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Russland mit dem Motorrad erkunden

Unterwegs mit dem Motorrad : Mit der Enduro durch Russland

Am Samstag startet Melanie Stegemann zu einer fast dreimonatigen Reise. Darüber will sie in einem Blog berichten.

Mutig sei sie nicht, sagt sie. Denn wer mutig ist, überwindet seine Angst. Dabei habe sie gar keine Angst. Sie will, dass es jetzt endlich losgeht. Und das tut es – am Samstag startet Melanie Stegemann zu einer knapp drei Monate dauernden Reise. Die führt sie durch ein Land, das im Moment weltweit große Aufmerksamkeit erfährt: Russland.

Die 34-Jährige wird allein unterwegs sein und das auf ihrer Yamaha Enduro, einer Geländemaschine, die sie im vergangenen Jahr nach zweieinhalb Jahren erstmals wieder aus der Garage geholt hatte, um damit in die Neusser Partnerstadt Pskow zu fahren.

Die Künstlerin und Fotografin, die auch regelmäßig für das Neusser Kulturamt arbeitet, war bereits 2012 anlässlich eines Künstleraustauschs in Moskau. Der Aufenthalt sei zwar beeindruckend gewesen, doch „in der Millionenstadt habe ich die russische Seele nicht gefunden“, erzählt sie. Und ihr war klar: Ich muss wiederkommen, um Land und Leute besser kennenzulernen. Gelegenheit dazu hatte die Düsseldorferin im vergangenen Jahr. Denn nachdem sie 2016 in Neuss Pskower Künstler kennengelernt hatte, nahm sie eine Einladung in die Partnerstadt an. Zwei Wochen war sie dort. Ein Highlight: Sie war bis Riga geflogen und dort abgeholt worden. „Als wir mit dem Auto über die Grenze fuhren, war das für mich ein wahnsinniges Gefühl“, sagt sie. „Ich habe mich in dieses Land verliebt“, gesteht sie. Sie lernte die Stadt und einiges von der Umgebung kennen. „Ich dachte mir, dass man dort auch gut mit dem Motorrad unterwegs sein könnte.“

Und nach zwei Wochen, kaum wieder zu Hause in Deutschland, holte sie ihre Enduro aus der Garage und beschloss, wieder hinzufahren. 2000 Kilometer lagen da vor ihr. Mit Pausen, weil sie Freunde besuchte und auch die Maschine mal in die Werkstatt musste, war sie nach sechs Tagen am Ziel. Und nun will die Fotografin mehr vom Land sehen, neue Leute treffen, auch Orte besuchen, in denen ihr Großvater in russischer Gefangenschaft war. In den Gepäcktaschen hat sie ein Zelt, damit sie spontan übernachten kann. Am Samstag wird sie aber erst einmal bis Rostock fahren, dort schon Pskower und Neusser treffen, denn in der Stadt an der Ostsee ist Hansetag. „Ich arbeite gerade an einem Fotoprojekt zum Thema Hansetage. Daher mache ich dort Station“, berichtet sie. Weiter geht es für sie dann unter anderem nach Minsk, Nowgorod, St. Petersburg, Tscherepowetz, Makarjew, Shakhty, Cherkessk, die Krim – knapp 14.000 Kilometer wird sie in den drei Monaten zurücklegen und ihre Erlebnisse in einem Blog der Welt mitteilen. Mit ihm möchte sie auch Vorurteile abbauen. „Ich habe immer wieder festgestellt, wie nett und hilfsbereit die Menschen überall sind“, sagt Melanie Stegemann. Auch dass sie ganz allein unterwegs sein wird, sieht sie als Vorteil. „So komme ich viel schneller mit Menschen in Kontakt. Ich bin mehr ich, wenn ich allein reise.“

Über die Adresse www.gofundme.com/Russia-calling-2018 kann die 34-Jährige über Crowdfunding unterstützt werden. Im Frühjahr hat sie übrigens angefangen, Russisch zu lernen. „Mal sehen, was ich davon umsetzen kann.“ Wahrscheinlich kann sie es nach zwölf Wochen Praxis im größten Land der Welt bedeutend besser.