsen einander, verknoten sich, platzen auf. Eine liebenswerte Mischung aus stark und zart, fröhlich und gefährlich. Nichts kann sie halten.

(NGZ)