Regionalrat schafft planerische Voraussetzung für „Groß-Grimlinghausen“

Grüne in Neuss pochen auf Koalitionsvertrag : Regionalrat für „Groß-Grimlinghausen“

Grüne kämpfen gegen die Verdoppelung der Wohnungsbau-Potenzialfläche im Ort.

Das Neubaugebiet Grimlinghausen-Ost kommt quasi durch die Hintertür wieder auf die Agenda – und zwar in der ursprünglichen Größe von 27,3 Hektar. Unsäglich, nennt das Ingeborg Arndt, die planungspolitische Sprecherin der Grünen, die genauso empört darüber ist, dass der Planungsrat beim Regierungspräsidenten im Regionalplan für Grefrath – zwischen Lanzerather Straße und Skihalle – eine Potenzialfläche für Wohnungsbau verankern will. Werden beide Vorhaben Realität, würde das nach Ansicht Arndts einen parteiübergreifend seit Jahren betonten Konsens in der Stadtplanung aushöhlen – die klare Abgrenzung der Siedlungen gerade im Neusser Süden gegenüber der freien Landschaft und den Nachbarorten.

Ingeborg Arndt nennt Vorstoß des Regionalrates „unsäglich“. Foto: Woitschützke, Andreas (woi)

Die Grünen kündigen deshalb eine Initiative an, um diese Potenzialflächen ein- für allemal aus dem Regionalplan herauszustreichen. Ein entsprechender Antrag soll am 4. Juli auf dem Tisch liegen, wenn der Planungsausschuss tagt. Die Strategie soll am Montag (24.) in einer gemeinsamen Fraktionssitzung mit dem Koalitionspartner erörtert werden. Dort allerdings gibt man sich defensiv. Ins Verfahren gekommen seien beide Flächen zwar ohne Zutun der Stadt, sagt Ingrid Schäfer (CDU). Doch gleich wieder streichen? „Wir wurden auch dafür gewählt, die Entwicklung der Stadt langfristig zu sichern“, sagt Schäfer. Und – das würden ja auch Gutachten belegen – gerade für den Wohnungsbau fehlt es an Fläche.

In beiden Ortsteilen wird man diese Diskussion mit Spannung verfolgen, in Grimlinghausen steht sie schon auf der Tagesordnung. Der Verein „Freunde der Heimat“, der am Montag (24.) zur Stadtteilkonferenz in den Reuterhof einlädt, hat auch „Grimlinghausen-Ost“ auf seiner Themenliste, allerdings derzeit nur in der kleinen Form. Die hatten die Grünen durchgesetzt, als sie 2014 im Koalitionsvertrag mit der CDU festschreiben ließ: „Die Neuausweisung im Flächennutzungsplan Grimlinghausen Süd/Ost von ursprünglich 27,3 Hektar wird um 50 Prozent reduziert“. Und auch die zugebilligte Hälfte „wird planerisch bis 2020 nicht in Angriff genommen“. Darauf pochen die Grünen jetzt.

Die dafür ins Feld geführten Argumente seien weiter stichhaltig, sagt Arndt, doch die Bezirksregierung und ihren Planungsrat beeindruckt das wenig. Ihre Politik bestimmen Prognosen zum langfristigen Flächenbedarf. Der ist groß – und Grimlinghausen stand ja schließlich schon mal im Regionalplan. Dass die Fläche nun per Tischvorlage im Regionalrat nachgeschoben wurde, wurmt Arndt mächtig.

Planungsdezernent Christoph Hölters ist bemüht, etwas Dampf aus der Sache zu nehmen. Der Regionalplan weise auch langfristige Reserven aus, die die Stadt im Fall Grimlinghausen nicht in ihren Flächennutzungsplan übernehmen will. Der wird aktuell auf der Basis eigener Ziele entwickelt, soll bis 2030 halten und 2020 beschlussreif sein. Und selbst dieser Plan sei noch keine Basis für Bauanträge, sagt er.

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