Rhein-Kreis Neuss: Der Weg in eine Fusionsrendantur ist geebnet

Kreisdekanat : Der Weg in eine Fusionsrendantur ist geebnet

Das Erzbistum empfiehlt, die Rendanturen der Kreisdekanate Neuss und Rhein-Erft zusammenzulegen. Die Standort-Suche läuft.

Die rund 164.600 Katholiken im Kreisdekanat Neuss werden spätestens im Jahr 2025 nicht mehr über eine eigene Rendantur verfügen. Das ist sicher. Für die bevorstehende Verschmelzung mit der Verwaltung der 222.200 Gläubigen im Kreisdekanat Rhein-Erft wird aktuell über einen Kooperationsvertrag verhandelt. Gut möglich, dass das Kreisdekanat Neuss, in dem 56 selbstständige Kirchengemeinden und 13 Kirchengemeindeverbände zusammen geschlossen sind, künftig nicht einmal mehr Sitz einer Rendantur sein wird. Für die angestrebte Fusionsrendantur „West“ suchen die beiden Gemeindeverbände als Träger nun einem gemeinsamen Standort.

Der kann, der muss aber nicht im Rhein-Kreis Neuss liegen. Beobachter sprechen inzwischen so gar davon, dass „der Trend eher in Richtung Bergheim“ gehe. Konkrete Vorschläge sind aber nicht bekannt; demzufolge sind auch keine Beschlüsse gefasst. Klar ist aber, dass das Kardinal-Frings-Haus am Münsterplatz, in Neuss – bisher Sitz der Rendantur des Kreisdekanates – zu klein ist, um die erwarteten 51 Mitarbeiter aufzunehmen. Dort sind aktuell lediglich 24 Personen tätig. Das bestätigt auch Kreisdechant Guido Assmann, der den Stand der Standortsuche so beschreibt: „Bisher gibt es noch keine geeignete Immobilie und damit auch keine Präferenz für einen Ort.“

Als Rendantur wird eine Kassenstelle oder Rechnungsbehörde in den Kirchengemeinden bezeichnet. Einst hatte nahezu jede Pfarrgemeinde einen Rendanten, der die Finanzverwaltung führte. Seit den 1980er Jahren werden mehr und mehr zentrale Rendanturen eingesetzt. So ist es das Ziel der Generalvikariats in Köln, dass es bis 2025 im Erzbistum lediglich noch vier Rendanturen geben wird. Heute sind es 15. Eine des neuen Redantur-Quartetts soll „West“ sein, die dann für die Kreisdekanate Neuss und Erft-Kreis verantwortlich zeichnet.

Nach Einschätzung von Kreisdechant Assmann, auch Oberpfarrer an St. Quirin in Neuss, diktieren veränderte Anforderungen den Konzentrationsprozess. Waren die Rendanturen bisher vor allem für Finanz- und Rechnungswesen aller Kirchengemeinden sowie die Personalverwaltung und die Liegenschaften zuständig, kommen neue Aufgaben hinzu. Mehr Fachpersonal werde für die Verwaltung der katholischen Kindertagesstätten benötigt. Gleiches gelte für den Bereich Bau: „Viele Gebäude sind in die Jahre gekommen. Hier wird Unterstützung benötigt.“

Dafür entfallen aber, so Assmann, künftig auch Aufgaben. So haben alle Kirchengemeinden inzwischen die Verwaltung der Mietwohnungen an Immobilienfirmen übergeben, die in der Betreuung der Objekte und der Mieter spezialisiert seien. Das habe sich sehr bewährt. Zudem sei für den Bereich der Erbpachtgrundstücke und Landpachten in der Stadt Köln eine Servicestelle gebildet worden. Alleine im Bereich des Kreisdekanats Neuss gebe es rund 1300 Pachtgrundstücke und Erbbauverträge.

Eine wichtige Funktion fällt in Augen von Assmann auch den neuen Verwaltungsleitern zu, die ihren Schreibtisch im Büro des leitenden Pfarrers haben werden und auch die Personalführung übernehmen. Bis 2020 soll es in jedem Kirchengemeindeverband einen Verwaltungsleiter geben. In Neuss, so kündigt Assmann an, werde das bereits Ende des Jahres 2018 der Fall sein. Da die Verwaltungsleiter in den Kirchengemeindeverbänden ihren Sitz vor Ort haben werden, ist nach Einschätzung des Kreisdechanten die räumliche Nähe zu jeder Kirchengemeinde nicht mehr so vordringlich wie noch vor Jahren.

Für den Neusser Thomas Kaumanns, stellvertretender Vorsitzender des Kreiskatholikenrates, ist die neue Entwicklung im Bereich der Rendanturen schön und schade zugleich. Schön sei es, dass große, leistungsstarke Einheiten gebildet würden, die auch fachlich hoch kompetent seien. Schade sei es, dass eine größere räumliche Distanz zwischen Verwaltung und Gläubigen drohe. Es sei klarer Wunsch der Laienvertretung, dass es feste Ansprechpartner für die Kirchengemeinden gebe: „Wir fürchten auf Menschen zu treffen, die zwar die Akten kennen, nicht aber die örtlichen Gegebenheiten und die handelnden Personen vor Ort.“ Er hoffe, dass vor dem Hintergrund der digitalen Möglichkeiten – Stichwort Internetkonferenzen – noch einmal das Modell mit einer Rendantur an zwei Standorten geprüft werde.