Scheitern als Chance - so war die "FuckUp Night" in Neuss am 12. November

„FuckUp Night“ in Neuss : Gestern gescheitert, heute erfolgreich

Bei der zweiten „FuckUp Night“ im Gare du Neuss berichteten Unternehmer über ihre Misserfolge – um das Publikum zu motivieren.

Schon der Vorspann auf einem großen Wand-Display („Ich möchte nicht ohne Narben sterben“) war mitten im Thema. Unter dem von Jugendsprache geprägten Motto „Don’t fuck up“ – versaue es nicht – wurde eine Botschaft wie ein Mantra immer wieder vorgetragen. „Es geht darum, mit dem Scheitern umzugehen“, führte Martin Kretschmer von  Blanko ein.

Der Düsseldorfer Unternehmensberater war gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung des Rhein-Kreises Neuss Initiator der „FuckUp Night“ im Gare du Neuss. Übrigens zum zweiten Mal. Im vergangenen Jahr fanden sich 120 Besucher ein, diesmal waren es 350, überwiegend junge Leute – ein Beleg dafür, dass  dieses Thema durchaus von Relevanz ist. „Wer hat heute schon einen Fehler gemacht?“, fragt Kretschmer eingangs. Viele zeigen auf.

Und dann kommen drei Herren auf die Bühne, die freimütig über große Fehler sprechen. Und darüber, wie sie heikle Existenznöte bewältigt haben. Keiner traue sich, über Fehler zu sprechen. Das sei ziemlich ungewohnt, beklagt Hildegard Fuhrmann von der Wirtschaftsförderung des Rhein-Kreises Neuss. Gefragt sei eine „Ehrlich-Kultur“. Angel Martinez, Maik Erkelenz und Rainer Kunst leisten dieser Aufforderung Folge. Vieles klingt sehr amerikanisch.

Unternehmer Angel Martinez „will erzählen, was ihr nicht machen sollt“. Er hat bei seinem wechselvollen unternehmerischen Agieren viel Geld verloren, festgestellt, dass etwas falsch lief, intensiv analysiert und ist wieder auf die Beine gekommen. „Ihr müsst an euch selber glauben“, appellierte er an die Zuhörer. „Du schaffst es noch einmal“, wird er ganz persönlich. Wichtig sei, dass Energie, Mut und Laune im Spiel sind. Auch Maik Erkelenz, Head of Digital Consulting der adisfaction AG, ist in seinem Berufsleben einmal ordentlich auf die Nase gefallen. Ein Kunde aus der Modebranche sollte mit seiner Hilfe im Zuge der Datenschutzverordnung in eine Cloud umziehen.

Fahrlässig wurden bei der ohne Backup erstellten Digitalisierung sämtliche Daten gelöscht. „Das war der bitterste Zeitpunkt meiner Karriere“, erinnert sich Erkelenz. Glücklicherweise hatte eine Mitarbeiterin unbeauftragt in eigener Initiative ein Backup mit den nötigsten Daten erstellt. „Kritisch bleiben und aufpassen!“, rät der junge Unternehmer den Zuhörern. Man sollte sich nie unterkriegen lassen, ist als Rat herauszuhören.

Ganz übel hatte es Rainer Kunst erwischt. Er ist tätig in der „Düsseldorfer Kreativ-Wirtschaft“. In aller Offenheit berichtete er von einer langen Kette wirtschaftlichen Misserfolgs. Dabei wurde ihm buchstäblich der Boden unter den Füßen weggerissen, was manch anderen wohl zur Aufgabe bewogen hätte. Nicht so Rainer Kunst, der dem Rat seiner Frau folgte, wieder ganz neu anzufangen. Sein Tipp für alle in ähnlicher Situation: „Du musst auf dich aufpassen, gesund leben, Abstand halten.“ Und plakativ: „Du wirst morgen sein, was du heute denkst.“  Handfest klingt sein abschließender Rat: „Breiter aufstellen, um aus den Schwankungen herauszukommen.“  Mit mehreren stabilen Standbeinen, so ist das wohl zu verstehen, lässt es sich also viel entspannter leben. Die Zuhörer waren sehr beeindruckt und diskutierten noch lange.

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