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Reifen Gesell - Famalienbetrieb schreibt in 110 Jahren Stadtgeschichte

Neusser Familienbetrieb : 110 Jahre Gesell – Geschichte(n) der Hafenstraße

Als Schmiede gegründet dreht sich heute in der Werkstatt alles um Reifen. Ein Familienbetrieb schreibt Neusser Stadtgeschichte.

Reifen Gesell ist in der Stadt eine Institution. Selbst der Autofahrer, der seine Winter- beziehungsweise seine Sommerreifen in einer anderen Werkstatt aufziehen lässt, kennt den Betrieb an der Hafenstraße – gegründet vor 110 Jahren von Christian Gesell als (Huf-)Schmiede, heute gesteuert in fünfter Generation von Geschäftsführer Stefan Bürrig (50), unterstützt von seinem Vater, Senior-Chef Peter Bürrig (73).

In einer digitalen Welt, in der Termine komfortabel via Internet vereinbart werden, ist es das Markenzeichen von Reifen Gesell grundsätzlich keine Termine zu reservieren. Wer kommt, der stellt sich an. „Das funktioniert seit Jahren bestens“, sagt Peter Bürrig, „wer etwas Geduld mitbringt fährt im Regelfall spätestens nach 45 Minuten vom Hof.“ Wer sein Wagen abgebe, um zum Frisör zu gehen oder Einzukaufen, der könne bei Rückkehr auf dem Parkplatz in seinen Wagen mit den neuen Reifen steigen. Was sich anarchisch anhört, aber in der Praxis bewährt, basiert auf zwei Erfolgsfaktoren: ein eingespieltes Team von neun Mitarbeitern und ein großer Keller – ehemals als Tiefgarage geplant – als Reifenlager. Bürrig: „Wir haben keine Platzprobleme, ein gutes logistisches System und können somit flexibel und schnell auf Kundenwünsche reagieren.“

Peter Bürrig, der 1966 den Betrieb von seiner Tante Anna Gesell, geborene Zaun, übernahm, ist bis heute das Gesicht des Unternehmens, auch wenn er sich aus dem operativen Geschäft langsam zurückzieht. Der rustikale Handwerksmeister mit der klaren Aussprache besitzt ein großes Herz. Das wissen neben Familie und Belegschaft auch die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zu schätzen, wo er sich seit 1967 engagiert und heute in der „Altersabteilung“ mitmacht. Ab 1984 war er Löschbootführer.

Unbemerkt von der Öffentlichkeit gehört Peter Bürrig zu den zuverlässigen Partnern der Neusser Tafel. Seit 20 Jahren überweist er monatlich eine „großzügige Spende“ wie es Rebecca Schuh von der Tafel formuliert: „Die Kühltransporter, die wir fahren, kosten zwischen 50.000 und 60.000 Euro. Und ohne die Unterstützung aus dem Hause Bürrig wären wir arg ins Trudeln gekommen.“ In der Öffentlich ist schon eher bekannt, dass Peter Bürrig aktiv in seinem Schützenlust-Zug „R(h)einrassige“ mit Oberleutnant Peter Ritters war und dass er in seiner Freizeit sein Hobby pflegt: die Märklin-Eisenbahn. Der Senior-Chef blickt mit Stolz auf das Familienunternehmen und auf Neuss, der Stadt, „in der wir gern wohnen, leben und arbeiten“.