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Neuss: Romanische Nacht mit ungewöhnlichem Musikgenuss

Neuss : Romanische Nacht mit ungewöhnlichem Musikgenuss

Fernöstliche Klänge überraschten die Besucher der 23. Romanischen Nacht in der Quirinusbasilika. Im zweiten der drei Nachtkonzerte spielte die in den Niederlanden lebende Japanerin Makiko Goto eine Wölbbrettzither, die seit dem 7. Jahrhundert in der höfischen japanischen Musik bis heute eine bedeutende Rolle spielt. Auffallend an dem 1,80 Meter langen Instrument Koto sind die 13 weißen beweglichen Stege, über die Saiten gespannt sind. Die rechte Hand zupft die Saiten mit drei krallenähnlichen Plektren, die linke Hand erzeugt Klangeffekte. Die Koto-Meisterin interpretierte traditionelle kultische und zeitgenössische Werke, die in der halligen Basilikaakustik weit trugen.

Münsterkantor Joachim Neugart hatte die romanische Nacht unter das Motto "(Wieder-)Entdeckt" gestellt. Dem Titel wurde er gerecht, indem er kongenial mit der fernöstlichen Musik Lieder der bedeutendsten Mystikerin des Mittelalters Hildegard von Bingen verschmolz. Mit Elisa Rabanus (Sopran) hatte er eine Interpretin gewonnen, die in feiner Lyrik die wunderbaren Melodien geradezu zelebrierte. Die Gesänge basieren auf dem gregorianischen Choral und überragen ihn zugleich durch weite Tonumfänge und große Intervalle. Höhepunkt war, dass in einer Improvisation über zwei der bekanntesten japanischen Melodien Gesang und Koto verschmolzen.

Die erste Stunde der Nacht bot auch eine Entdeckung, denn die "Messe Solennelle Nr. 3" (op. 11) von Alexandre Guilmant wird meist in der Orchesterfassung aufgeführt. Neugart hatte sich für die Version mit Orgel entschieden und mit Hans-Jakob Gerlings einen höchst potenten Mitstreiter gefunden. Der Komponist hatte diese Messe mit knapp 20 Jahren 1852 geschrieben und damit eine der bedeutendsten Messen der französischen Romantik geschaffen. Der Münsterchor mit zweigeteiltem Sopran schuf auf der Orgelempore schon im "Kyrie" ein opulentes Klanggemälde und strahlte bei der Schlussfuge im "Gloria". Das "Credo" wurde in der Interpretation des Münsterchores unter der Leitung von Joachim Neugart zu einer spannenden Erzählung. Die enormen Höhen im "Sanctus" meisterte der Sopran sehr rein. Die Solisten Elisa Rabanus (Sopran), Maximilian Fieth (Tenor) und Achim Hoffmann (Bass) entsprachen dem anspruchsvollen Niveau des Chores vor allem im "Benedictus". Hans-Jakob Gerlings hatte ausgezeichnete symphonische Registrierungen an der Orgel dem Chor immer untergeordnet.

Für die meisten Zuhörer war ganz sicher das dritte Konzert voller Entdeckungen. Die Capella Quirina Neuss, der Kammerchor an der Münsterkirche, glänzte mit neuer A-cappella-Chormusik englischer und nordischer Komponisten. Der Höhepunkt war eine "Ave Regina coelorum" des britischen Komponisten Gabriel Jackson (45), das nicht nur von den 15 Chorstimmen brillant gesungen wurde, sondern in einer grandiosen Solopartie von der jüngsten Sängerin Lioba Mollenhauer mit glasklarem Sopran gewissermaßen überhöht wurde. Bestechend auch das Experiment, dieses Werk mit E-Gitarre zu begleiten.

Aufregung pur: Nach einer kurzfristigen Absage konnte erst am Abend vor dem Konzert der Kölner Jazzgitarrist Lukas Wilmsmeyer für die anspruchsvolle Partie gewonnen werden. Auch in zwei Solostücken passte sich der Gitarrist vollkommen dem Charakter der A-cappella-Gesänge an. Sehr langer und verdienter Beifall.

(Nima)