Neuss/Leipzig: Razzia bei Bauverein-Partner

Neuss/Leipzig: Razzia bei Bauverein-Partner

Das "Marianum" kommt nicht zur Ruhe. In Leipzig wurden drei Licon-Manager vorläufig festgenommen, die das Neusser Vorhaben steuerten. Jetzt will der Kapitalgeber das Projekt an der Preußenstraße zu Ende führen.

Das für 14.30 Uhr angesetzte "Friedensgespräch" beim Bauverein im "Haus am Pegel" platzte. Die Verhandlungspartner von Prokurist Peter Krupinski mussten unfreiwillig umdisponieren und fanden noch nicht einmal Zeit, ihre Neusser Gastgeber zu informieren — sie hatten einen Termin beim Staatsanwalt in Leipzig. Der wirft dem Licon-Trio Untreue und Steuerhinterziehung vor.

Schaden: fünf Millionen Euro. Die drei Immobilien-Manager wurden vorläufig festgenommen. "Uns erwischte die Nachricht kalt", sagt Krupinski, "sie belegt, wie richtig es war, juristische Schritte einzuleiten."

Die dramatischen Ereignisse von Leipzig schlagen bis nach Neuss durch. Sachsens LKA durchsuchte bei ihrer Razzia die Geschäftsräume der Licon-Gruppe und die Privatwohnungen der drei Licon-Chefs. Diese Nachricht löste am Donnerstag in Neuss Ratlosigkeit aus.

Was wird nun aus dem Marianum-Projekt? An der Preußenstraße will die Licon im ehemaligen Notburgahaus und in einem neuen Anbau insgesamt über 90 Luxus-Wohneinheiten errichten. Die Arbeiten laufen. Bereits im Februar waren über 40 Wohnungskäufe beurkundet.

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Besteht Hoffnung? Zuversicht strahlt Hartmut Schultz aus. Er ist Sprecher von Jürgen Henning. 2005 gründete der Deutsch-Amerikaner gemeinsam mit zwei der jetzt beschuldigten Manager die Firma Licon. Er gilt als maßgeblicher Kapitalgeber der Gruppe. Henning wurde am Donnerstag gemeinsam mit dem ehemaligen WestLB-Chef Alexander Stuhlmann vom Landgericht Leipzig zur Geschäftsführung der Licon Wohnbau GmbH ermächtigt.

Sein Ziel sei es, so Schultz Donnerstagabend zur NGZ, das Neusser Marianum-Projekt zu Ende zu führen. Daran arbeite Henning, der durch eine Anzeige gegen seine Teilhaber im September die Ermittlungen ausgelöst habe. "Wer eine Bereinigung einleitet", kommentierte Bürgermeister Herbert Napp die Ereignisse, "der will das gute Ergebnis."

Der Neusser Bauverein hatte seinerzeit das Marianum-Areal vom Erzbistum Köln gekauft und mit Gewinn an die Kölner Vivacon weiter veräußert. Als der Projektentwickler in finanzielle Schwierigkeiten geriet, wanderte die Neusser Filetliegenschaft weiter — der neue Eigentümer hieß Licon.

Mit dem liegt der Bauverein bereits seit einiger Zeit im Streit. Die Neusser warten auf Geld. Sie lassen wie vereinbart die gemeinsame Tiefgaragen-Zufahrt bauen, die anteilmäßig von der Licon zu bezahlen ist. Als eine Rate ausblieb und die Kommunikation abgebrochen wurde, reichte der Bauverein Klage ein. Zum "Friedensgespräch" kam es nicht mehr.

(NGZ)
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