„Retreat for Nuns“: Hilfe aus Neuss für missbrauchte Nonnen von Simone Rees

Projekt „Retreat for Nuns“ : Hilfe aus Neuss für missbrauchte Nonnen

Die Neusserin Simone Rees hat ein Projekt ins Leben gerufen mit dem sie schwangeren, missbrauchten Nonnen weltweit helfen möchte.

Simone Rees weiß, dass sie sich keine leichte Aufgabe ausgesucht hat. Fast mutet es philosophisch an, wenn die 53-Jährige sagt: „Aber alles beginnt mit einem ersten Schritt.“

Vor rund zwei Wochen hat die Neusserin das Projekt „Retreat for Nuns“ (zu Deutsch: „Rückzug für Nonnen“) ins Leben gerufen und möchte damit schwangeren, missbrauchten Nonnen ihre Hilfe anbieten – deutschlandweit, europaweit und auch weltweit. Aber wie soll diese Hilfe aussehen? Für Nonnen aus Deutschland hat Simone Rees jetzt Räumlichkeiten in Neuss angemietet, die sie als vorübergehende Unterkunft beziehungsweise Rückzugsort stellen kann.

Doch die 53-Jährige möchte, wenn es sein muss, auch bis nach Afrika reisen, um sich persönlich mit den Ordensfrauen zu treffen und sie vor Ort zu unterstützen. Wie genau die Hilfe im Detail dann ausschaut, möchte Simone Rees immer gemeinsam mit den Ordensfrauen entscheiden. „Jedes Schicksal ist schließlich anders und somit wird auch jede Hilfe immer variieren“, sagt sie.

Simone Rees (53) engagiert sich mehrfach ehrenamtlich. Foto: Rees/Retreat for Nuns

Auslöser für den Start des Projektes war die Dokumentation „Gottes missbrauchte Dienerinnen“, die der Sender Arte ausstrahlte. Diese thematisiert sexuelle Übergriffe und seelische Gewalt gegen Nonnen. In jener Doku kam unter anderem die ehemalige Nonne Constanze zu Wort und erzählte, dass allein aus ihrem Orden mehr als 50 Schwestern in den Vatikan entsendet wurden und das über 30 Frauen ungewollt schwanger wurden. „Das ist für mich einfach nur unfassbar“, sagt Simone Rees.

Um Nonnen auch dort erreichen zu können, möchte sie in Italien Zeitungs-Annoncen schalten und auch in sozialen Netzwerken die Werbetrommel rühren. Die Arte-Doku darf mittlerweile jedoch nicht mehr gezeigt werden, nachdem eine im Film zu sehende Person eine einstweilige Verfügung erwirkt hatte. Der Sender hat bereits angekündigt, dagegen vorzugehen. Es sei nicht ihr Anliegen, Priester oder Institutionen anzuklagen oder zur Rechenschaft zu ziehen, sagt Simone Rees. Ihr ginge es lediglich darum, den missbrauchten Frauen anonymen Schutz zu bieten – sowohl seelisch als auch bürokratisch. Dies könnte beispielsweise Hilfe bei der Arztwahl, der Wohnungssuche, der Kita-Suche, der Jobsuche und vielem mehr sein.

Die 53-Jährige ist auch in anderen Bereichen ehrenamtlich aktiv. Zum Beispiel im Hospizdienst oder in Altenheimen mit ihrem Hund. Die in der Finanzdienstleistungsbranche tätige Geschäftsführerin macht keinen Hehl daraus, dass sie keine offizielle Qualifikation hat, um zum Beispiel psychologische Betreuung zu bieten. „Aber ich habe ein breites Netzwerk und kann an Profis weiter vermitteln“, sagt sie.

Sogar Papst Franziskus hatte jüngst eingeräumt, dass es in der katholischen Kirche zu sexuellem Missbrauch von Nonnen gekommen sei. „Ich weiß, dass Priester und auch Bischöfe das getan haben. Und ich glaube, es wird immer noch getan“, sagte er auf die Frage einer Journalistin auf dem Rückflug von seiner Reise nach Abu Dhabi Anfang Februar dieses Jahres. In der Vergangenheit habe es laut Franziskus sogar Fälle von „sexueller Sklaverei“ durch Kleriker gegeben.

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