„Unser Handwerk ist die Zukunft“ 36 neue Elektroniker im Rhein-Kreis

Rhein-Kreis · Die Elektro-Innung Rhein-Kreis Neuss hat den Fachkräfte-Nachwuchs feierlich in den Gesellenstand erhoben. Dabei wurden zwei besondere Auszeichnungen verteilt – unter anderem an einen Wiederholungstäter aus Dormagen.

Den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung feierten die jungen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit der Elektro-Innung Rhein-Kreis Neuss. Vorne links der Jahresbeste Heiko Bröxkes.

Den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung feierten die jungen Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik mit der Elektro-Innung Rhein-Kreis Neuss. Vorne links der Jahresbeste Heiko Bröxkes.

Foto: Kreishandwerkerschaft

Heiko Bröxkes hatte nur noch einen Versuch, und der musste sitzen. Mit 16 hatte der heute 38-Jährige schon einmal die Ausbildung im Elektrohandwerk gemacht – und damals die Gesellenprüfung nicht bestanden. Es folgten die Bundeswehr und viele Jahre, in denen er als Busfahrer und im Lager sein Geld verdiente. Irgendwann dachte er sich: „Du musst noch lange arbeiten, da muss jetzt was passieren.“ Im Elektrobetrieb Breuer und Schneider in Grevenbroich absolvierte er nun nach zwei Jahrzehnten seine zweite Ausbildung als Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik. Dafür wurde er nun mit 35 anderen frisch gebackenen Gesellen aus dem Rhein-Kreis geehrt – und zwar mit einer besonderen Auszeichnung durch die Kreishandwerkerschaft Niederrhein Krefeld-Viersen-Neuss.

Dabei hätte eine Vier schon gereicht, um die Prüfung zu bestehen. Und eben diese Note war Bröxkes‘ Ziel. Doch darüber schoss der Dormagener weit hinaus. Während der feierlichen Lossprechung musste er also bis ganz zum Schluss darauf warten, dass ihm Armin Blaschke, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses, seinen Gesellenbrief überreichte. Dann aber wurde er besonders gefeiert – denn er hatte die beste Prüfung von allen 36 neuen Gesellen abgelegt.

„Jetzt bin ich Elektroniker und zufrieden“, kommentierte Heiko Bröxkes den Top-Abschluss seiner Ausbildung, „ich merke jeden Tag, dass mir die Arbeit im Kundendienst wirklich Spaß macht. Ich habe ständig neue Herausforderungen und erfahre ganz viel Dankbarkeit und Freundlichkeit von den Kunden.“ Derzeit spielt er mit dem Gedanken, sich zum Meister oder Techniker zu qualifizieren.

Doch nicht nur Bröxkes sieht für sich eine Zukunft als Elektriker. Als Florian Hold sein Abitur in der Tasche hatte, war für ihn klar: Auf Schule hatte er keine Lust mehr – er wollte etwas Handfestes. Sein Stiefvater ist Elektriker, so hatte er bereits einige Einblicke in den Beruf erhalten. Hold erlernte sein Handwerk bei Dirk Hentges, einem Zwölf-Mann-Betrieb in Dormagen. Die Prüfung legte er schon im vergangenen Sommer ab, da er wegen seines Abis die Ausbildung verkürzen konnte. Anschließend nahm er an der Deutschen Meisterschaft im Handwerk teil – und wurde dritter Sieger im Bereich der Handwerkskammer Düsseldorf. Für diese Leistung wurde er während der Lossprechungsfeier besonders geehrt.

Dass dieses Berufsfeld aber keine reine Männer-Sache ist, stellt Katrin Fuss unter Beweis. Sie ist die einzige Frau unter den neuen Gesellen und bringt es auf den Punkt: „Unser Handwerk ist die Zukunft“, sagt sie. Vor allem ein Thema hat es der 21-Jährigen angetan: Erneuerbare Energien. Genau diese Materie will die Abiturientin ab September studieren, nachdem sie jetzt die Ausbildung bei der Stamos GmbH in Grevenbroich abgeschlossen hat. Nach ihrem Studium will sie als Ingenieurin und Planerin für große Fotovoltaikanlagen arbeiten.

Ihr und den übrigen 35 neuen Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik rief Obermeister Ernst Veiser zu: „Die Zukunft des Elektrohandwerks liegt in Ihren Händen.“ Veiser erhob den Fachkräfte-Nachwuchs offiziell in den Gesellenstand. Berufsschullehrer Michael Anderl vom Berufskolleg für Technik und Informatik (BTI) Neuss erinnerte an das Wesen des Elektrohandwerks: „Sie können jetzt nicht nur Kabel und Leitungen verbinden, sondern auch Menschen und Gemeinschaften“, sagte er. Die stellvertretende Neusser Bürgermeisterin Susanne Benary drückte es so aus: „Sie sind die Gewähr dafür, dass der technische Fortschritt funktioniert.“

Wie es weitergehen sollte mit den neuen Gesellen, ist für Patrik Wenke keine Frage – glücklich natürlich. Der „Happyologe“ aus Dormagen meinte in seiner Festrede, Glück sei „das Sammeln von Glücksmomenten“. Das Gegenteil von Glück hingegen sei Burnout. „Auf die Dauer nimmt die Seele die Farbe der Gedanken an“, erklärte der Kommunikationscoach und Buchautor.

(jus)
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