Sänger Dany Bober präsentiert in Neuss jüdische Musik und Kultur

Werkstattgespräch in Neuss : Schüler auf jüdischer Zeitreise

Sänger Dany Bober präsentierte an der Gesamtschule Nordstadt jüdische  Kultur.

Das Flüstern der rund 70 Schüler verstummt, als der 1,60 Meter große Mann mit seiner Gitarre die Bühne in der Schulmensa betritt. Das Thema ist ernst – Antijudaismus, Unterdrückung, Vorurteile und die Judenvernichtung im Nationalsozialismus – die Herangehensweise von Dany Bober, der die Acht- und Zehntklässler am Montagvormittag auf eine Reise in die jüdische Vergangenheit mitnimmt, dagegen eher humorvoll und vor allem musikalisch.

In Volksliedern, Psalmen und Gedichten auf Hebräisch, Jiddisch und Deutsch erzählt er etwa vom „goldenen Jerusalem“ oder den mittelalterlichen Plünderungen jüdischer Gemeinden am Rhein. Die Situation der Juden im Dritten Reich schildert er in dem Lied „Dona Dona“, das zu dieser Zeit entstand, und dem Gedicht von den „zehn kleinen Meckerlein“, die immer weniger wurden, aus dem Nachlass seines Vaters.

„Dieses Gedicht hat mich besonders bewegt – man erfährt wie krass mit den Juden umgegangen wurde“, sagt der 14-jährige David Brockers. Dany Bober lässt wichtige Eckdaten der Deutsch-Jüdischen Geschichte genauso in seinen Vortrag einfließen wie persönliche Erlebnisse, als junger Rock- und Soulmusiker im Frankfurt der 1960er Jahre und als Mitgestalter von Kirchentagen. „Ich wünsche mir nichts sehnlicher als dass alle Religionen in Dialog miteinander treten und voneinander lernen“, sagt der Liedermacher, der 1948 in Israel geboren ist, 1956 mit seinen Eltern nach Frankfurt remigriert ist und seit 1976 in Wiesbaden lebt.

Sein einfühlsamer Mix kommt bei den Schülern gut an. „Durch die Musik hat man eher begriffen was mit den Menschen passiert ist“, sagt Theresa van Atteveld. Die 13-Jährige will sich im kommenden Schuljahr noch mehr mit der deutsch-jüdischen Vergangenheit auseinandersetzen und an der jährlichen Auschwitz-Fahrt der Schule teilnehmen. „Der Vergangenheit müssen wir uns stellen“, sagt Lehrer Peter Herzhoff. Daher organisiert er gemeinsam mit Kollegen jedes Jahr eine Fahrt mit Neuntklässlern nach Auschwitz und Birkenau.

In seinem Vortrag hat Dany Bober Worte und Melodien gefunden, die nicht nur das Leid nachempfinden, sondern auch Positives vermitteln. „Er ist ein Mensch mit jüdischer Geschichte, der nach vorne blickt“, sagt Herzhoff. Vermittelt wurde der Kontakt zu Bober von der Jugendeinrichtung „Offene Tür Barbaraviertel“. „Sich mit diesem Erbe von Menschen, die in Deutschland leben, auseinanderzusetzen, ist für die Schüler wichtig“, sagt Schulleiter Olaf Templin, der die „Zeitreise“ genauso miterlebte wie die Stadtverordnete  Stephanie Wellens.

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