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Neuss/Düsseldorf: Rentner bestreitet Mord an seiner Schwägerin

Neuss/Düsseldorf : Rentner bestreitet Mord an seiner Schwägerin

Zum Prozessauftakt zog der Angeklagte sein Geständnis zurück. Die Staatsanwalt glaubt, ihn anhand von Indizien überführen zu können.

Mit einem Paukenschlag hat am Düsseldorfer Landgericht der Prozess um den Tod der 86-jährigen Helene K. aus Reuschenberg begonnen. Der wegen Mordes angeklagte Schwager der Frau wollte von seinem Geständnis nichts mehr wissen und bestritt Freitag die Tat. Ja, er attackierte die Polizei, die ihm die Aussage quasi in den Mund gelegt habe. Er selbst habe den Mord nur eingeräumt, weil er unter dem Einfluss von Medikamenten stand. "Wir gehen derzeit davon aus, dass unser Mandant die Tat nicht begangen hat", erklärte Rechtsanwalt Horst Ruthmann zum Auftakt des Verfahrens.

Foto: woi

Das sieht Staatsanwalt Christoph Kumpa ganz anders. "Wir sind uns sicher, dass das ursprüngliche Geständnis korrekt ist", sagt Kumpa. Er glaubt, dass der Angeklagte sein Opfer getötet hat, weil er eine sexuelle Affäre mit seiner Schwägerin hatte. Um zu verhindern, dass diese Affäre öffentlich wird, soll er die Frau mit einem Kissen erstickt haben.

Die Ermittler stützen sich bei ihrer Annahme nicht nur auf die Angaben des Angeklagten, sondern auch auf eine Vielzahl von Indizien. So hatten Spurenexperten an der Leiche tatrelevante Hautpartikel des 77-Jährigen gefunden. Das ursprüngliche Geständnis passt laut Ermittlungen zu den Verletzungen des Opfers.

Heinrich S. beharrte Freitag dennoch darauf, für den Mord nicht verantwortlich zu sein. Er will seine Schwägerin lediglich in ihrem Haus an der Birkenstraße tot aufgefunden haben. "Meine Frau hatte mich gebeten, dort nach dem Rechten zu sehen und bei meiner Schwägerin nachzufragen, ob sie Einkäufe nötig hat. Da habe ich sie entdeckt", erklärte der Rentner, der zum Prozessauftakt im grauen Anzug und mit Hörgerät erschienen war.

Der 77-Jährige stammt gebürtig aus Oberschlesien. Nach dem Zweiten Weltkrieg kam er nach Neuss. Viele Jahre arbeitete er beim Schraubenhersteller "Bauer & Schaurte", seit knapp 20 Jahren ist er Rentner und lebte bis zu seiner Festnahme an der Aurinstraße. "Meine Hobbys sind der Garten und Fahrrad fahren", gab Heinrich S. zu Protokoll, im Fernsehen würde er sich mit seiner Frau gerne Krimis ansehen. Trotz einer Vielzahl von Operationen und Erkrankungen habe er sowohl seiner Frau als auch seiner Schwägerin im Haushalt und bei Besorgungen geholfen. "Die Ehefrau hält weiter zu ihm. Sie kann sich nicht vorstellen, dass er ihre Schwester getötet hat", betonte Rechtsanwalt Horst Ruthmann.

Die Staatsanwaltschaft ist dennoch sicher, den Mann anhand der Indizien überführen zu können. Unter anderem sollen die Polizeibeamten als Zeugen vernommen werden, bei denen Heinrich S. fast unmittelbar nach Entdecken der Tat sein ursprüngliches Geständnis abgelegt hatte.

Obwohl der 77-Jährigen an einigen Erkrankungen leidet, ist der Prozess nicht gefährdet. "Ich habe den Angeklagten viermal untersucht", erklärte dazu Gutachter Kurt Behrends. "Die Verhandlungsfähigkeit ist trotz einer beginnenden Demenz nicht beeinträchtigt."

(lnw/url/rl)