Reiter und Rennverein Neuss kann seine Kreditschulden nicht bezahlen

Reiter- und Rennverein Neuss : Rückhalt des Reitvereins schwindet

Neues Gastronomiekonzept und ein zugesagter Landeszuschuss ändern nichts an der Lage: Der Reiter- und Rennverein bleibt auf Hilfe angewiesen. In der Politik erstarken die Kräfte, die den NRRV jetzt in die Insolvenz schicken wollen.

Der Neusser Reiter- und Rennverein (NRRV) ist nicht in der Lage, seine halbjährliche Rate für einen Millionenkredit aus dem Jahr 2001 zu bezahlen. Das ist wenig überraschend, weil seit 16 Jahren gängige Praxis. Neu ist, dass immer weniger Stadtverordnete gewillt sind, dem NRRV auch dieses Mal mit einem Zuschuss in Höhe von immerhin 40.000 Euro aus der Klemme zu helfen. Behalten sie die Oberhand, wenn der Rat am Freitag über die Übernahme dieser Rate entscheidet, droht dem NRRV die Insolvenz – und die Abwicklung.

Die Bereitschaft, dem NRRV ein Jahr vor dem Auslaufen des schon gekündigten Pachtvertrages die Unterstützung zu entziehen, wurde durch einen Briefwechsel erhöht, der den Mitgliedern des Beteiligungsausschusses vergangene Woche in geheimer Sitzung vorgelegt wurde. Denn darin stellt der NRRV-Vorsitzende Jan Antony Vogel klar, dass auch bei einer „deutlich erhöhten Zuschauerresonanz und damit einer Steigerung der Qualität der Veranstaltung mittelfristig keine Mehreinnahmen in dem Umfang erzielt werden können“, dass, so heißt es dort weiter, „auch die Tilgung des verbürgten Darlehens ermöglicht.“ Wozu also noch abwarten und darauf setzen, dass das neue Konzept, mit dem die Politik überrumpelt wurde und das auch beim Renntag am Dienstag auf ein „Street-Food-Festival“ setzt, Wirkung entfaltet – wenn es die Stadt finanziell nicht entlastet? Dann doch lieber die Geschäftsbeziehung vorzeitig beenden und ein Jahr früher in die Lage versetzt sein, im Kontext mit Wendersplatz und Hammfeld Pläne für das Rennbahnareal schmieden zu können.

So sehen es die Linken, für die Vincent Cziesla schon mehrfach betont hat, dass „jeder andere von der Stadt bezuschusste Verein einen größeren Anteil für das gesellschaftliche Zusammenleben erbringt, als dieser Rennverein“. So sieht es auch die SPD, für die Arno Jansen betont: „Die Rennbahn wird ja keine Brache, auf der nur noch Löwenzahn wächst.“ Auch für Carsten Thiel (UWG) und den parteilosen Deniz Davarci ist das Kapitel Galopp zu Ende. „Das kann man dem Bürger ja gar nicht mehr verkaufen“, so Thiel.

In diese Phalanx scheint sich auch die FDP einzureihen, bei der, wie Manfred Bodewig unterstreicht, die „Bereitschaft, dem NRRV Zeit zu geben, sein dubioses Verhalten weiter zu betreiben, äußerst gering ist“. Zur Mehrheit würde nur noch die AfD fehlen. Die könnte zwar, wie Dirk Kranefuß erklärt, auch der Haltung der CDU etwas abgewinnen, die jetzt zahlen und die Zusammenarbeit Ende 2019 auslaufen lassen möchte. Doch tendiert die AfD angesichts der Umstände dazu, sich den Kritikern anzuschließen. Aber nicht, um ein Exempel zu statuieren.

Helga Koenemann und die CDU gehen zwar noch einmal mit dem Scheckheft in der Hand auf den NRRV zu, doch soll das dann auch die Schlussrate gewesen sein. Im Juni werde man nicht mehr zahlen, sagt Koenemann. Es sei denn, dem Verein gelingt es, bis dahin noch einmal einen Pachtvertrag mit der Stadt auszuhandeln. Dazu wiederum sehen Michael Klinkicht und die Grünen als Koalitionspartner keine Notwendigkeit mehr. „Mit Stichtag Ende 2019 ist für uns Schluss.“

Auch Jürgen Sturm, Geschäftsführer bei Neuss-Marketing, will keine falschen Hoffnungen nähren. Er habe kein Mandat, neue Vertragsverhandlungen zu führen und in seinem Fünf-Jahres-Finanzplan die Rennbahn ab 2020 auf Null gesetzt. Keine Einnahmen aus dem Galopp, aber auch keine Ausgaben mehr.