Neuss: Ruia-Pleite: Investor gesucht

Neuss: Ruia-Pleite: Investor gesucht

Die Beschäftigten des Automobil-Zulieferers Ruia haben gestern auf einer Betriebsversammlung offiziell von der Insolvenz ihres Arbeitgebers erfahren. Für das Unternehmen beginnt nun die Suche nach einem neuen Investor.

Es ist ein Gefühl der Ohnmacht bei den Mitarbeitern des Automobil-Zulieferers Ruia Global Fasteners (vormals Bauer & Schaurte). "Das hat die Belegschaft nicht verdient", sagt Uwe Otto, der seit über 40 Jahren in dem Betrieb arbeitet. Seit seiner Ausbildung ist der 61-Jährige in dem Unternehmen, erlebte auch die letzte Insolvenz des Vorgängerunternehmens Acument hautnah mit.

Bernd Hellwig (55), arbeitet seit 1971 in der Firma, die damals noch Bauer & Schaurte hieß. "Wir müssen kämpfen", sagt er. Foto: Woitschützke, Andreas

Gestern wurden er und seine rund 300 Kollegen vom Neusser Standort an der Further Straße offiziell über die Insolvenz ihres Arbeitgebers informiert. Durchgesickert war die schlechte Nachricht bereits am Montag (die NGZ berichtete). Zwei gute Nachrichten konnte Insolvenzverwalter Frank Kebekus gestern immerhin verkünden: Die Gehälter sollen vorerst weiter bezahlt werden, auch kurzfristige Entlassungen sind nicht geplant.

Uwe Otto (61), ist Ausbilder bei Ruia. "Eine zweite Insolvenz – das hat die Belegschaft nicht verdient", findet er. Foto: Woitschützke, Andreas

Der indische Investor Ruia hat nur ein Jahr durchgehalten: Die Ruia Gruppe hatte im Februar 2011 das Unternehmen Acument, vormals Bauer & Schaurte, das im Zuge der Wirtschaftskrise insolvent gegangen war und Jobs abbauen musste, aus der Pleite "gerettet" — so schien es jedenfalls damals.

"Unsere Hoffnungen wurden jäh enttäuscht", sagt Gesamtbetriebsrat Walter Doberer, der gestern extra aus Schrotzberg in Baden-Württemberg zur Betriebsversammlung nach Neuss kam. Ruia Global Fasteners hat neben Neuss noch drei weitere Standorte, neben Schrotzberg in Beckingen (Saarland) und Neuwied (Rheinland-Pfalz). Insgesamt 1400 Mitarbeiter sind von der Insolvenz betroffen.

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Die Beschäftigten hoffen nun auf einen solventen, verlässlichen Investor — "der uns nicht sofort wieder im Stich lässt", sagt Doberer. Die Gewerkschaft IG Metall kann sich darüber hinaus vorstellen, ein sogenanntes Management-Buy-Out oder "Employee-Buy-out" anzuwenden.

Bei ersterem würde das Management des Konzerns, bei letzterem die Belegschaft als Kapitalgeber fungieren und das Unternehmen übernehmen. "Da stehen wir aber noch ganz am Anfang der Überlegungen", sagt Heiko Reese, Geschäftsführer der IG Metall Neuss-Düsseldorf. Seine erste Aufgabe war es gestern, die Belegschaft zum Weitermachen zu motivieren. "Natürlich drückt das bei uns auf die Stimmung, auch wenn wir uns gut aufgestellt sehen", sagt Walter Doberer.

Erste Unterstützung gab es gestern vonseiten der Politik, als Jörg Geerlings (CDU) kurzentschlossen bei dem Betrieb vorbeischaute. Auch der städtische Wirtschaftsförderer Frank Wolters betont die Wichtigkeit von Ruia: "Wir werden uns für den Standort stark machen", verspricht er. Die Beschäftigten arbeiten derweil erst einmal weiter: "Erstes Ziel sind und bleiben zufriedene Kunden", sagt Betriebsrat Doberer. Kommentar

(NGZ/rl)