Rhein-Kreis Neuss: Politik tritt bei Rinkerts Milliarden-Uni auf die Euphoriebremse

Bildung im Rhein-Kreis Neuss : Politik tritt bei Rinkerts Milliarden-Uni auf Euphoriebremse

Daniel Rinkert wollte bewusst für „Wirbel“ sorgen und das hat er geschafft. Der Vorstoß des SPD-Kreisvorsitzenden, innerhalb der nächsten 20 Jahre im Rhein-Kreis Neuss die beste Universität der Welt ansiedeln zu wollen – mit einem Jahresbudget von acht Milliarden Euro –, ruft in der Politik unterschiedliche Reaktionen hervor.

Rückendeckung erhält der 32-Jährige vom Grevenbroicher Bürgermeister Klaus Krützen (SPD): „Bildung ist ein großes Zukunftsthema. Wer in diesem Bereich stark ist, zieht auch andere Ansiedlungen an“, sagt er. Deshalb sei der Ansatz, eine Hochschule ins Revier zu holen richtig. Rinkert habe beim Sportplatz Neurath bereits bewiesen, dass er in Berlin Fördermittel organisieren kann. „Sicher braucht man für ein Projekt einen langen Atem, aber Verzagtheit wäre absolut falsch“, sagt Krützen.

Der Grevenbroicher CDU-Chef Wolfgang Kaiser will Rinkerts Idee nicht verteufeln. „Beim Strukturwandel darf es keine Denkverbote geben“, sagt er. Gleichwohl sei die Union aber anders orientiert: „Uns geht es um die Ansiedlung von modernen Technologie-Betrieben, die Arbeitsplätze bieten und Gewerbesteuereinnahmen bringen.“

Der Bundestagsabgeordnete Bijan Djir-Sarai (FDP) betont, wie lange die Diskussion um den Rhein-Kreis Neuss als möglicher Hochschulstandort bereits geführt wird. Vor rund elf Jahren hatte man sich bereits beim Land Nordrhein-Westfalen dafür beworben – erhielt letztendlich jedoch nicht den Zuschlag wegen der Nähe zu den Hochschulstandorten Düsseldorf und Köln. Es sei wichtig, dass sich der Rhein-Kreis mit dem Thema auseinandersetzt, man solle sich jedoch „lieber realistische Ziele setzen“, appelliert Djir-Sarai.

Ähnlich formuliert es Christian Gaumitz. „Ich bin skeptisch“, so der Kreisvorsitzende der Grünen. Bereits in der Vergangenheit habe sich herausgestellt, wie schwierig es schon ist, überhaupt nur eine Dependance einer bestehenden Hochschule im Rhein-Kreis Neuss anzusiedeln. Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zeigt sich wortkarger: „Dieser Vorstoß spricht für sich.“ Näher möchte er auf die Milliarden-Idee nicht eingehen.

Und Daniel Rinkert selbst? Abgesehen von einigen hämischen Kommentaren auf Facebook habe er persönlich positive Resonanz zu seiner Idee erhalten, sagt der 32-Jährige. Unter anderem seien bei ihm Reaktionen „aus der Wissenschaft“ angekommen, ein Treffen sei vereinbart worden. Seine Hochschul-Idee fokussiere sich aber nicht nur auf das Kraftwerk Frimmersdorf: „Wir haben genug andere gute Standorte in Kreis und Region.“

Die Kolumne „Neusser Woche“ zum Thema „Milliarden-Uni“ lesen Sie hier.