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Neuss: Schelauske gab seiner Kirche eine Stimme

Neuss : Schelauske gab seiner Kirche eine Stimme

Liebevoller Seelsorger, wortgewaltiger Prediger, streitbarer Katholik, penibler Bauherr: Neuss trauert um den ehemaligen Oberpfarrer.

Er hatte keine Angst vor dem Tod. Er ging mit einem Lächeln auf den Lippen, hörte Musik. Die Hörer auf dem Kopf. "Auf dem Weg zu Gott darf man auch fröhlich pfeifen", pflegte er zu sagen, der so unendlich viel Lebensfreude und Humor besaß. Gestern Nachmittag verstarb Msgr. Dr. Hans Dieter Schelauske (76), von 1980 bis 2006 Oberpfarrer an der Neusser Hauptkirche St. Quirin, in einem Krankenhaus in Willich. Sein Leben hatte er in den Dienst seines Gottes gestellt, dem er vertraute — bis zum letzten Atemzug.

Freude: Fröhlich winkend (r. Heinz Sahnen) in der Schützenkutsche. Foto: Woitschützke, Andreas

"Er ist in Frieden mit Gott, der Welt und sich eingeschlafen", sagte Michael Tewes, Leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Neuss-West/Korschenbroich, in dem Hans Dieter Schelauske zuletzt als Subsidiar tätig war. Im Pfarrhaus von St. Hubertus in Reuschenberg hatte er seinen Altersruhesitz gefunden.

Ökumene, v. l.: Hermann Schenck, Guido Assmann, H. D. Schelauske. Foto: Woitschützke, Andreas

Um 17 Uhr trugen die Totenglocken von St. Quirin und St. Hubertus die Nachricht vom Ableben des Oberpfarrers a. D. in die Stadt — sie verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Exequien und Beisetzung sind für Mittwoch (28.) vorgesehen. Seit mehr als zehn Jahren war Hans Dieter Schelauske ein Stammgast in den Krankenhäusern von Düsseldorf, Neuss, Osterath und zuletzt auch Willich. Verletzungen und Krankheiten machten immer wieder Operationen und lange stationäre Aufenthalte erforderlich.

Viele Weihnachtsfeste musste er im Krankenhaus verbringen und konnte nicht bei seiner Gemeinde sein — das schmerzte ihn. Er kämpfte lange Jahre, doch in den letzten Wochen schwanden seine Kräfte zusehens. Schelauske, 1936 in Siegburg geboren, hat sich nach eigenen Worten seit 1980 "redlich bemüht, ein Neusser zu werden und ein Neusser zu sein".

Darum ging für ihn am Ende seiner Dienstzeit ein Herzenswunsch in Erfüllung, als er mit dem Eintritt in den Ruhrstand in Neuss bleiben konnte, "der Stadt, die ich liebe". Neuss und die Neusser waren ihm ans Herz gewachsen. Das schützte beide aber nicht vor Kritik. Der wortgewaltige Hans Dieter Schelauske gab der katholischen Kirche über Jahre eine Stimme. Er konnte streiten, er konnte vergeben, er konnte versöhnen. Zu denen, die das wissen, gehört auch der Bürgermeister. Verbunden mit dem Namen Schelauske bleibt die umfassende Münstersanierung.

Seine erste Messe hat er noch nach dem alten Ritus gelesen. Das II. Vatikanische Konzil, das erst den Altar drehte, so dass der Priester den Gläubigen zugewandt zelebrierte, hatte noch nicht begonnen. Im Februar 1962 wurde Schelauske von Weihbischof Wilhelm Cleven im Kölner Dom zum Priester geweiht. "Gern hätte ich mit meinem Vorgänger dessen goldenes Priesterjubiläum gefeiert. Doch er konnte das Krankenbett nicht mehr verlassen", sagte Oberpfarrer Msgr. Guido Assmann als dessen Nachfolger.

Angedacht: Mittwoch (28.), 8.45 Uhr Exequien mit Weihbischof Dominikus Schwaderlapp in St. Quirin, anschließend Beisetzung im Priestergrab auf dem Hauptfriedhof.

(NGZ/rl)