Rhein-Kreis Neuss: Handwerkskammer Düsseldorf stellt Bilanz 2018 vor

Handwerks-Boom im Rhein-Kreis Neuss und Düsseldorf: Handwerker setzen auf höhere Preise

Dem Handwerk geht es so gut wie wohl fast noch nie. Doch die Handwerkskammer warnt vor einem Mangel an guten Mitarbeitern.

Die wirtschaftliche Lage des Handwerks im Kammerbezirk Düsseldorf ist „hervorragend“. Mit diesem Prädikat versieht die Handwerkskammer Düsseldorf den Status quo – aus gutem Grund: Auch wenn der Geschäftsklima-Index laut einer repräsentativen Betriebsumfrage (1295 Antworten) von 136 auf 130 Punkte zurückgegangen ist, handele es sich um den zweitbesten Wert seit Beginn der Messung vor 45 Jahren. Gerechnet wird mit einem weiteren Wachstum. Die bisher vorliegenden Ergebnisse der vierteljährlichen handwerksberichterstattungen lassen auf eine positive Umsatzentwicklung schließen. „Letzten Endes dürfte die Jahresbilanz etwas schwächer als in 2017 ausfallen, aber ein nominales Wachstum um drei Prozentpunkte ist gut erreichbar“, erklärt Handwerkskammer-Präsident Andreas Ehlert.

Am meisten Sorgen für die Zukunft machen sich die Unternehmen darüber, dass sie nicht genügend Personal finden. Ein Drittel der befragten Handwerker meldet aktuell offene Stellen – so viele wie noch nie. Die gute Umsatz- und Auftragslage äußert sich darin, dass die Auslastung von ohnehin hohen 79 Prozent auf 84 Prozent gestiegen ist. Auch die Auftragsreichweite stieg durchschnittlich von 7,7 auf 8,3 Wochen. Gerade auf den Bau von Häusern müssen die Kunden lange warten, ebenso auf den Ausbau von Immobilien. Ehlert: „Vielen Betrieben mangelt es an geeigneten Bewerbern für Ausbildungsstellen und Fachkräftepositionen. Darum können sie ihre Kapazitäten nicht ausreichend ausbauen.“

Als ein Ergebnis des Fachkräftemangels ziehen Preise und Löhne deutlich an. Die Preise werden so deutlich erhöht wie seit Jahren nicht. Das zeigt das „Verkaufspreisklima“ der Umfrage. Kammer-Geschäftsführer Axel Fuhrmann berichtet, dass in den Städten mittlerweile fast alle Betriebe mit technischem Hintergrund mehr Gehalt zahlen als im Tarifvertrag vorgeschrieben ist. Es komme immer öfter vor, dass Unternehmen sich gegenseitig Mitarbeiter mit Prämien abwerben. Auch Firmen aus dem öffentlichen Bereich wie so manches Stadtwerk würden um die ausgebildeten Fachkräfte buhlen.

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Um neue Mitarbeiter aufzubauen, gehen die Handwerksbetriebe viele Wege. So werden Schüler auf Jobmessen gezielt angesprochen. Die Unternehmen versuchen zudem, deutlich familienfreundlicher zu werden.

Kammerpräsident Ehlert berichtete, im Kammerbezirk mit seinen insgesamt 59.000 Betrieben und aktuell 320.000 Beschäftigten würden aktuell 617 Flüchtlinge alleine aus den acht wichtigsten Herkunftsländern wie Syrien oder Afghanistan ausgebildet. „Das ist eine bemerkenswert hohe Zahl“, sagt er, „denn ohne ausreichende Deutschkenntnisse gibt es keine Lehrstelle und keine Berufsschule. Und erst seit 2015 sind die meisten Flüchtlinge gekommen.“

Beim Werben um Nachwuchs setzt das Handwerk auf eine Imagekampagne, die zwar durchaus spürbar Früchte trägt: Bereits im dritten Jahr in Folge steigt die Anzahl der Auszubildenden im ersten Lehrjahr wieder an. „Der Bedarf an Fachkräften wächst jedoch seit Jahren wesentlich schneller, als es uns mithilfe unserer flächendeckenden Imagekampagne und vermehrter berufsorientierter Beratung gelingt, den Mega-Trend der Schulabgänger an die Universitäten und Hochschulen umzukehren“, betont Axel Fuhrmann. Dies wird eine der Herkulesaufgaben für die Zukunft sein.

(NGZ)
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