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Rhein-Kreis Neuss: Ehrenamtspreis an drei Preisträger verliehen

Verleihung im Rhein-Kreis Neuss : Das sind die Gewinner des Ehrenamtspreises

Die von NGZ, Rhein-Kreis und RWE ausgelobten Ehrenamtspreise gehen an die Aktion „Herzkissen“, die Brustkrebspatientinnen unterstützt, die erst 17-jährige Bettina Kurz aus Neuss und den Verein „Stille Geburten“ aus Rommerskirchen.

Die Ehrenamtspreise, die die Neuß-Grevenbroicher Zeitung, der Rhein-Kreis Neuss und das Unternehmen RWE unter dem Motto „Freiwillig.Engagiert.Für andere.“ in drei Kategorien ausgelobt hatten, sind am Montagabend in einer Feierstunde vergeben worden.

Nachdem alle Beteiligten glücklich ihren etwas abenteuerlichen Weg durch den Tagebau Garzweiler in Grevenbroich zum Zechenhaus gefunden hatten, wurden sie von Kreisdirektor Dirk Brügge begrüßt, der die Preisträger und Nominierten stellvertretend für alle Ehrenamtliche als „riesigen Schatz im Rhein-Kreis Neuss“ bezeichnete und das „unverzichtbare Engagement, das Werte wie Mitmenschlichkeit und Solidarität aufrechthält“ lobte.

 Sebastian Hofer, stellvertretender Verlagsleiter der RP, überreichte Ute Trienekens und Loretta Rosche den Publikumspreis.
Sebastian Hofer, stellvertretender Verlagsleiter der RP, überreichte Ute Trienekens und Loretta Rosche den Publikumspreis. Foto: Melanie Zanin (MZ)

Die Preisverleihung erfolgte in den Kategorien Jury-, Jugend- und Publikumspreis. Auffällig dabei: Alle Preise gingen an Frauen und bei den Kategorien der Erwachsenen wurden jeweils sehr „weibliche Themen“ ausgezeichnet.

 Der Jugendpreis ging an Bettina Kurz aus Neuss. Die Laudatio hielt RWE-Produktionsleiter Georg Bung.
Der Jugendpreis ging an Bettina Kurz aus Neuss. Die Laudatio hielt RWE-Produktionsleiter Georg Bung. Foto: Melanie Zanin (MZ)

Mit besonderer Spannung erwartet wurde der Sieger des Publikumspreises, denn, wie es Sebastian Hofer, stellvertretender Regionaler Verlagsleiter der Rheinischen Post und zuständig für den Rhein-Kreis Neuss, in seiner Laudatio sagte, „unter uns haben wir jemanden, der nichts von seinem Glück weiß“: Tausende Leser der NGZ und Bewohner des Rhein-Kreis Neuss hatten zuvor online oder telefonisch für „ihre“ Initiative abgestimmt. „Aus über 30 hochklassigen Vorschlägen, die alle den Preis verdient hätten, hat die Jury zehn Initiativen zur Wahl gestellt, aus denen nun der Sieger gekürt wird.“  Das Rennen machte in einer knappen, aber klaren Entscheidung die Aktion „Herzkissen“ – eine Initiative, die Kissen in Herzform näht für an Brustkrebs erkrankte Frauen. „Brustkrebs ist heutzutage kein Todesurteil mehr, aber ein Einschnitt ins Leben. Wir können keine medizinische Hilfe leisten, möchten mit unseren Herzkissen aber eine Entlastung der Wunde bieten und vor allem den betroffenen Frauen eine Freude machen,“ so Ute Trienekens, die den Preis zusammen mit Lorita Rosche entgegennahm.

