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Neuss: Sankt Nikolaus statt Weihnachtsmann

Neuss : Sankt Nikolaus statt Weihnachtsmann

Mitra und Bischofsstab statt Pudelmütze und Rentierschlitten: In Neuss formiert sich Widerstand gegen die Kommerzialisierung des Nikolausfestes. Die Zahl der Unterstützer der Aktion "weihnachtsmannfreie Zone" wächst.

Manchmal scheitert der gute Wille am Geld — wie im Fall von Josef Kremer. Seit Jahren hat der Betreiber des Neusser Weihnachtmarktes schon eine augenzwinkernde Auseinandersetzung mit Oberpfarrer Guido Assmann. Es geht um die drei großen Schilder auf dem Weihnachtsmarkt — abgebildet ist der Weihnachtsmann. Und nicht der Heilige Nikolaus. "Ich würd' dem Pastor ja gern den Gefallen tun, aber wissen Sie, wie teuer so ein Schild ist?", sagt Kremer. Rund 500 Euro würde es kosten, das symbolträchtige Konterfei der Kunstfigur gegen das des Heiligen Nikolaus mit Mitra und Bischofsstab zu ersetzen.

Ganz kostenfrei ist dagegen die Signatur, die derzeit unter allen E-Mails steht, die der Oberpfarrer verschickt: "Weihnachtsmannfreie Zone" ist da zu lesen. Damit beteiligt sich Monsignore Assmann an einer bundesweiten Aktion des Bonifatiuswerkes der deutschen Katholiken, die den Heiligen Nikolaus wieder in den Vordergrund stellen und dazu beitragen möchte, der Verwechslung mit dem Weihnachtsmann entgegen zu wirken. Wer will, kann etwa Aufkleber mit dem Logo des durchgestrichenen Weihnachtsmanns auf sein Auto kleben, fair gehandelte Schoko-Nikoläuse statt Weihnachtsmänner kaufen oder diese gar auf Weihnachtsmärkten verkaufen und den Kindern die Geschichte des Nikolaus erzählen. "Ich achte auch darauf, dass in unseren Kindergärten nicht ausgeschnittene Papier-Weihnachtsmänner an die Fenster kommen, sondern Nikoläuse", sagt Assmann.

Trotz zahlreicher Unterstützer in Neuss sind auch in der Quirinusstadt im Advent noch viele rotgemalte, rauschebärtigen Gestalten unterwegs. Rolf-Dieter Lüpertz, als Stadtführer qua Amt viel in Neuss unterwegs, sieht sie oft: "Es sind viele Weihnachtsmänner unterwegs, oft in schlechten Kostümen".

Auch dieser Kommerzialisierung der Weihnachtszeit will das Bonifatiuswerk mit der Aktion "Weihnachtsmannfreie Zone" entgegenwirken. Das Werk selbst ist mit der Resonanz auf die bereits zehn Jahre laufende Aktion zufrieden: "Wir bekommen immer mehr Rückmeldungen", sagt Sprecher Alfred Herrmann. An der Zahl der verkauften Schokoladen-Nikoläuse sei das gut zu sehen: Waren es 2002 noch 10 000, sind es in diesem Jahr schon fünfmal so viele. Auch die Zahl der Unterstützer beim sozialen Netzwerk wächst kontinuierlich und liegt derzeit bei fast 2700.

Entstanden ist die Aktion in Zusammenarbeit mit dem Grevenbroicher Theologen Manfred Becker-Huberti. Unterstützt wird sie auch vom Katholikenrat. "Es geht nicht darum, jemandem den Spaß am Fest zu verderben, aber klar zu machen, dass wir nicht dem Weihnachtsmann, sondern Jesus das Weihnachtsfest zu verdanken haben", sagt Katholikenrats-Vorsitzender Cornel Hüsch. Auch der Nikolausmarkt auf der Weyhe soll eigentlich "weihnachtsmannfreie Zone" sein. Doch so ganz streng ist der Initiativkreis Nordstadt nicht. "Die Jazzmusiker von Muckefuck kommen auch oft in Weihnachtsmannkostümen, aber eigentlich hat der Mann mit dem roten Mantel, dem Rauschebart hier nichts zu suchen", sagt Sprecher Franz Renneberg. Auf der Karte der Unterstützer der "weihnachtsmannfreien Zone" des Bonifatiuswerks hat sich der Verein daher auch eingetragen.

(NGZ)