Rhein-Kreis: Als Hygienekontrolleur unterwegs

Die Hygienekontrolleure: Unterwegs im Kampf für die Hygiene

Norovirus, Salmonellen, Masern oder Bakterien im Trinkwasser – das bedeutet Alarm für die Hygienekontrolleure des Rhein-Kreises. Die Mitarbeiter haben aber auch die Badeseen, Schwimmbäder und Brunnen im Blick.

Wenn sie kommen, löst das keineswegs Jubelrufe aus. Denn entweder haben sich Infektionen bereits ausgebreitet oder aber sie kommen unangemeldet zu Kontrollbesuchen: die Mitarbeiter der Abteilung „Infektionsschutz, Umweltmedizin und TBC-Fürsorge“ des Kreisgesundheitsamtes. Auch bedeutet das für die Einrichtungen, dass eine Rechnung folgt, denn die regelmäßigen Kontrollen sind keineswegs kostenlos. Die sogenannten Hygienekontrolleure, früher wurden sie Gesundheitsaufseher genannt, versuchen im Fall von bereits ausgebrochenen Infektionen  herauszufinden, wo die Ursache liegt „und vor allen Dingen zu vermeiden, dass die Infektionen weiter um sich greifen“, sagt „Teamchef“ Siegfried Hauswirth.

Schulen werden in der Regel alle fünf Jahre überprüft, Seniorenheime und Krankenhäuser jährlich. Das sieht bei den Badeseen anders aus. Dorthin kommt während der Badesaison (von Mai bis August oder September) jeden Monat ein Kontrolleur. Einer von ihnen ist Oliver Hanke. Der Diplom-Biologe ist dann unterwegs mit einer weißen Plastikscheibe, die an einem langen Faden hängt. Die wird ins Wasser gelassen und anhand des Fadens gemessen, wie groß die Sichttiefe ist. Ist die helle Scheibe nicht mehr zu sehen, schaut Hanke auf die Kennzeichnung am Faden und weiß die Sichttiefe. „Laut EU-Verordnung muss sie mindestens ein Meter sein, am besten zwei“, erklärt er. Wasserproben werden entnommen, um den Chlorophyllgehalt zu bestimmen. Algen enthalten diesen Farbstoff. Die Bestimmung der Chlorophyll-Konzentration pro Volumeninhalt Seewasser diene als Maß für die Algenmenge im Gewässer“, sagt Hanke. Je mehr Algen vorhanden seien, desto höher demzufolge die Chlorophyll-Konzentration. Diese Untersuchungen werden übrigens von einem Labor gemacht.

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Einige Algenarten, so die Blaualgen, können Giftstoffe bilden, „Hautkontakt oder Schlucken von algenhaltigem Wasser kann zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Hautausschlägen führen“, sagt Hanke. Doch keine Angst: Ungetrübtes Badevergnügen im Kaarster und Straberg-Nievenheimer See ist gewährleistet. Denn in den vergangenen Jahren wurde den beiden Seen der Kreiswerke nach EU-Richtlinien stets eine „ausgezeichnete“ Wasserqualität bescheinigt. Die monatlichen Prüfberichte hängen an den Seen auch aus, und die blaue Fahne bedeutet: Hier ist alles in Ordnung.

Wenn die Kontrolleure in Krankenhäuser kommen, wird dort fast alles unter die Lupe genommen – fast, die Küche nicht, denn dafür ist das Veterinäramt verantwortlich. „Wir schauen uns die allgemeine Hygiene in Zimmern und Nasszellen an, überprüfen, wie womit gereinigt, wie die Wäsche gewaschen wird und kontrollieren die Intensivstationen“, erklärt Oliver Hanke. Ein Schwerpunkt sei, so Amtsleiter Michael Dörr, der Kampf gegen multiresistente Erreger. Und auch wenn sich im Sommer die Infektionen durch Bakterien wie Salmonellen erhöhen – im Winter dagegen steige die Zahl der Infektionen mit dem Norovirus – nehmen die Zahlen bei der Salmonellose langfristig ab, so Dörr. Der Aspekt der Umweltmedizin gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Teams. So gehen sie in Schulen, wenn dort ein Verdacht auf Schadstoffe besteht, oder sind bei Lärmschutzgutachten gefragt. Und auf Kirmesplätzen, Märkten oder Stadtfesten stellen sie sicher, dass das Trinkwasser einwandfrei ist. Der ständige Blick auf „sensible Stellen“ färbt auch aufs Privatleben ab. „Wenn ich in ein Schwimmbad gehe, schaue ich mir erst das Überlaufbecken an. Ist das nicht wirklich sauber, lasse ich meine Badeschlappen lieber an“, sagt Oliver Hanke.