 Sven Ladeck, Vorsitzender des Kreis-Sozialausschusses, übergab Petra Friese und Marion Kirch-Angst den Jury-Preis.
Sven Ladeck, Vorsitzender des Kreis-Sozialausschusses, übergab Petra Friese und Marion Kirch-Angst den Jury-Preis. Foto: Melanie Zanin (MZ)
  • Ute Trienekens mit einer Auswahl der
    Ehrenamt im Rhein-Kreis Neuss : Herzkissen für Krebs-Patientinnen
  • (Symbolbild)
    Corona im Rhein-Kreis Neuss : 552 Menschen sind derzeit nachweislich infiziert
  • Patrik Ernfors vom Nobelpreis-Komitee auf der
    Renommierte Auszeichnung : Nobelpreis für Medizin geht an zwei Molekularbiologen

 Die Kissen, die als Geschenk verpackt und stets mit einer persönlichen, handgeschriebenen Karte versehen werden, werden ausschließlich verschenkt – von Herz zu Herz - auch für Sprit- oder Portokosten wird nichts berechnet, die Aktion finanziert sich allein über Spenden.

Die Jugendpreisträgerin Bettina Kurz ist siebzehn Jahre alt und Messdienerleiterin in der katholischen Gemeinde Heilige Dreikönige in Neuss. Gut zehn Stunden in der Woche investiert die Abiturientin in ihr ehrenamtliches Engagement. „Ich wusste gar nicht, dass Bernhard Wehres mich vorgeschlagen hat und war echt erstaunt, als der Anruf kam,“ sagte die Preisträgerin, die mit ihrer Mutter Annette den Weg ins Zechenhaus gefunden hatte. Neben der Ausbildung von neuen Messdienern gehört auch die Planung und Durchführung von Fahrten und Ausflügen zu ihren Aufgaben. Zudem ist sie Firmbegleiterin und macht bei den Sternsingern mit. „Junge Menschen tun unendlich viel in der Gesellschaft,“ betonte Guido Steffen, Pressesprecher von RWE, in seiner Anmoderation. Laudator Georg Bung, Produktionsleiter im Kraftwerk Neurath bei RWE, bezeichnete die Preisträgerin als „den guten Geist in Dreikönig“. Bettina mache nie viel Aufheben um ihre ehrenamtliche Tätigkeit, sei aber immer mit Herz dabei. Bung ermutigte die Jugendliche mit Stolz über ihr Engagement zu reden und verband damit die Hoffnung, dass ihre Freude „andere junge Menschen ansteckt, sich ebenfalls ehrenamtlich einzubringen.“

Unterstützung in einer sehr schwierigen, persönlichen Situation bietet der Verein Stille Geburten, der in der Kategorie Jurypreis von Laudator Sven Ladeck, Vorsitzender des Kreisausschusses für Soziales und Wohnen, geehrt wurde. Die Vorsitzende Petra Friese nahm den Preis mit Kassiererin Marion Kirch-Angst entgegen. Der vor fünf Jahren in Rommerskirchen ins Leben gerufene Verein beschäftigt sich mit einem Thema, das in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wird, so Ladeck. Als stille Geburten werden Tot- oder Fehlgeburten bezeichnet. Der Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Mütter und Familien in dieser Zeit liebevoll zu begleiten. „Wir freuen uns sehr über die Anerkennung, denn das Thema ist in der Gesellschaft ziemlich tabu,“ so Petra Friese. Und Marion Kirch-Angst ergänzt: „Die Frauen und Familien dürfen in dieser Zeit ruhig Hilfe in Anspruch nehmen, deswegen ist es wichtig, dass der Verein bekannt ist.“ Neben der Unterstützung bei der Geburt und der Trauerverarbeitung haben die Damen ein Grabfeld für Sternenkinder in Rommerskirchen einrichten können, damit die Eltern und Geschwisterkinder eine Trost- und Anlaufstelle haben.

In abschließenden Worten rief Guido Steffen die Anwesenden auf, nicht so bescheiden zu sein, verbunden mit dem Wunsch, immer mehr Menschen für ein ehrenamtliches Engagement zu begeistern: „Reden Sie darüber, erzählen Sie den Menschen, was sie machen, denn Sie sind ein Vorbild in unserer Gesellschaft.“ Bei einem Imbiss und Getränken klang der Abend aus und bot allen Beteiligten Gelegenheit, sich zu vernetzen und sich über die segensreichen Aktionen, Initiativen und Vereine auszutauschen.