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Neuss: Schiffsarzt ist wieder zurück an Land

Neuss : Schiffsarzt ist wieder zurück an Land

Der Neusser Arzt Dirk Stenmanns ist vier Wochen lang als Steuermann und Schiffsarzt über den Atlantik gesegelt. Ebenfalls an Bord: 32 Schüler aus dem gesamten Bundesgebiet. Was Stenmanns am häufigsten behandeln musste: Brandverletzungen, Quetschungen, Schnitte.

Manchmal, in der Mittagspause, setzt sich Dr. Dirk Stenmanns an seinen Computer und ist ein paar Mouse-Klicks später in der Karibik. Dort, wo derzeit die "Thor Heyerdahl" mit 32 Schülern an Bord unter weißen Segeln kreuzt. Im Internet-Logbuch des Windjammers liest der Arzt dann nach, wo sich "Deutschlands schönstes Segelschiff" gerade aufhält. Und dann ist der 48-Jährige in Gedanken wieder an Bord des Dreimast-Topsegelschoners, den er als Steuermann und Schiffsarzt in vier Wochen über den Atlantik gebracht hat. "Ein Erlebnis, von dem ich lange zehren werde."

Stenmanns, der vor seinem Medizinstudium zunächst das Kapitänspatent für Fahrten auf Hoher See erwarb und Handelsschiffe kommandierte, kennt die "Thor Heyerdahl" seit Jahren und ist Mitglied im Trägerverein des Schiffes. An Bord kommt er allerdings selten. Für den Törn über den Atlantik aber nahm er sich eine Auszeit von Familie und Praxis und ging in doppelter Funktion an Bord.

Das Leben an Bord eines Windjammers ist auch im 21. Jahrhundert nicht ohne Risiken. Deshalb muss ein Arzt an Bord sein, wenn die "Thor Heyerdahl" dem offenen Meer zustrebt. Und was hatte Stenmanns zu tun? "Brandverletzungen, Quetschungen, Schnitte", zählt Stenmanns auf. Verursacht etwa durch die heiße Klappe des Backofens, die einem Mannschaftsmitglied in schwerer See vor das Schienbein donnerte. Und schwere See musste die Crew tagelang aushalten.

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Anders als die Fahrt über die Nordsee oder in der Biskaya ist die Atlantiküberfahrt selten ein stürmisches Erlebnis. Wenn der Passatwind konstant weht. Als Stenmanns aber die Thor auf Kurs brachte, hatte ein Sturmtief diesen stetigen Freund der Segler regelrecht weggewischt. Tagelang rollten meterhohe Wellen das Schiff von der einen auf die andere Seite, während die "Thor" ihrem Ziel keine Seemeile näher kam.

Dann, nach Tagen ohne Schlaf für die Crew, schaltete der Kapitän den Schiffsdiesel zu brachte das Schiff in ruhigere Wasser und wieder vor den Wind.

Für die 15- bis 16-jährigen Jugendlichen an Bord ist dieser Törn ein Schuljahr auf dem Wasser. Normaler Schulunterricht füllt ihre wachfreie Zeit, während sie in der anderen Zeit das Handwerk des Seemannes erlernen. Ein Fach übernahm Kapitän Stenmanns auch: astronomische Navigation.

Für die Crew endet das Erlebnis Schule an Bord im April in Kiel, Stenmanns ging in Grenada von Bord, nachdem er den Impuls unterdrücken konnte, bis Panama zu verlängern. Vorher aber belohnte er sich und die Crew für die Anstrengungen der Überfahrt, für Nächte ohne Schlaf, tropische Hitze und den Komfort einer wöchentlich einmaligen Dusche mit frischem Wasser – mit ein paar Tagen Karibik-Urlaub an den Tobago Keys, einem Atoll der Grenadinen-Inselgruppe. Dann kehrte er zurück in den Neusser Winter.

Aber Stenmanns weiß schon jetzt: "Irgendwann mache ich das mal wieder."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neusser Arzt segelt über den Atlantik

(NGZ)