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Neuss: RWE sucht Fehler aus der Luft

Neuss : RWE sucht Fehler aus der Luft

Einmal im Jahr lässt der Energiekonzern das Netz seiner Freileitungen vom Hubschrauber aus kontrollieren. Leitungsschäden, defekte Isolatoren oder auch nur Vogelnester im Mastenwald werden gesucht – und gefunden.

Einmal im Jahr lässt der Energiekonzern das Netz seiner Freileitungen vom Hubschrauber aus kontrollieren. Leitungsschäden, defekte Isolatoren oder auch nur Vogelnester im Mastenwald werden gesucht — und gefunden.

Richtung Südosten — und dann immer geradeaus. Wohin Marc Menke an diesem Morgen seinen Bell-Hubschrauber steuert, ist auf Kilometer im Voraus abzulesen. Hochspannungsleitungen des Energiekonzerns RWE definieren seinen Kurs, und im leicht schaukelnden Auf und Ab folgt er dem Verlauf ihrer Trossen.

Vom Umspannwerk an der Memeler Straße im Hafen bis nach Norf. "Ich bin aber nur der Kutscher", sagt der Mann am Steuerknüppel mit Blick auf Frank Kuder auf dem Copilotensitz. Auf ihn kommt es an, er ist der Mann mit den wachen Augen, der Kontrolleur.

Einmal im Jahr lässt RWE sein Leitungsnetz aus der Luft inspizieren. Dann wird der Berufspilot Menke von der Karlsruher "Rotorflug" gechartert und verlegt den Hubschrauber mit der Kennung D-HAFC auch ins Rheinland, wo Kuder und sein jüngerer Kollege Sven Majhen zusteigen. Sie gehören zu den Freileitungsmonteuren bei RWE, wie viele andere auch. Doch nur drei davon fliegen. "Die anderen würden sich schon kurz nach dem Start übergeben", klärt Majhen über ein ganz anderes Berufsrisiko auf. Und dabei muss er dann doch ein wenig grinsen.

566,13 Kilometer muss das Team allein im Rhein-Kreis inspizieren, darunter gut 90 Kilometer Powerleitungen, bei denen 380 000 Volt Spannung anliegen. Da ist Sorgfalt gefordert. Doch im "Flapp-Flapp" der Rotoren, dem einlullenden Motorenlärm und Menkes schaukelndem Wellenflug ist es nicht leicht, die Konzentration immer gleich hochzuhalten. "Was wir tun, klingt ja ganz abenteuerlich", sagt Menke, "aber das ist richtig harte Arbeit." Von wegen Traum vom Fliegen und Freiheit der Lüfte. Zwei Mal drei Stunden in der Luft sind das Äußerste der Gefühle. "Danach siehst du nicht mehr", weiß Kuder.

Seinem Piloten muss der RWE-Mann schon lange keine Anweisungen mehr geben, denn Menke arbeitet seit 2009 "an der Leitung". Ihr nähert er sich immer von rechts auf fünf bis acht Meter, orientiert sich für die richtige Flughöhe kurz an dem ganz oben auf der Spitze geführten Erdungskabel, und dann schaukelt er los. Mit 20 Stundenkilometer über Grund und immer bemüht, seinen Helikopter trotz seitlicher Windböen ruhig zu halten. Jetzt sind links von ihm die Beobachter dran.

Weisen die Freileitungen Schäden auf? Kann das Nistmaterial von dem Vogelnest da auf dem Mast in die Kabel hängen und Schäden verursachen? Unter solchen Fragestellungen lässt Kuder seine Augen über die Seilbündel wandern, die in mehreren Etagen, Phasen genannt, übereinander an den Masten hängen. "Und da, der Isolator an Traverse drei", fragt Kuder kurz seinen Kollegen, "ist der kaputt?" Ist er nicht, es ist nur Vogeldreck.

Doch nur wenige Meter wird die Crew fündig. Eine Ader aus dem Seilpaket ist gebrochen, hängt herunter und kommt anderen Trossen gefährlich nahe. "Da ist ein Blitz eingeschlagen", vermutet Kuder und notiert den Schaden, der schnell einen Kurzschluss mit weitreichenden Folgen auslösen kann. Kuders Einsatz ist damit beendet. Den Rest machen die Kollegen vom Wartungstrupp — wegen der Schwere des Schadens ausnahmsweise auch mal vom Hubschrauber aus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Luftaufnahmen: Neuss von oben

(NGZ)