Rhein-Kreis Neuss: IHK fordert Autobahn-Ausbau und bessere S-Bahn

Verkehrsinfrastruktur im Rhein-Kreis Neuss : IHK fordert Autobahn-Ausbau

Schon jetzt ächzt die Verkehrsinfrastruktur unter hohen Ein- und Auspendlerströmen. Eine neue Studie der Industrie- und Handelskammer belegt dies. Hinzu kommt der Lieferverkehr.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein fordert mehr Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur. Dies sei angesichts des zunehmenden Wettbewerbs mit benachbarten Ballungsräumen dringend nötig. Die IHK spricht sich für einen sechsspurigen Ausbau der Autobahnen mit Bezug zu Düsseldorf und Köln (A44, A46, A52 und A57) sowie den zügigen Bau der A57-Anschlussstelle Delrath aus. Zudem müsse der ÖPNV gestärkt werden – durch eine Verlängerung der S28 über Kaarst hinaus in Richtung Viersen und Mönchengladbach sowie über Mettmann bis Hagen. Für die U81 mit den Zielen Messe und Flughafen Düsseldorf solle eine Rheinquerung geschaffen werden.

Für den Rhein-Kreis Neuss hat die Pendlerstudie mit dem Titel „Wo(hin) die Arbeit ruft“ ergeben, dass jeden Tag 66.348 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den Kreis ein- und abends wieder auspendeln. Im Gegenzug verlassen 91.910 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte täglich den Rhein-Kreis, um zu ihrem Arbeitsplatz in einer anderen Stadt oder einem anderen Kreis zu gelangen. Das zeigt, verknüpft mit einem Blick in den gesamten IHK-Bezirk, welchen Belastungen das Verkehrsnetz schon heute ausgesetzt ist. IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz betont: „Mehr als 120.000 Einpendler, etwa 150.000 Auspendler und rund 75.000 Binnenpendler nutzen am Mittleren Niederrhein an jedem Arbeitstag jeweils zweimal die Verkehrssysteme auf ihrem Weg zur Arbeit und zurück.“

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke spricht sich ebenfalls für einen Ausbau der Verkehrsinfrastruktur aus. Der Kreis verfolge solche Forderungen bereits lange. Zudem müsse der ÖPNV von Jüchen, Grevenbroich und Rommerskirchen aus in Richtung Köln dringend verbessert werden – „insbesondere vor dem Hintergrund des anstehenden Strukturwandels“.

Unterm Strich geht es um die Zukunftsfähigkeit der Region. Erreichbarkeit sei sowohl für Unternehmen als auch Beschäftigte ein entscheidender Standortfaktor. „Die Arbeits- und Wohnverhältnisse auf der Rheinschiene sind eng verflochten“, erklärt Steinmetz. „Wird der Aufwand, seinen Arbeitsplatz zu erreichen, zu groß, zieht der Arbeitnehmer eventuell um und verlässt unsere Region.“ Eine gut ausgebaute Straßeninfrastruktur und ein funktionierendes ÖPNV-Netz spielten daher eine wichtige Rolle für die wirtschaftliche und demografische Entwicklung – und im Ringen um dringend benötigte Fachkräfte.

Die Stadt Neuss hat im gesamten IHK-Bezirk – dazu zählt neben dem Rhein-Kreis und den Städten Mönchengladbach und Krefeld auch der Kreis Viersen – den größten positiven Einpendlersaldo. In Neuss gibt es 70.716 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze, 47.060 Beschäftigte kommen jeden Tag von außerhalb zur Arbeit in die Quirinus-Stadt. Von den 58.540 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Einwohnern von Neuss pendeln täglich 34.918 in andere Städte.

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