Neuss: Rhein-Kreis feiert Europatag mit Literatur

Neuss : Rhein-Kreis feiert Europatag mit Literatur

Das "Europäische Kulturerbejahr" 2018 gab das Thema des Festaktes im Lichthof des Neusser Kreishauses vor: Drei Autoren waren eingeladen und sorgten mit ihren Lesungen für viel Stoff zum Nachdenken.

Gehören zu Europa nicht offene Türen? Es hatte also was Sprechendes, dass beim Festakt zum Europatag im Lichthof des Kreishauses in der ersten Stunde immer wieder Menschen verschiedener Nationalitäten zwischen den beiden Blöcken aus Stühlen entlangliefen: einen Kinderwagen schiebend, ein Kind an der Hand hinter sich herziehend oder mit zwei Nummernschildern unter dem Arm. Gerade der Lichthof ist ein offener Ort, ein Durchgangsbereich für viele, und vielleicht auch gerade deswegen ein guter Ort, um Europa zu feiern.

Der Rhein-Kreis mit Landrat Hans-Jürgen Petrauschke an der Spitze und seinem organisierenden Europabüro hatte sich dieses Mal jedoch für eine Variante entschieden, die manchen Zuhörer zwar in Sachen Aufmerksamkeit an seine Grenze gebracht haben mochte, aber höchst lohnens- und lobenswert war. Denn es ging vor allem um Literatur. Aus Deutschland, aus den Niederlanden und aus Polen. Judith Kuckart (Deutschland), Alfred van Cleef (Niederlande) und Stanislaw Strasburger (Polen) stellten sich und mehr noch ihre Bücher vor und schafften so, was Moderator Michael Serrer zuvor versprochen hatte: "Literatur stattet uns mit neuen Perspektiven aus, von denen wir sonst nichts erfahren hätten."

Die Einladung an die drei Autoren und den Leiter des Düsseldorfer Literaturbüros als Moderator korrespondierte natürlich mit dem für 2018 ausgerufenen "Europäischen Kulturerbejahr" und wurde sinnvoll ergänzt von Musik, die ebenfalls Grenzen übersprang: die von Mozart (Franz Dorn/Christine Stemmler, Klarinette) zu Barry Cockcroft (Simon Löns, Saxophon) und Michale Langer sowie Jaime Zenamon (Franca Stappen, Gitarre).

Petrauschke hielt seine Begrüßung kurz und knapp. Auch Jochen Pöttgen, Leiter der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission Bonn, beließ es bei wenigen Worten, mit denen er die Arbeit der EU betonte und zugleich auch die Herausforderungen ansprach. "Viele Unterschiede in den Regionen bleiben bestehen - und das ist auch gut so", meinte er, aber machte sich auch stark dafür, darüber hinaus ständig im Austausch zu bleiben. Denn Europa sei auch "eine Hymne, eine Währung und eine Fahne".

Wie nah Menschen sich heute sind, die einst so weit voneinander lebten, machte insbesondere Alfred van Cleef deutlich. Der Niederländer hatte eigens für diese Veranstaltung einen Text über seine Familiengeschichte geschrieben. Zwei jüdische Zweige fließen da in ihm, der von sich sagt, "ich bin Amsterdamer und Niederländer", zusammen. Zwei Familienstränge, die nur verwoben werden konnten, weil es einige geschafft hatten, der Verfolgung und Ermordung durch die deutschen Nazi-Besetzer zu entkommen. Van Cleef trug seinen Text wie eine Bestandsaufnahme vor - und vielleicht war er gerade deswegen so nachhaltig.

Zuvor hatte Kuckart aus ihrem Roman "Lenas Liebe" gelesen und Ausschnitte aus dem gleichnamigen Film präsentiert. Die Ton-Probleme beim Abspielen fielen kaum ins Gewicht - so sicher und detailliert kommentierte sie den Film von Didi Dankwart.

Stanislaw Strasburger brachte zum einen seinen "Geschichtenhändler" mit und stellte seine Gedankenwelt in einem Essay vor, der von seinen Aufenthalten im Libanon gespeist wurde. "Wir teilen die Welt auf - in uns und die anderen", sagt er und entließ die Zuhörer mit einer Frage: "Was ist dieses geheimnisvolle Geschöpf - die Nation?"

(hbm)
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