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Neuss: Reitstall könnte Bau von Möbelhaus verzögern

Neuss : Reitstall könnte Bau von Möbelhaus verzögern

Bei der Bürgerinformation zum Hammfeld-Projekt blieben gestern Abend viele Fragen offen. Eine: Die Zukunft des Reitstalls Schanowski.

Die Stadt bekommt im Hammfeld ein neues Möbelhaus, verliert eine Freizeiteinrichtung —und Heinz Schanowski seine Existenz. Der 61-jährige Reitstallbesitzer war deshalb natürlich dabei, als gestern Abend Mitarbeiter der Verwaltung und Vertreter des Berliner Investors Kurt Krieger das 100-Millionen-Euro-Projekt im Rathaus erstmals gut 30 Interessierten vorstellten. Pläne, die bei Schanowski "richtige Existenzangst auslösen."

In dem ambitionierten Neubauvorhaben passiert viel zum frühest möglichen Termin, die Bürgerinfo machte da keine Ausnahme. Erst am Freitag hatte der Rat mit dem Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan das förmliche Verfahren in Gang gesetzt, ab heute liegen die Pläne für das, was da vis-á-vis zum Rheinparkcenter auf 80 000 Quadratmeter Grund und Boden entstehen soll, im Planungsamt der Stadt zur Einsichtnahme und Kommentierung aus. Tempo, Tempo, Tempo, damit das Ziel erreicht werden kann, das Verwaltung, Ratsmehrheit und Investor im Blick haben: die Neueröffnung von Möbel Höffner in Neuss an Weihnachten 2014.

Dass Schanowksi diesem Zeitplan am besten nicht im Wege stehen soll, hatte man ihm schon im Juni deutlich zu erkennen gegeben, als ihm die Pacht für den Hof am Derendorfweg gekündigt wurde. Mietfreiheit bis Oktober sei ihm angeboten worden — wenn er dafür einem Auflösungsvertrag zu diesem Termin zustimmt. Aber Schanowski, dessen Vater im Mai 1964 die Reitschule auf der Anlage eröffnet hatte, kann und will sich darauf nicht einlassen. Er kann nicht, weil er nicht weiß, wohin. Verhandlungen über einen Ankauf von Gut Altwahlscheid scheiterten am Preis, andere Optionen hat er noch nicht aufgetan.

Vier Jahre vor dem Pensionsalter aber könne er es sich schlicht nicht leisten, die Füße hochzulegen, sagt er. Schanowski will aber auch nicht vorzeitig räumen, weil er so nicht mit sich umspringen lassen will. "Die würden am liebsten jetzt schon alle Bäume fällen", sagt er — und an seinem Dressurgeviert konnte er das nur mit Mühe verhindern.

Für Stadt und Investor ist die Einigung mit dem Reitlehrer und dem auf der Anlage seit 47 Jahren beheimateten Neusser Reitclub nur ein zu klärendes Detail unter vielen. Wie vielen, das machten schon die Fragen deutlich, die die Verwaltung auch in zweistündiger Sitzung nicht alle abschließend beantworten konnte. Es ging um die Erschließung des Möbelhauses, den Verkehr, den es auf sich ziehen wird und die Frage, ob die Mitarbeiter mit ihren Autos die Straßen im Rheinparkcenter gegenüber vollstellen werden. Die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wurde hinterfragt, die möglichen Auswirkungen auf die Innenstadt beleuchtet und der Zusammenhang mit den Ideen des Masterplans geprüft. Oft blieb der Verwaltung nicht mehr übrig, als auf die beauftragten Gutachten zu verweisen. "Wird sind im Verfahren ganz am Anfang", sagte Anne Becker vom Planungsamt. Heinz Schanowski ist eher am Ende. Aber sein Pachtvertrag läuft ja erst Ende Juni 2014 aus.

(NGZ)