Kirche Heilige Dreikönige in Neuss Passionskonzert spendet Trost

Neuss · Für Beschaulichkeit und Wohlklang allein war in der Pfarrkirche Heilige Dreikönige am Samstagabend keine Gelegenheit. Angesagt war Trost in der Not.

 Die Musizierenden hatten auf der rückwärtigen Empore des großen sakralen kirchlichen Innenraums Stellung bezogen. (Symbolbild)

Die Musizierenden hatten auf der rückwärtigen Empore des großen sakralen kirchlichen Innenraums Stellung bezogen. (Symbolbild)

Foto: imago / Oberhaeuser

Dafür sprach allein schon die Zusammensetzung des brillanten Tamigu-Trios. Angefangen bei Günther Wiesemann aus Hattingen, ausgewiesener Kammermusiker und Komponist von Symphonien und Orchesterwerken, über die Pianistin und Organistin Tamara Buslova aus Moldawien bis zu Michael Nachbar aus dem westukrainischen Czernowitz. Damit war allein schon Faszination garantiert, auch wenn die Musizierenden auf der rückwärtigen Empore des großen sakralen kirchlichen Innenraums Stellung bezogen hatten. Die auffallend gute Akustik verstärkte ihre Darbietungen ungemein, und die Auswahl der Stücke im Verbund mit deren virtuoser Spielweise tat ein Übriges. Insgesamt war eine geballte Ladung barocker, klassischer und von Günther Wiesemann komponiertem teils zeitgenössischem Zuschnitt zu hören.

An Überraschungen hatte es also keinen Mangel, und nach einer kurzen Weile des Stutzens waren die Zuhörer mitten in der anspruchsvollen geistig-klingenden Botschaft. Orgel, Schlaginstrumente und Violine waren die Instrumente, und Günther Wiesemann kam bei seinem „caelis aeternis II“ sogar als Sprecher zum Zuge. Mit Stücken von J.S, Bach, Franz Liszt, Heinrich Schütz und Joseph Haydn zwangen die kreativen Interpreten den Hörer zur Auseinandersetzung. Das Musikalische stand insofern absolut im Mittelpunkt, weil die Pfarrkirche Heilige Dreikönige für katholische Verhältnisse sparsam geschmückt ist, wenn man die intensiv farbigen Fenster einmal außer Acht lässt. „Farbig“ war überhaupt das Stichwort für die drei auf geistliche Musik geeichten Musiker. Angesagt waren in der guten Stunde des Auftritts Ernst und Besinnlichkeit. Vieles war dunkel unterlegt.

Wiesemanns „meditazione“ wartete zusätzlich mit Gong, Klangschalen, Triangel und Windspiel auf. Ungewöhnlich genug war das, doch man folgte dieser Neuerung sehr gern. Umso eher, als „Die sieben Worte des Erlösers“ als eingängige Schütz-Version darauf folgten und wiederum abgewechselt wurden durch Zeitgenössisches. Oft klangen als Versatzstücke Choralauszüge an („O Welt, sieh hier dein Leben“) und mahnte eine Kreuzandacht. Entscheidend war am fesselnden Abend freilich, dass die heutige Zeit auch seine Begegnungen mit dem Passionsgeschehen aufarbeitet. Das mag viel mit der augenblicklichen Befindlichkeit der Welt zu tun haben, auch mit der faszinierenden Tonsetzung und der Wiedergabe – auf jeden Fall stand nicht das Volltönende an diesem Abend im Mittelpunkt. Freilich hatte Joseph Haydn mit seinen „Sieben Worten…“ das letzte Wort.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort