Saisonabschluss der Deutschen Kammerakademie im Zeughaus Neuss

Konzert in Neuss : Kammerakademie zelebriert das Saisonfinale

Das Programm der Deutschen Kammerakademie (DKN) im Zeughaus wurde bestimmt von ergreifender Musik.

Der Kammermusik des britischen Komponisten, Pianisten und Dirigenten Benjamin Britten (1913 – 1976) kommt in seinem Gesamtwerk nicht die gleiche Bedeutung zu wie seinen großen Orchester- und Vokalwerken. Die Deutsche Kammerakademie Neuss (DKN) zeigte nun bei ihrem Saisonfinale im bestens besuchten Zeughaus, dass auch seine Kammermusik ihn zum in Deutschland bekanntesten englischen Komponisten des 20. Jahrhunderts werden ließ.

Die Leitung hatte Isabelle van Keulen, die sich erstmals mit ihrer Viola zum Orchester gesellte und  zugleich eindrucksvoll als Solistin hervortrat. Ihre Introduktion war gut gewählt: Der „Cantus in Memoriam Benjamin Britten“, den der Este Arvo Pärt 1977 im Andenken an den ein Jahr zuvor verstorbenen Britten komponierte, ist eine spannende Meditation über den Tod. Das Stück ist zudem ein frühes Beispiel für den von ihm entwickelten Tintinnabuli-Stil.

Die Melodiestimme umfasst einen Dreiklang, der Glocken ähnelt. Folglich durchzieht eine im Ton A gestimmte Glocke den  zehnstimmigen a-Moll-Kanon. Die DKN machte den Gesang in purer Reinheit zu einem Erlebnis.

Auch Benjamin Brittens „Lachrymae“ ist beseelt von einer Wahlverwandtschaft, zu John Dowlands ergreifendem Lautenlied aus dem elisabethanischen Zeitalter „If my complaints could passions move“ (Könnten meine Klagen Leidenschaft erregen). In mehreren Abschnitten reflektiert Britten kunstvoll über die Renaissancemelodie, bevor er sie am Ende zitiert. Damit korrespondierte kongenial die „Trauermusik“ für Viola und Streicher, die Paul Hindemith anlässlich des plötzlichen Todes von King George V. 1936 in London komponierte. Über anrührend schönen Streicherklängen erhebt sich eine klagende Solobratsche, von Isabelle van Keulen vollendet einfühlsam zelebriert.

Damit das Saisonfinale aber nicht zum reinen Trauerevent wurde, gab es mit der „Simple Symphony“ von Benjamin Britten ein keckes Werk. Als im zweiten Satz „Playful Pizzicato“ die DKN zum reinen Zupforchester mutierte, gab es sogar Zwischenapplaus.

Weitaus anspruchsvoller waren Brittens „Variations on a Theme of Frank Bridge“ für Streicher, mit denen er seinem ersten Lehrer, dem Spätromantiker Frank Bridge, huldigt. Zehn abwechslungsreiche Variationen erhalten zusätzliche Farbe, indem ein Solistenquartett dem Thema im Wechsel mit dem makellosen DKN-Spiel zusätzlich Spannung verleiht.

Für die unter anderem brillante Bourrée sorgten die DKN-Musiker Fenella Humphreys (1. Violine), Amane Horie (2. Violine), Isabelle van Keulen (Viola) und Milan Vrsajkov (Violoncello).

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