IG Bau legt Bilanz vor Appell für bezahlbares Wohnen

Rhein-Kreis Neuss · Die IG Bau zieht Bilanz und sieht vor allem die Politik in der Pflicht. Der Wohnungsbau in der Region könne nur dann Power zeigen, wenn in Berlin beim Bund und bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung die richtigen Weichen gestellt würden.

 Auf dem Wohnungsmarkt ist reichlich Bewegung. (Symbolbild)

Auf dem Wohnungsmarkt ist reichlich Bewegung. (Symbolbild)

Foto: dpa-tmn/Zacharie Scheurer

Vom Eigenheim bis zum Mehrfamilienhaus: Im Rhein-Kreis Neuss wurden im vergangenen Jahr 1030 neue Wohnungen gebaut. Das teilte die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes jetzt mit. Danach flossen in den Neubau Investitionen in Höhe von rund 268 Millionen Euro. „Zusätzliche Wohnungen sind ein wichtiger Beitrag gegen steigende Mieten. Wichtig ist dabei das bezahlbare Segment. Und es kommt vor allem darauf an, dass im sozialen Wohnungsbau noch mehr getan wird“, sagt Uwe Orlob.

Der Bezirksvorsitzende der IG BAU Düsseldorf sieht insbesondere die Politik in der Pflicht. Der Wohnungsbau in der Region könne nur dann Power zeigen, wenn in Berlin beim Bund und bei der nordrhein-westfälischen Landesregierung die richtigen Weichen gestellt würden. Um vor allem „den lahmenden Bau von Sozialwohnungen voranzubringen“, schlägt die IG BAU ein „Sonderpaket sozialer Wohnungsbau“ vor. Die Mehrwertsteuer auf Sozialwohnungen solle von 19 auf sieben Prozent abgesenkt werden. Der Bau einer staatlich geförderten Wohnung würde nach Angaben der Gewerkschaft so um zehn Prozent günstiger. Der IG BAU-Bezirksvorsitzende verweist auf eine enorme Chance, um zusätzlichen Wohnraum zu gewinnen: den Umbau bereits bestehender Gebäude. „Im Rhein-Kreis Neuss schlummert ein großes Potential in der Umnutzung von Altbauten. So lassen sich bei vielen Wohngebäuden, Büro-, Geschäfts- und Parkhäusern Dachetagen aufstocken. Dazu kommt – durch mehr Homeoffice – der Umbau von Büros zu Wohnungen.“

Gerade auch mit Blick auf den steigenden Wohnraumbedarf für die Menschen, die vor dem Krieg aus der Ukraine geflüchtet sind, müssten alle Möglichkeiten genutzt werden. An die Adresse der heimischen Baubranche macht der Gewerkschafter deutlich: „Viele Firmen suchen dringend Fachkräfte, um die Aufträge bewältigen zu können. Aber qualifizierte Maurer und Zimmerleute gewinnt nur, wer anständige Löhne zahlt und gute Arbeitsbedingungen bietet.“ Baubeschäftigte sollten sich nicht unter Wert verkaufen und auf einer tariflichen Bezahlung bestehen. Genug zu tun gebe es allemal, so Orlob.

Die SPD sieht in Bezug auf den bezahlbaren Wohnraum in Neuss erste Erfolge. In der Stadt würden erstmals seit längerer Zeit wieder mehr Mehrfamilienhäuser als Einfamilienhäuser gebaut. Und auch die Gesamtzahl der öffentlich-geförderten Wohnungen habe seit 2019 erstmals seit vielen Jahren wieder zugenommen. Positiver Blick in die Zukunft: „Alleine auf dem Alexianer- und auf dem Leuchtenberg-Areal entstehen über 300 öffentlich-geförderte Wohnungen“, nennt der SPD-Stadtverordnete Heinrich Thiel als Aufsichtsratsvorsitzender des Bauvereins ein Beispiel. Weitere Verbesserungen erwartet die SPD Neuss von der auf den Weg gebrachten „Wohnungsbauoffensive“, die die Quote für den bezahlbaren Wohnraum „deutlich verschärft“ habe, so Rosemarie Franken-Weyers als planungspolitische Sprecherin der SPD.

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