Projekt im Rhein-Kreis Neuss Ein Adventskalender rund um die „Königin der Instrumente“

Rhein-Kreis · 24 Türchen geben ab dem ersten Dezember einen Eindruck der Orgelklänge im Rhein-Kreis. Der Adventskalender ist ein Projekt des ökumenischen Kantorenkonvents und zeigt, wie vielfältig das Instrument in Klang und Gestaltung ist. Warum Zuschauer dabei auch ein „blaues Wunder“ erleben können.

Wie vielseitig der Orgelklang und die Optik der „Königin der Instrumente“ im Rhein-Kreis Neuss sind, stellt der ökumenische Kantorenkonvent in Neuss unter der Leitung von Michael Landsky (links) und Karl-Georg Brumm nun in einem Adventskalender vor.

Wie vielseitig der Orgelklang und die Optik der „Königin der Instrumente“ im Rhein-Kreis Neuss sind, stellt der ökumenische Kantorenkonvent in Neuss unter der Leitung von Michael Landsky (links) und Karl-Georg Brumm nun in einem Adventskalender vor.

Foto: Georg Salzburg (salz)

Sie wird auch das „Blaue Wunder“ genannt: Anfang dieses Jahres ist eine Kastenorgel in die Neusser Christuskirche gezogen. Seitdem verzückt sie die Gemeinde nicht nur mit ihrem Klang, sondern auch mit ihrem Anblick: Denn die Orgel ist auch optisch ein kleines Kunstwerk. Nicht nur, weil ihre blaue Farbe gut zu den Fensterrosen der Kirche passt, sondern auch, weil ihre Schallöffnungen die Form von kleinen Vögelchen hat.

Und sie ist nur eine von vielen besonderen Orgeln, die es im Rhein-Kreis Neuss gibt. „Die Orgellandschaft ist hier sehr vielfältig, wir haben sowohl neue als auch historische Orgeln – viele stammen aus der Romantik, aber auch die 1950er, 60er und 70er Jahre sind gut vertreten“, sagt auch Regionalkantor Michael Landsky. Einen ersten Einblick in die Orgelvielfalt im Rhein-Kreis Neuss soll nun ein digitaler Adventskalender bieten: Auf einer Internetseite öffnet sich dafür ab Freitag jeden Tag ein Türchen, das in einem Videobeitrag eine musikalische Kostprobe einer Orgel aus dem Rein-Kreis Neuss enthält. Darunter sind sowohl die „großen“ Orgeln aus Kirchen wie der Neusser Christuskirche (sie ist mit der Hauptorgel und der kleinen Truhenorgel gleich zwei Mal in dem Kalender vertreten), St. Marien, der Dreikönigenkirche oder auch die Christuskirche in Grevenbroich und Dormagen, aber auch die Orgeln aus kleineren Kirchengemeinden. Natürlich darf auch die Seifert-Orgel des Quirinusmünsters in dem Kalender nicht fehlen. Aber: „Alle Instrumente konnten wir bislang noch nicht unterbringen, immerhin gibt es ja nur 24 Türchen“, sagt Landsky. Unterstützt wird der Kalender ideell und finanziell vom Rhein-Kreis Neuss. Außerdem sei ein gewisses Interesse da, die vorhandene Orgelbandbreite zu dokumentieren.

Der Orgel-Adventskalender ist das erste große Projekt des ökumenischen Kantorenkonvents, der von Kreiskantor Karl-Georg Brumm (evangelische Kirche) und von Regionalkantor Michael Landsky (katholische Kirche) geleitet wird. Entstanden ist der Zusammenschluss aus Veränderungen, die sich innerhalb der Gemeindelandschaft und immer größer werdender Sendungsräume ergeben. Elf katholische Seelsorgebereichsmusiker und sechs hauptamtliche Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker der evangelischen Kirche möchten durch die ökumenische Zusammenarbeit Synergieeffekte nutzen, Gemeinsamkeiten bündeln und sich gegenseitig unterstützen. Etwa um einen Veranstaltungskalender gemeinsam zu koordinieren, sodass nicht zwei Groß-Ereignisse auf den gleichen Termin fallen, nennt Landsky als Beispiel. Aber auch wenn Musiker gebraucht werden, ein Organist erkrankt oder ein Sänger fehlt, kann der ökumenische Kantorenkonvent unterstützen und einspringen. Einige Treffen hat es im vergangenen Jahr schon gegeben, flankiert wird der Kantorenkonvent von Superintendent Dietrich Denker und Hans-Günther Korr, Kreisdechant im Rhein-Kreis Neuss. Beide würden wichtige Impulse beisteuern, sagt Landsky.

Eine ökumenische Zusammenarbeit sei dabei im Rhein-Kreis nicht neu, sagt Landsky. Da wären etwa die Kirchenmusikwochen, die alle zwei Jahre in Neuss ausgetragen werden, oder gemeinsam organisierte Konzerte. Erst kürzlich gab es auch ein ökumenisches Chorprojekt in Neuss-Weckhoven, das von David Jochim, Kantor der Evangelischen Kirchengemeinde Am Norfbach und seinem katholischen Kollegen Nikodem Chronz realisiert wurde. „Wir haben festgestellt, dass die ökumenische Arbeit im Rhein-Kreis gut funktioniert“, sagt Landsky. Und so entstand nun aus dem Kantorenkonvent als erstes Großprojekt der Adventskalender, in dem die Orgeln kennengelernt werden können, ohne dabei die Kirchenschwelle zu übertreten. Mit den Aufnahmen wurde bereits im September begonnen. Mal steht der Orgelklang allein im Fokus, mal wird er begleitet von einem Chor oder Kammermusik. „Im Rhein-Kreis sind wir nicht arm an Orgelvielfalt“, sagt Landsky, „die verschiedenen Orgeln haben sowohl kunsthistorisch, als auch technisch und vom Klang einiges zu bieten.“

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