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Neuss: RLT-Chefin auf Erfolgskurs

Neuss : RLT-Chefin auf Erfolgskurs

RLT-Intendantin Bettina Jahnke geht in ihre dritte Neusser Spielzeit. Ihre künstlerische Bilanz der abgelaufenen zweiten Saison fällt ebenso positiv aus wie jene des Zahlenwerks.

Mit einer deutlichen Steigerung der der Besucher- wie auch der Veranstaltungszahlen schließt RLT-Intendantin Bettina Jahnke ihre zweite Spielzeit in Neuss ab. Rund 59 500 Zuschauer hat die Bühne in der gerade abgeschlossenen Spielzeit 010/11 erreicht — das sind etwa 2000 mehr als in ihrer ersten Saison und knapp 14 000 mehr als in der letzten Spielzeit 08/09 ihrer Vorgängerin Ulrike Schanko. Auch bei den Veranstaltungen mit Vermietungen wurde zugelegt: 452 gegenüber 390 in 09/10 und 277 in 08/09.

"Wir sind total erschöpft, aber glücklich", kommentiert Jahnke, "diese zweite Spielzeit war viel anstrengender als die erste." Die erste Saison sei "von einer starken Euphorie getragen worden", erklärt sie den Unterschied, "in der zweiten haben wir viel mehr kämpfen müssen, denn sie ist auch so etwas wie eine Bewährung gewesen." Aber, so sagt sie nicht ohne Stolz, "wir haben diese Bewährung mit Bravour bestanden."

Von den 452 Veranstaltungen sind 174 Eigenproduktionen (im Vorjahr waren es 168, davor 166). Dazu kommen die Abstecher in andere Städte, deren Zahl ebenfalls gestiegen ist — von 69 auf 84 (08/09 waren es 48). Für Jahnke ist es allerdings nicht allein das Zahlenwerk, das die Anstrengungen symbolisiert, sondern auch der Spielplan selbst. "Mit dem Doppelaufschlag ,Orestie' und ,Cabaret' zu Beginn der Saison haben wir einen gewaltigen Kraftakt hinlegen müssen", sagt sie und gibt auch zu: "Uns war nicht klar, wie anstrengend allein die chorische Arbeit für die ,Orestie' ist."

Zudem sei mit den beiden Produktionen gleich zu Beginn das gesamte Ensemble involviert gewesen. "Insgesamt war das eine logistische Meisterleistung", sagt Jahnke, "denn wir haben nicht das Personal einer Düsseldorfer Oper." Damit meint sie nicht allein das Ensemble, sondern auch das Team dahinter: "Bei der ,Orestie' gab es gerade 20 Minuten für die Requisite, die Bühne zu säubern", sagt sie und erklärt mit Nachdruck: "Ich bin wirklich sehr dankbar für dieses Team."

Mit dem Ausscheiden von vier Schauspielern und der Verpflichtung vier neuer wird sich am RLT zwar einiges ändern, aber: "Natürlich gibt es ein Verlustgefühl, aber gleichzeitig auch neue Impulse", sagt Jahnke. Zudem kann sie verstehen, dass junge Schauspieler nach zwei Jahren an einem Landestheater, etwas anderes machen wollen: "Sie arbeiten schon in einer Art Mühle."

Sie selbst hingegen zeigt keinerlei Müdigkeitserscheinungen. Über die eigene Vertragsverlängerung — nach Ablauf ihrer fünfjährigen Intendantenzeit — denkt sie derzeit gar nicht nach. Lieber genießt sie das "angenehme Arbeiten" — jetzt, wo sie Neuss und das Publikum kennt. "Die erste Spielzeit mussten wir ins Blaue planen, die zweite mitten im Betrieb der ersten, und die dritte konnten wir zum ersten Mal in Kenntnis unseres Publikums gestalten", erklärt sie.

Und welche Erfahrungen hat sie gemacht? "Erstens", erwidert sie, "anspruchsvolle Stücke gehen in Neuss gut. Deswegen haben wir auch Marc Lunghuß, den Regisseur des ,Törleß', wieder engagiert. Er macht Schnitzlers ,Liebelei'." Und zweitens? "Wir brauchen auch sanfte, schöne romantische Stücke. Deswegen gibt es ,Cash' — eine ganz klassische gute Boulevardkomödie." Gibt es auch ein Drittes? "Shakespeare geht immer", sagt sie lachend, hat sich allerdings für die nächste Saison das weniger gespielte "Wintermächen" ausgesucht. Dass sie damit auch wieder ins Globe geht, ist für Jahnke keine Frage: "Die Schauspieler lieben den Bau", erklärt sie.

Für die nächste Spielzeit hat sie denn auch nur einen Wunsch offen: "Dass das ,lieben!' etwas leichter wird als das ,kämpfen!'." Die neue Spielzeit startet am Freitag, 16. September, mit Jahnkes Inszenierung von "Lola".

(NGZ)