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Neuss: Sanierungsfall Sels-Museum

Neuss : Sanierungsfall Sels-Museum

Das Clemens-Sels-Museum ist marode: Unmoderne Haustechnik, Dach, Fenster und Fassade müssen erneuert werden. Der Sanierungsaufwand wird auf mehrere Millionen Euro beziffert. Die SPD befürchtet die Schließung.

2012 ist ein Jubiläumsjahr – das Clemens-Sels-Museum wird 100! Ob im Haus zwischen den Kunstschätzen unbeschwert gefeiert werden kann, ist ungewiss, denn das Museum am Obertor ist marode. Nach NGZ-Informationen muss das komplette Haus einer umfangreichen Sanierung unterzogen werden. Kostenpunkt: mehrere Millionen Euro. Weil bisher nichts getan wurde und auch keine Gelder bereitgestellt wurden, spricht die SPD von einer "Verzögerungstaktik" und befürchtet, dass das Museum geschlossen werden soll.

Armin Krüger, Leiter des Gebäudemanagements (GMN) ist bekannt für seine eher zurückhaltenden Äußerungen. In diesem Fall sagt er klar: "Mittelfristig gesehen wird dies die größte Sanierungsmaßnahme der Stadt sein." Konkrete Zahlen kann Krüger noch nicht nennen, aber er schätzt das Gesamtvolumen auf "mehrere Millionen Euro". Das aktuelle "Sorgenkind", so Krüger, ist die Haustechnik des Museums: Beheizung, Beleuchtung und Lüftung müssen verbessert werden. Das hat eine Untersuchung ergeben. Weil dabei festgestellt worden, dass aufgrund der Wechselwirkungen auch der Zustand der "Gebäudehülle", also von Fassade, Dach und Fenstern, analysiert werden muss, wurden jetzt im Etat für das Jahr 2011 35 000 Euro für eine solche Untersuchung eingeplant. Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen. "Daraus ergibt sich ein Gesamtkonzept mit Handlungsempfehlungen für die Politik", so Krüger.

Ob die Millionen überhaupt vorhanden sein werden, ist offen. Das für die städtische Gebäudebewirtschaftung zuständige GMN hat 2009 ein Minus von 839 000 Euro gemacht. Zusammen mit dem Defizit aus 2008 sind es sogar 2,2 Millionen Euro. "Daraus resultiert die Notwendigkeit einer Konsolidierung des Gebäudemanagements", heißt es im Wirtschaftsplan für 2011. Im Klartext: Es muss gespart werden. Auf der anderen Seite heißt es im Wirtschaftsplan aber auch: "Nach wie vor befindet sich die Gebäudeunterhaltung nicht auf dem erforderlichen Niveau."

Der kulturpolitische Sprecher der SPD, Hartmut Rohmer, hat für diese Situation kein Verständnis: "Das Gebäudemanagement hatte schon für dieses Jahr von einer dringenden Dachsanierung in Höhe von 160 000 Euro, der Sanierung der kompletten Beleuchtung für 287 000 Euro und einer Asbest-Sanierung für 256 000 Euro gesprochen. Im Etat 2011 ist dafür kein Euro zu finden." Er vermutet eine Verzögerungstaktik und zeichnet folgendes Szenario: "Das neue Gutachten soll bis Sommer vorliegen, dann sind Ferien, danach wird das Gutachten geprüft und diskutiert. Für den Wirtschaftsplan 2012 ist es dann zu spät, Gelder einzustellen. Die Verwaltung will sich über das Jubiläum retten, um dann zu der Erkenntnis zu kommen, dass sich angesichts der hohen Kosten eine Sanierung nicht lohnt und das Museum geschlossen wird." Die SPD kündigt Akteneinsicht für das Gutachten zur Haustechnik an. "Wir wollen sehen, was dort noch drin steht", so Rohmer. Anne Holt (CDU) sagte: "Wir wollen von der Verwaltung zeitnah wissen, wie groß der Sanierungsbedarf ist. Wenn etwas dringlich ist, müssen dafür die notwendigen Gelder bereit gestellt werden."

(NGZ)