Neuss: "Regenbogen" in Christ-König

Neuss : "Regenbogen" in Christ-König

Nachdem Susanne Stähli 2010 eindrucksvoll das Clemens-Sels-Museum "verwandelte", zeigt die Wittener Malerin nun erneut einige ihrer Arbeiten in Neuss: Bis Oktober sind Werke von ihr in der Christ-König-Kirche zu sehen.

Es war der Kirchenraum, der die Vorgaben machte: Kleinformatiges verbot sich von vornherein. Selbst die zweimal zwei Meter beziehungsweise 2,60 an 1,40 Meter großen Leinwände nehmen sich auf den riesigen Wandflächen geradezu zierlich aus. Und obgleich sich Susanne Stähli intensiv mit Grau und der Spannung zwischen den Komplementärfarben auseinandersetzt, entschied sie sich erstmals für eine Anordnung ihrer Farbfeldarbeiten in der Reihenfolge des Prismenspektrums – und eine starre Hängung. "Das würde ich sonst nie machen", gesteht die Wittener Künstlerin, die sich bereits im Januar in Christ-König umsah, um ein Konzept zu erarbeiten, "aber hier passte es."

Entstanden ist der Eindruck eines Regenbogens: in seiner Gesamtheit, aber auch innerhalb der Einzelarbeiten harmonisch. Das erreicht Stähli schon damit, dass sie die Farben bei ihren monochromen Arbeiten in vielen Schichten aufträgt, die jeweils die darunter liegenden durchscheinen lassen. Je mehr sich der Betrachter auf das Bild einlässt, desto stärker geraten die Übergänge zwischen den Farbtönen in Bewegung, beginnt die Farbfläche zu leben. Diese beinahe kontemplative Begegnung mit dem Einzelwerk, die Spiritualität des Regenbogens als urchristlichem Symbol, aber auch die Blau- und Rottöne, die in der Kunstgeschichte traditionell bei der Mariendarstellung verwendet wurden, schaffen einen Bezug zum Kirchenraum. Darauf wies auch Pastor Wolfgang Hanck bei der Ausstellungseröffnung hin, als er Susanne Stähli dem Publikum im Dialog vorstellte und in ihr Werk einführte. Der kunstinteressierte Geistliche, der seine eigene Sammlung 2008 dem Düsseldorfer "museum kunst palast" überließ, hat in mehreren Jahrzehnten als Pfarrer an Christ-König namhafte Künstler in den Neusser Norden geholt. Nachdem er 2009 in den Ruhestand trat, setzte der Kirchenvorstand die Arbeit fort.

"Wenn die Wände nur einige Wochen frei sind, fragen die Gemeindemitglieder schon nach, was denn als Nächstes geplant ist", erzählt Kirchenvorstand Hans-Dieter Feuerlein. Den entscheidenden Tipp gab schließlich Bettina Zeman vom Clemens-Sels-Museum, die Susanne Stähli 2010 für die Ausstellung "Der verwandelte Raum" verpflichtet hatte. Stähli gelang es, der Schwere der Museums-Architektur Leichtigkeit und Weite entgegenzusetzen. Dort arbeitete sie auch erstmals mit farbigen Folien, mit denen sie Fensterflächen abklebte. Für die Ausstellung in der Kirche griff sie auf bereits fertiggestellte Arbeiten zurück – zwei davon waren auch im Sels-Museum zu sehen. Ihre Wirkung in einem anderen Kontext zu erleben, dürfte auch für Besucher der damaligen Ausstellung spannend sein.

Info Christ-König-Kirche, Friedensstraße 10, dienstags bis samstags 9 bis 12 Uhr sowie sonntags 10.30 bis 12.30 Uhr und zu den Gottesdienstzeiten; zu sehen bis 12. Oktober

(NGZ)