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Reinar Ortmann als neuer RLT-Intendant

Neuer Intendant des RLT : Ortmann will keine Zwischenlösung sein

Ein Jahr lang führt Reinar Ortmann das RLT. Aber er versteht diese Zeit nicht als Überbrückung, bis Caroline Stolz kommt, sondern will dem Theater seinen eigenen Stempel aufdrücken.

Noch ist die Spielzeit im RLT nicht zu Ende. Erstmal muss noch die „Othello“-Inszenierung am Wochenende über die Bühne des Globe gehen. Die neue Saison beginnt offiziell im August, wenn das Ensemble nach der Sommerpause seine Arbeit wieder aufnimmt. Und erst dann dürfte Reinar Ortmann offiziell im Büro der Noch-Intendantin Bettina Jahnke Platz nehmen.

Aber ein Landestheater muss anders planen als ein Stadttheater, ist der Zeit immer um mindestens eine Spielzeit voraus. So steht der Spielplan für die erste und einzige Ortmann-Saison schon seit Monaten, wird für Abstecher anderen Kommunen angeboten – und wurde in erster Linie von Ortmann konzipiert. „Eigentlich arbeite ich schon wie ein Intendant“, sagt Ortmann lachend.

Bettina Jahnke ist zwar noch offiziell im Amt, aber musste schon viel Zeit investieren, um ihre erste Spielzeit am Potsdamer Hans-Otto-Theater, das sie 2018/19 übernimmt, vorzubereiten. So kann es sich auch Ortmann auf die Fahne schreiben, dass manche Aufführung in der nächsten Saison neue Rekorde im Verkauf aufweist: Die Shakespeare-Komödie „Was ihr wollt“ zum Beispiel, 100 Mal ist sie schon gebucht.

Allerdings sieht Ortmann sich nicht als Einzelkämpfer. „Ich bin einer großer Freund von Teamarbeit“, sagt er, „und bevorzuge flache Hierarchien. Auch wenn ich natürlich weiß, dass es einen geben muss, der das letzte Wort hat.“ Ein Jahr lang habe er nun Zeit, auszuprobieren, wie er damit leben könne, sagt er schmunzelnd. Wichtig ist ihm, im Umgang mit den Mitarbeitern des Hauses den Idealen zu entsprechen, die das Theater auch mit seinem Spielplan nach außen transportiert: Respekt, Haltung und Empathie.

Dass der bisherige Chefdramaturg diese Funktion auch als Intendant behält, liegt bei Ortmann auf der Hand. Zumal der angestammte Beruf ihm auch Perspektiven offenlässt: „Ich kann mir auch vorstellen, nach diesem Jahr wieder als Chefdramaturg etwa an einem größeren Haus zu arbeiten“, sagt er. Etwas zögerlich vielleicht, denn der nächste Satz macht deutlich, welche Ambitionen er auch hat: Die Einjahresintendanz biete ihm nämlich die Möglichkeit, „zu zeigen, dass ich es kann“. Er hatte zwar Angebote als Chefdramaturg, gibt er zu, aber habe auch nicht lange gezögert, „Ja“ zu sagen, als der RLT-Trägervereinsvorsitzende Cornel Hüsch ihm die Stelle für die Intendanz angeboten habe.

Doch auf keinen Fall will Ortmann ein Interimsintendant sein. Die Verantwortung zu übernehmen, dass die Spielzeit zwischen dem Weggang von Jahnke und dem Neuanfang von Stolz für die Mitarbeiter keine „Spielzeit der Frustration“ wird; sicher zu stellen, dass das Publikum nicht zum Leidtragenden wird – das sind die Triebfedern für Ortmann, sich noch einmal ganz und gar reinzuhängen. Den Spielplan für die nächste Saison hat er zudem unter besonderen Bedingungen konzipiert: „Ein bisschen wie für ein Festival“, sagt er und lächelt, denn er konnte seine ganze Kraft nur auf diese Zeit richten, musste keineswegs schon im Kopf haben, was in der darauffolgenden Saison gezeigt werden könnte. Dass er zwei Inszenierungen („Biedermann und die Brandstifter“ und „Herz der Finsternis“) selbst übernimmt, war für ihn keine Frage. Zudem bleibt er damit in der Tradition Jahnkes, die ebenfalls zwei Inszenierungen pro Saison gemacht hat. „Mehr geht als Intendant auch nicht“, sagt Ortmann entschieden, „ich habe bei Bettina Jahnke schließlich gesehen, wie groß auch der Druck durch den Job ist.“

Und was kommt nach diesem Jahr? „Das wird sich zeigen“, antwortet er gelassen, „vielleicht drehe ich dann auch nur Däumchen.“ Grundsätzlich aber sei es für ihn ein „schöner Gedanke, weiterzuziehen – auch wenn es schwerfällt, dieses so toll aufgestellte Haus zu verlassen“. Ein kompletter Neuanfang sei am Theater schließlich nichts Ungewöhnliches. meint er und ergänzt: „Ich habe mich ganz bewusst nicht beworben, am RLT zu bleiben, sondern für einen Neuanfang nach dem Intendanz-Jahr entschieden.“ Fünf Jahre sei er dann am RLT gewesen:„Weitere fünf Jahre – dann bin ich schon 50.“ Und so steht schon jetzt für ihn fest, dass er das Feld wohlbestellt Caroline Stolz und deren Mitarbeitern überlassen wird. Sie wiederum, deren Vertrag als Schauspieldirektorin in Trier jetzt ausläuft, hat durch diese Intendanz-Lösung ein Jahr Zeit, sich auf den Job in Neuss vorzubereiten, und Bettina Jahnke konnte ein Jahr früher aus ihrem Intendantenvertrag raus.