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Neuss: Rheinwerk fährt weiter Millionenverluste ein

Neuss : Rheinwerk fährt weiter Millionenverluste ein

Seit 2009 eingemottete Öfen zur Aluminiumerstellung produzieren wieder – aber nicht wirtschaftlich. Sparanstrengungen werden nötig.

Seit 2009 eingemottete Öfen zur Aluminiumerstellung produzieren wieder — aber nicht wirtschaftlich. Sparanstrengungen werden nötig.

"Eine starke Leistung im Schatten schwacher Alu-Märkte" Oliver Bell (Konzernvorstand) Foto: Hydro

Das Rheinwerk wird die Bilanz von Hydro Deutschland in diesem Jahr mit einem Minus in der Größenordnung von mehreren Millionen Euro belasten. Um diese zu reduzieren, wird der Konzern jetzt Einspar-Maßnahmen auf die Aluminiumhütte ausweiten, die unter dem Schlagwort "Lean Administration" (Schlanke Verwaltung) schon in anderen Werken der Hydro Aluminium Rolled Products mit Sitz in Grevenbroich greifen. Das Personal wird von derzeit knapp 660 auf 620 reduziert, nennt Unternehmenssprecher Michael Peter Steffen ein Beispiel. "Wir müssen sehen, ob das die letzte Marke ist."

Fast dreieinhalb Jahre war um den Bestand der Hütte gebangt und gerungen worden, die in besten Zeiten mit 680 Mitarbeitern jährlich 230 000 Tonnen Roh-Aluminium erzeugte. Die Zitterpartie endete, als die Europäische Kommission vergangenes Jahr Kompensationszahlungen der Bundesregierung billigte, die besonders energieintensiven Betrieben einen Teil der hohen Stromkosten erstatten darf. Auf dieses Signal hin beschloss der Konzern, an dem Werk festzuhalten. In dem internationalen Wettbewerb wolle er nicht auf diese Rohstoffstufe verzichten, hatte Konzernvorstand Oliver Bell damals den strategischen Wert der Hütte betont.

Seit Anfang des Jahres wurden zwei Ofenlinien, die seit 2009 eingemottet waren, wieder hochgefahren. Bis Ende Juni soll dieser technisch schwierige Prozess abgeschlossen sein, sagt Steffen. "Eine starke Leistung, weil sie erbracht wurde im Schatten schwacher Aluminiummärkte", fügt Bell hinzu.

Doch die anvisierte Jahresproduktion von 150 000 Tonnen Flüssigaluminium wird das Werk erst im nächsten Jahr "allmählich", wie Steffen betont, erreichen. Für 2013 geht er von 120 000 Tonnen aus. In den Jahren mit gedrosselter Produktion waren nur jeweils 50 000 Tonnen Roh-Aluminium produziert worden.

"Gern würden unsere Walzwerke mehr neues Metall aus dem Rheinwerk nutzen, die Nachfrage ist da", sagt Steffen mit Blick auf 190 000 Tonnen, die die Gießerei im Rheinwerk in diesem Jahr in Walzbarren für die Werke Alunorf (Neuss) und Hydro in Grevenbroich umschmelzen wird. Doch bisher bleibe Hydro gezwungen, die zusätzlich benötigten Mengen Roh-Aluminium außerhalb Europas einzukaufen und in Neuss wieder einzuschmelzen. Das erfordert einen höheren logistischen aber auch energetischen Aufwand, sagt Steffen.

Nach Abschluss des Hochfahrens gehe es jetzt darum, das Werk wirtschaftlich zu stabilisieren. Zugleich aber wachse die Unsicherheit darüber, wie sehr die Politik die effektiven Stromkosten kurzfristig und in den kommenden Jahren belastet, sagte Steffen mit Blick auf die derzeit diskutierte Netzentgeltverordnung, Strompreisbremse oder die Energiewende. "Bis auf weiteres halten wir aber an unserem Kurs fest", betont der Hydro-Sprecher.

(NGZ/rl/url)